Drink'n'Draw im Germanischen Nationalmuseum
Erstmals fand am vergangenen Mittwochabend eine launige Veranstaltung mit dem verheißungsvollen Namen „Drink’n’Draw“ in den ehrwürdigen Hallen des Germanischen Nationalmuseums statt. Es gab: das ein oder andere Bierchen, viele Menschen und viele, viele Zeichnungen. Es gab nicht: Berührungsängste.
Dass derart viele seinem Ruf gefolgt sind, nein, das hätte er beim besten Willen nicht gedacht, wundert sich Johannes Stahl nachdrücklich und blickt ungläubig in die Runde. Die ist gegen 19 Uhr 30, also ungefähr zur Halbzeit, beträchtlich gewachsen. Über 60 vornehmlich junge Menschen sitzen um Tische – soweit noch vorhanden, aber wer sagt denn, dass man Tische braucht, um kreativ zu sein? Und das sind so ziemlich alle. Haben Zeichenblöcke mitgebracht, herkömmliche wie digitale, Stifte, Aquarellfarben. Probieren aus, sind neugierig, lernen kennen – Techniken der anderen Anwesenden oder und gleich die anderen mit. Daheim sei er gesessen, erzählt der Design-Student Johannes Stahl, als „JoeMadeThis“ aufgehendes Licht am Illustratorenhimmel, mit Kumpels, Kommilitonen, ein Kasten Bier dabei, und dann haben sie halt gemalt. Das ging gut, einmal, zweimal, und dann wurden’s immer mehr, weil sich das eben rumspricht, wenn ein paar sich zusammentun und in vertrauter bis lockerer Atmosphäre kreativ arbeiten, und dann wurde die Wohnung zu klein, erzählt der 23-Jährige, „und außerdem musste ich ja dann immer putzen.“ In anderen Städten, hört er, gebe es das schon längst: sitzen, malen und so, und dazu ein Bierchen – oder auch noch eins, wie man halt so will. „Drink’n’Draw“, das gibt’s in New York, natürlich, in Paris, in Austin, in München auch. Jetzt halt Nürnberg. Dass der zweite offizielle Anlauf nach der Handvoll privater dann direkt im GNM stattfindet, das kam so: Wohnung zu eng, also rüber in den befreundeten „Coal Club“, und da war es schon so voll, „dass die Leute auf dem Boden gesessen sind.“ Eine der Neugierigen war Dr. Sonja Mißfeldt, zuständige PR-Dame des Museums und derzeit versehen mit Praktikant und Johannes-Kumpel Markus Schirocky, der sie einlud zur Farben-Feier. Überzeugungsarbeit sei da nicht groß zu leisten gewesen. „Das ist doch kein Aufwand für uns“, sagt Dr. Mißfeldt. Dass man sich zudem erhoffe, über dergestalte Aktionen jüngeres Publikum ins Museum zu locken, Hemmschwellen zu senken – klar. Und einfach: „Wer mag, kann sich gerne hier in der Sammlung umschauen, Inspiration holen.“ Tät man schon mögen, braucht man aber nicht. Die Künstler inspirieren sich einfach gegenseitig, holen sich Ideen, beratschlagen. „Drink’n’Draw steht für jeden offen, jeder kann kommen, ob Student, Künstler, Zufallsbesucher, Hobbymaler“ wie Christa Krömker (63), die „völlig überrascht ist, dass hier so viele junge Menschen sind“ und eigentlich einen „informellen Austausch“ erwartet hat. Stattdessen bekommt sie praktische Lehrstunden vom angehenden Concept Artist Florian Herold (23), dass die Notizen nur so flattern. Wer nicht quatschen mag, arbeitet still vor sich hin, nach und nach entstehen wunderbare Arbeiten verschiedenster Art, und wer nicht arbeiten mag, der quatscht eben einfach. „Kein Leistungsdruck, sondern Ideenfindung“, mag der 23-jährige Matthias Meissen („BLOK“) am „Drink’n’Draw“, und dass man neue Leute kennenlernt, gerade, wenn man sich sonst nicht so in der Szene tummelt, so es denn eine gebe, vielleicht „etabliert sich hieraus etwas“. Wird sich zeigen. Wäre schön. Die Künstler-Geister, die er rief, möchte Johannes Stahl schon gern weiter dabei haben, weiter zusammenbringen. Wie und wann, das wird, sagen wir mal so, noch nicht verraten. Aber die Mundpropaganda hat ja dieses Mal vorzüglich funktioniert. Wird sie auch beim nächsten Mal.
Katharina Wasmeier
Katharina Wasmeier
-
feature
-
freizeit
-
glosse
-
interview
-
kolumne
-
kritik
-
kultur
-
kunst
-
musik
-
porträt
-
kabarett
-
konzert
-
reportagen
-
lifestyle
-
selbstversuch
-
gastronomie
-
stadtleben
-
sozialmagazin
-
straßenzeitungen
\\ Every Body Tells a Story //
*Brigitte Nielsen
|Lieber Wortschlösser als Textbausteine
|gerne Hinter-, manchmal Unsinn
|PortraitInterviewRezensionGeschichteArtikelGlosseHierkönnteIhreWerbungstehen
|episch bis pointiert
|StreichelEinheitGegenWind
Auftraggeber
Ars Vivendi , B-EAT Magazin , Baumonitoring e. V. , Bloom GmbH Nürnberg , Caffe River , DATEV , Dreamday with Dreamcar , ELMA , Fidena , Handwerkskammer für Mittelfranken , How deep is your love , In Goho , Kaltwasser Kommunikation , Meramo Verlag , Messe Nürnberg , Museum für Kommunikation Nürnberg , N2025 , Nürnberger Nachrichten , Nürnberger Zeitung , SamSon Magazin , Straßenkreuzer , dpa , nuts communication
Weitere Profile
Bleu de Coup , ELMA , Facebook , How deep is your love , LinkedIn , Schreiben ist Gold , Xing
Keine Verbindung
Verbindung wird wiederhergestellt
Etwas ist schiefgelaufen
Wir sind gleich wieder da