Hinter den Kulissen beim Signal Iduna Cup
von Jenny Musall
Aber wie gehe ich mit dieser doch sehr außergewöhnlichen Situation um? Auch mein normaler Job in einer Redaktion liegt gerade wegen Kurzarbeit so gut wie auf Eis. Und auch das momentan auf sehr unbestimmte Zeit. Für mich ist das alles keine leichte Situation. Denn ich gehe gerne arbeiten.
"Waschzettel" ist immer mit dabei
Aber zurück zum Signal Iduna Cup. Als das Turnier in der Westfalenhalle Dortmund losging bzw. die finale Pressekonferenz angestanden hatte, kamen gerade die ersten Verbote für Großveranstaltungen. Mit bange warteten alle Beteiligten ab, was und wie die Stadt Dortmund entscheiden würde. Es sickerte schnell durch, dass das Turnier unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden sollte. Damit konnte man leben. Die Reiter konnten starten. Und alle waren sich einig, dass sie froh waren, dass das Turnier überhaupt noch stattfinden würde. Wenn auch mit extremen Hygienevorschriften.
Jeden Tag musste man sich in eine Anwesenheitsliste eintragen. Dazu mussten wir einen Zettel bei uns tragen, der eine Anleitung zur Niesetikette sowie gründlichem Händewaschen war. "Wer den Zettel nicht bei sich trägt, den kenne ich nicht", sagte Dr. Kaspar Funke von Escon Marketing. Dem Veranstalter war es Ernst und auch die wenigen Besucher, die dabei sein durften, wurde dieser Zettel mit gegeben. Es gab immer wieder die Angst, dass das Gesundheitsamt kontrollieren kommt. Sie haben letztendlich nicht kontrolliert. Zumindest habe ich davon nichts mitbekommen.
"Wir sind froh, dass wir das Turnier überhaupt durchführen können"
Was ich aber gesehen habe, waren überall Ständer mit Desinfektionsmittel. Auch die Stimmung im Presseraum war nicht wie sonst. Wo sonst gerne mal der eine oder andere Scherz gemacht wurde, war Corona das Thema und die Hoffnungen, dass alle anderen Turniere irgendwie stattfinden. Man braucht ja auch Einnahmen, um zu überleben. Dazu waren bis auf zwei, drei Aussteller keine da. Denn wer verkauft schon etwas, ohne Kunden?
Am Donnerstagabend unterhielt ich mich noch kurz mit Oli Schulze Brüning, der die Schirmherrschaft von diesem Turnier inne hat. "Ich bin froh, dass wir das Turnier nicht abbrechen müssen. Mal schauen, wie lange wir noch dürfen", war der O-Ton. Am Samstagabend wendete sich Dr. Funke in einer bewegenden Rede an die wenigen Zuschauer. Ich schaute mir das Video eines Kollegen an und so gerührt und bewegt habe ich den Veranstalter noch nie erlebt. Funke war gerührt und hatte auch mit den Tränen gerungen. Das war für alle eine Situation, die wir bis Dato nicht kannten. Und nicht zu wissen, wie lange man darf, ist eine komplette Ausnahme.
Abbruch am Sonntag Morgen
In der Nacht von Samstag auf Sonntag hatte ich schon die neusten Beschlüsse der Stadt Dortmund mitbekommen, dass nun alle Großveranstaltungen untersagt seien.Ich saß im Auto, fuhr auf den Parkplatz der Westfalenhalle. und der Parkplatzwächter sagte: "Das Turnier ist abgebrochen worden." Schock, aber damit hatte man die ganze Zeit gerechnet. Ich rief nur noch einen Kollegen an, da dieser auf der Autobahn war und teilte ihm das mit. "Kannst umdrehen, das Turnier wurde abgebrochen". Wenige Minuten später hatte der Veranstalter das auch auf seiner Facebookseite bekanntgegeben.
Das war der Moment, als ich realisierte, dass Covid-19 vor nichts halt macht. Inzwischen weiß niemand, wie lange es noch so bleibt. Wann wird alles wieder normal? Das weiß niemand. Wann das erste, richtig Turnier wieder stattfinden wird, ist bis jetzt auch unklar.
Lesen Sie den ganzen Artikel
Jenny Musall
Jenny Musall
Meine ersten Berührungspunkte mit dem Journalismus hatte ich Anfang der 1990er Jahre ganz klassisch über die Tageszeitung. Schon früh habe ich gemerkt, dass das tagesaktuelle Krisengeschehen mich weniger interessiert. Stattdessen waren es Geschichten, die Orientierung geben, Zusammenhänge erklären und Perspektiven eröffnen. Themen, die näher am Menschen sind.
Heute arbeite ich als freie Journalistin mit einem breiten Themenspektrum. Meine Schwerpunkte liegen in Kultur, Feuilleton Sport sowie Ratgeber- und Servicethemen. Meine Themen sind im Bereich Design, Kunst, Fotografie und gesellschaftlich relevante Entwicklungen abseits des Nachrichtenstroms zu finden. Auch im Sportjournalismus ist es mir wichtig, dass nicht nur über das Spiel selbst, sondern auch die Hintergründe mit in den Text einfließen können.
Unabhängig vom Thema steht für mich eine saubere, gründliche Recherche im Mittelpunkt. Ich arbeite mich tief Inhalte ein, hinterfrage Aussagen und ordne Informationen ein. Mein Anspruch: Wenn ich ein Thema verstanden habe, können es auch die Leser und Leserinnen nachvollziehen.
Texte sollen informieren, verständlich sein und Vertrauen schaffen.
Ich arbeite zuverlässig, strukturiert und mit journalistischem Blick auf Relevanz. Gern setze ich Themen eigenständig um oder arbeite auf Basis klarer Redaktionsvorgaben.
Neugierig? Dann freue ich mich über einen regen Austausch sowie Anfragen von Redaktionen und Auftraggebern.
Auftraggeber
Bochum Journal , Lokalkompass , Sports-Net , WAZ Herne
Weitere Profile
Eigene Webseite , Facebook , Instagram
Keine Verbindung
Verbindung wird wiederhergestellt
Etwas ist schiefgelaufen
Wir sind gleich wieder da