Die Partykolumne - Fußpils
Der Rest liest sich ungefähr so, als hätten realitätsferne Akademiker in einem linguistischen Alchemielabor verzweifelt versucht, Buchstabendreck in hippes Wortgold zu transmutieren. Eins jedoch hat mich stutzen lassen: Fußpils, nämlich. Aus der Anwesenheit dieses wunderschönen Wortes, das nichts andres bedeutet als das herkömmliche „Wegbier“ (für die ganz Betagten unter euch: Das ist dasjenige Getränk, das der Ausgänger sich schnell für den Weg von daheim zur Party einsteckt, um den Aufbau des Blutalkoholspiegels keiner lästigen Unterbrechung auszusetzen), stellen sich mir Fragen und praktischerweise die dazugehörigen Antworten gleich mit.
Entweder, es verhält sich tatsächlich so, dass die Duden-Jugendwörter von postmodernen Mittdreißigern konstruiert und als Erfindung der Heranwachsenden präsentiert werden. Oder aber die Jugend ist überhaupt gar nicht ach-so-sprachkreativ wie ihr immer nachgesagt wird. Ich jedenfalls spreche seit Jahr und Tag von Fußpilsen. Und ich berufe mich ja für gewöhnlich nicht gern darauf, aber in diesem Fall: Ich bin garantiert nicht jugendlich! Also wenn das so ist, liebe Jugend, dann erfindet doch bitte gefälligst ein eigenes Wort fürs Wegbier, und lasst uns alten Menschen unseren hippen Slang. Sonst könnt ihr nämlich auch gleich wieder anfangen, „mega“ und „ultra“ zu sagen. Da könnt ihr mich jetzt ruhig einen „Beta“ schimpfen oder „Senfautomat“ und „Therapier mich nicht!“ rufen und „Hängs!“, aber in dem Fall bin ich gerne „emoxif“. Und dann verrat ich euch eine taufrische Schöpfung aus den Untiefen der Südstadt, „Ihr Asylopfer!“, schnapp mir mein Fußpils und ziehe von dannen.
Und zwar zum monströsen „Super Klub“ (Hirsch & Rakete, Vogelweiherstraße), „Freiküssen“ (Mach, Kaiserstraße), „Pink Terminal“ (Flughafenstraße), „Island Breeze“ (Stereo, Klaragasse), „One year turn it up“ (Indabahn, Bahnhofsstraße) oder einfach auf die Couch, weil am Samstag ist ja nämlich Nürnberg.Pop inklusiver aller zig Aftershow-Partys (Goija, Mach1, Zentralcafé, KKK, Stereo, Zwinger Bar, Maximum Lounge – und das sind nur die Großen); da kommt man fast nicht drum rum, außer man fährt hinaus zu „Monkeystyle“ (b², Bartholomäusstraße), „Raschen Crazy Night“ (Marquee, Klingenhofstraße), „Latinflavoured Nightlife“ (Fogon, ebd.), „Tune in“ (Desi, Brückenstraße), „80s/90s“ (Terminal), oder eins vom üblichen Kladderadatsch. Hauptsache Fußpils! Mit „s“!
Katharina Wasmeier
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