Wunderwoche in der alten Post
Weil sie „große Sehnsucht nach etwas Neuem“ verspürte, schmiss die freischaffende Künstlerin Berit Klasing kurzerhand die Pläne für eine kleine Ausstellung anlässlich des 20. Jubiläums der von ihr geleiteten Kunstschule „Tube“ über den Haufen und setzte sich an derer statt daran, ein etwas größeres Projekt zu ersinnen. Das findet nun im Rahmen des „ Kunst- und Kulturfestivals Wunderwoche“ seine Umsetzung, und allein der Ort des Geschehens könnte ausreichend Anlass für Erstaunen geben, handelt es sich doch um nicht weniger als satte 1000 Quadratmeter in der sechsten Etage des altehrwürdigen Post-Gebäudes unweit des Hauptbahnhofs.
Bei einer Architektur-Ausstellung habe sie sich „in das Gebäude verguckt“ und beschlossen, hier sei grad der richtige Ort für die Feierei, die mit einer Ausstellung der Werke von rund 20 Künstlern verschiedenen Stils einhergeht. Nicht jedoch die selbst, sondern „einen gewissen Zeitgeist“ möchte die Schulleiterin in den Vordergrund stellen. Und weil „bildende Kunst allein mich langweilt“ ist das Konzept „in alle Richtungen ausgebaut“: Installationen, Malerei, Fotografie und Bildhauerei beispielsweise, die sich allsamt mit dem Thema „Wunder“ auseinandersetzen – auch naturwissenschaftlich, weil „die Naturwissenschaften an sich schon ein Wunder sind“, findet Berit Klasing, die mit ihren Projekten „die Welt verschönern und auch dahinterstehen können möchte.“ Plastische Landkarten oder eine Performance mit Live-Blindenschrift beispielsweise zeigen, dass „Blinde im Gegensatz zu uns etwas ganz tolles können“. Kunst, Erlebniskunst, Musik und viele Überraschungen sollen „in ihrer Mischung dafür sorgen, ein ganzheitliches Erlebnis zu schaffen.“ Das Erlebnis stellt vermutlich für viele allein der Besuch der Flächen dar, innerhalb derer sich auf acht Räumen mit Panoramablick die „Wunderwochen“ abspielen. Berit Klasing, die unter anderem für die „Kunst Bar“ der „RathausArt“ verantwortlich zeichnet (und die sich in vergleichbarer Weise auch in der „Wunderwoche“ findet), möchte nicht nur die Vielfältigkeit und Wunderbarkeit der Kunst zeigen, mit der sich die seit 2007 in der Gostenhofer Willstraße beheimatete „Kunstschule Tube“ so professionell wie freigeistig beschäftigt, sondern „andere Leute erreichen, ganz normale Menschen“, frei von Dünkelhaftigkeit und Berührungsängsten. Statt Rollkragenvernissage also Party, Workshops und DIY. Programm wie Gelegenheiten gibt es reichlich während der zehn Tage. Ab der Eröffnungsfeier mit SPD-Stadträtin Ruth Zadek und DJs am 20. März um 19 Uhr stehen neben dem stets möglichen „Lustwandeln durch die Ausstellungen“ in den für alle zugänglichen atelierartigen Räumlichkeiten sowie dem „Mobilen Atelier der Kunstschule Tube“ viele Möglichkeiten bereit, selbst aktiv tätig zu werden: Mal- und Bastelstunden für Kinder (22. & 29.3., 11-13 Uhr), Kuchen- und Kaffeeschlacht (15-18 Uhr), verschiedene Workshops für Schulklassen, ein Workshop „Alte Maltechniken“ mit André Debus (27.3., 19 Uhr) oder „Fotografie“ mit Bruno Weiß (26.3.) sind beispielsweise ebenso im Eintritt von 4 bzw. 6 Euro enthalten wie eine „Mappenberatung“ für Kunst- und Designstudiengänge, bei der Studieninteressierte ihre Arbeiten mitnehmen und sich von der Objekt-Künstlerin Berit Klasing professionell für kreative Studiengänge beraten lassen können (23. 25.3., 14-18 Uhr). Damit’s dann nicht doch zu einseitig kunstlastig wird und weil „nur Bilder an der Wand eh zu langweilig sind“, steht neben dem Vortrag „Recyclen in der Kunst und im Alltag“ von Marga Fisch (24.2., 19 Uhr) und „Qui Gong“ mit Simone Schernig Silber (29.3., 15 & 6 Uhr) und einer zweimaligen „Afterwork!“-Ansage (26. & 27.3., 18-22 Uhr) nicht zuletzt ein großes „Dinner in Green“ an, das mit 35 Euro Eintritt gleichzeitig als eine Benefizaktion zur Finanzierung der nicht ganz unkostspieligen „Wunderwoche“ dient: Jeder, der möchte, darf sich gemäß dem Dresscode von Kopf bis Fuß in Grün gekleidet und mit einem opulenten Picknickkorb ausgestattet im sechsten Stock der ehemaligen Hauptpost einfinden, um ein gemeinschaftliches Dinner in ganz besonderem Flair zu genießen. Wunder-barer Ausblick inklusive.
Katharina Wasmeier
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