Beatrix heißt die, die andere glücklich macht

von Rainer Manzenreiter

Schwester Beatrix Mayrhofer steht für ihre persönlichen und katholischen Werte ein und lässt sich dabei nicht aus der Ruhe bringen.


Die Ordenskleidung in klassischem Schwarz und Weiß, auf dem linken das Schulschwesternabzeichen. Der Wind weht durch die offenen Fenster und drängt die Vorhänge beiseite, von draußen ist das Hämmern einer Baustelle zu hören – Schwester Beatrix Mayrhofer bleibt unbeeindruckt. Umso beeindruckter ist sie vom Interesse an ihrer Person und freut sich, hier – beim Interview im Seminarraum des Schulzentrums Friesgasse im 15. Wiener Gemeindebezirk – sein zu können.


Arme Schulschwester von Unserer Lieben Frau

„Alles darf gefragt werden!“ Zuerst wird die blaue Einwegmaske abgenommen, damit das Lächeln der Schwester Beatrix‘ Mayrhofer nicht nur in ihren Augen zu sehen ist. Trotz Sicherheitsabstand ist sie den Menschen nahe. Als Ordensfrau habe man nicht nur eine große Verantwortung Gott gegenüber, sondern auch für die Gesellschaft, beginnt sie zu erzählen. Sie steht mit beiden Beinen fest im Leben und ist nicht zu scheu, dies zu zeigen.


Schwester Beatrix Mayrhofer wurde 1948 in Taufkirchen an der Trattnach in Oberösterreich geboren. Ihr Vater war Mesner, daher auch das Interesse an der römisch- katholischen Kirche und dem Glauben. „Wir waren eine sehr arme Familie, wir konnten uns keine Bücher leisten.“ Später in der Schulzeit habe sie ein Talent in sich entdeckt – Knopflöcher nähen. Dieses Können beschloss sie zu Geld zu machen, mit dem sie in Reclam-Heftchen investierte, um die Klassiker der Literaturgeschichte lesen zu können.

Mit 23 Jahren trat sie als Lehrerin in den Orden der „Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau“ ein. Seit einem Jahrzehnt leitet sie die Provinz Österreich und Italien. Der Ordensname Beatrix bedeutet: „Die, die andere glücklich macht“ – das ist ihr persönlicher Auftrag als Mensch und Ordensschwester.


Immer weniger Schwestern und Brüder

Die immer kleiner werdenden Ordensgemeinschaften bereiten Schwester Beatrix Mayrhofer keine Sorgen. Sofern die Botschaft des Evangeliums verkündet werde, gehe es nicht um die Zahl der Verkündenden, sondern um die Zahl der Zuhörenden. Diejenigen, die sich die Frage stellen, warum es immer weniger Ordensschwestern gebe, sollten sich die Frage stellen, warum sie nicht selbst in einen Orden eintreten wollen, fordert Schwester Beatrix Mayrhofer auf.

Den Wunsch nach eigenen Kindern habe sie nie gehabt, denn als Schulschwester sei sie immer von vielen Kindern umgeben. „Ich bin Lehrerin geworden und habe tausende Kinder gehabt.“ Sehr wohl habe es den Wunsch nach einem Partner gegeben: „Jemanden, mit dem ich zusammen sein kann und auch den Wunsch nach einer intimen Beziehung.“ Schwester Beatrix Mayrhofer wirkt nachdenklich. Das gehöre aber zum Dasein einer Ordensschwester dazu: „Es ist ein bewusster Verzicht und ich wage es, diesen Verzicht auf mich zu nehmen, weil ich so gerne Schwester bin.“


Als „Pinguin“ beschimpft

Alle zwei Wochen wird Schwester Beatrix Mayrhofer in der Öffentlichkeit auf ihr Aussehen, besonders ihre Kleidung, angesprochen. „Als Schwester fällt man immer auf.“ – es gibt immer Neugierige und Schaulustige. „Pinguin“ sei da noch eine der harmloseren Beschimpfungen. Beleidigungen tun weh – doch Schwester Beatrix Mayrhofer steht dazu, ihreLiebe Gott geschenkt zu haben und möchte dies auch alle wissen lassen. „Ich ziehe Spott auf mich und werde auch bedroht, aber es gibt Leute die schlechte Erfahrungen mit der katholischen Kirche bei mir abladen und das ist ihr gutes Recht – oder auch nicht, weil Wertschätzung sind wir einander immer schuldig.“


Mit 72 Jahren ist Schwester Beatrix Mayrhofer als Direktorin zwar schon pensioniert, doch als Schwester besitze sie Aufgaben und Verantwortungen, die zeitlich weit über die Pension hinausgehen. In Pension könne nur jemand gehen, der auch einen Beruf ausübt. Ordensschwester zu sein, sei kein Beruf, sondern eine Berufung.

Porträt von Rainer Manzenreiter

Rainer Manzenreiter

Wien

Zur Person

Rainer Manzenreiter

Studium

Publizistik und Kommunikationswissenschaften, Universität Wien

Ausbildung

Katholische Medien Akademie, Wien

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