Graffiti-Akademie "Style Scouts"

von Katharina Wasmeier

Graffiti-Akademie "Style Scouts"

Pädagogen haben’s nicht leicht. Da soll man Jugendlichen was fürs Leben mit auf den Weg geben, auf den man sie vorher mühsam gebracht hat und dabei gleichzeitig Vorbild und nah an ihnen dran sein. Das Feld ist ebenso breit gefächert wie die hierfür verwendeten Instrumentarien. Die Nürnberger „Style Scouts“ haben ihr ganz eigenes Konzept entwickelt – und sind damit so erfolgreich, dass sie mittlerweile mit Bundesverbänden zusammenarbeiten.


„Das Medium ‚Graffiti‘ eignet sich für sehr viele pädagogische Ansätze“, sagt Carlos Lorente. 2011 hatte der diplomierte Kommunikationswirt gemeinsam mit einem befreundeten Künstler „Deutschlands wahrscheinlich erste Graffiti-Akademie“ ins Leben gerufen. Die Intention: Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Kunst und Kultur nahezubringen und Perspektiven aufzuzeigen. Die Idee der beiden Künstler kam nicht von irgendwoher. „Ich habe bereits 2002 damit begonnen, gemeinsam mit Schulen und Jugendhilfeträgern Workshops für beispielsweise schwer erziehbare Jugendliche zu geben“, so Lorente. „Die positiven Erfahrungen, die ich während der teils sehr intensiven Zeit gemacht habe, gaben die Initialzündung: Ich möchte das Gefühl nicht mehr missen, Kindern und Jugendlichen etwas fürs Leben mitgeben zu können.“ In Form von Tages- bis Langzeit-Workshops bieten die „Style Scouts“, zu denen mittlerweile neben Lorente eine die fundierten Konzepte ausarbeitende Sozialpädagogin sowie mehrere Referenten gehören, nicht nur  „Orientierung und Einstieg in das Thema ‚Graffiti‘“ an: Die Zielsetzungen reichen von Stärkung der Gruppendynamik und Teamwork über Hilfe bei der beruflichen Orientierung bis hin zu Firmenevents oder Workshops für Einzelpersonen. „Dabei geht es uns immer um Inspiration und darum, die Teilnehmer dazu zu befähigen, etwas selber zu machen, leisten zu können“, sagt Lorente, der seit September 2013 im Rahmen eines Pilotprojektes an einem Laufer Gymnasium als Kunstlehrer arbeitet und „die positiven Ergebnisse dessen, was passiert, wenn man Graffiti im Klassenverband als Schwerpunkt setzt“, als für sich sprechend erachtet. 

Auf Basis des Konzepts „Style Scouts“, das vom Anfänger bis zum Profi-Sprayer alle Levels bedient, „um dem Anspruch einer Akademie gerecht zu werden“, arbeitet Lorente gemeinsam mit pädagogisch geschulten, erfahrenen Künstlern beispielsweise auch sogenannte „Partizipationsprojekte“ aus – im vergangenen Jahr widmete sich ein solches der Gostenhofer Litfaßsäule, ein ganzjährig mit den unterschiedlichsten Formen bespieltes Kunst-Konzept. „Bislang lag unser Fokus auf der Vermittlung von Techniken und der Gestaltung. Mittlerweile stehen die pädagogischen Ansätze klar im Vordergrund“, erklärt der 35-Jährige, der „im Theorieteil der Workshops für bestimmte Problematiken sensibilisieren“ möchte. Ein solches themensensibles Partizipationsprojekt steht auch im Juli an. Im Rahmen der Aufklärungskampagne „iCHANCE – Besser lesen, besser schreiben!“ wurden die „Style Scouts“ mit der Durchführung eines Projektes beauftragt. „Die Aktion beinhaltet nicht nur, dass sich Jugendgruppen mit dem Thema ‚Analphabetismus‘ auseinandersetzen sollen, sondern im Anschluss ihr eigenes Alphabet sprühen“, erklärt Carlos Lorente. Dieses Alphabet werde hinterher abfotografiert und, ganz jugendnah, als Facebook-App zum Kreieren beispielsweise des eigenen Namens zur Verfügung gestellt. Um das Projekt im öffentlichen Raum sichtbar machen zu können, sind die „Style Scouts“ jetzt auf der Suche nach einer geeigneten Fläche. Lärmschutzwände, Park- oder Spielplatzummauerungen, Schulen – alles ist denkbar als Untergrund für die „optisch sehr anregende Gestaltung“, der jedoch mindestens 60 Meter breit und 2,20 Meter hoch sein sollte. Für Tipps und Angebote unter [email protected] wäre nicht nur iCHANCE dankbar. 


www.stylescouts.de

Quelle: Nürnberger Nachrichten
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