Der Ziegelbrenner Ret Marut

von Fritz Letsch

Der Ziegelbrenner Ret Marut

der #ziegelbrenner 1917:


„schuld an diesem kriege ist der kapitalismus, möglich gemacht hat ihn der journalismus.
nun sind sie verbrüdert.“

zum 50.Todestag von #RetMarut in der #Rätezeit in #München, #BTraven in #Mexico


Da gab einer in der Clemensstraße eine vermeintliche Maurer-Zeitschrift heraus, ging mit einem blöden Text zur Kriegs-Zensurbehörde und druckte dann ganz andere Inhalte, die aber nur an Abonnenten gingen:


"Der bescheidene Mann ging nach Hause, heftete in die Umschläge einen anderen Text, der meist aus einem krausen Buchstabengemenge von willkürlich nebeneinandergedruckten großen und kleinen Lettern zu bestehen schien, so dass jeder Mensch den Eindruck gewann, es handle sich um eine verrückte Literaturzeitschrift. Er verschickte die Hefte, und alles verlief glatt. In Wirklichkeit war diese Zeitschrift das flammendste Anti-Kriegspamphlet, eine ätzend scharfe revolutionäre Revue, die den Vergleich mit Karl Kraus’ Fackel nicht zu scheuen brauchte." https://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=24427&highlight=Traven


Der Feuerstuhl

Werk und Wirken des Schrifstellers B. Traven: Ein Sammelband anlässlich seines 50. Todestages am 26. März 2019, herausgegeben von Simone Barrientos und Karsten Krampitz


In der neueren Literatur zur
Revolution in Bayern 1918/19 scheint ein gewisser Ret Marut die große
Leerstelle zu sein. Der Herausgeber des „Ziegelbrenners“, der legendären
Münchner Antikriegszeitschrift; Freund Erich Mühsams und Gustav
Landauers – er bleibt der große Unbekannte, der nach der Niederschlagung
der Bayrischen Räterepublik nur knapp dem Standgericht entkam.


Welcher Mensch sich hinter dem
Pseudonym verbarg, mag heute weitgehend geklärt sein. Ebenso, dass sich
Ret Marut über viele Umwege in Mexiko niederließ und unter dem neuen
Pseudonym B. Traven mit Romanen wie Das Totenschiff oder Der Schatz der
Sierre Madre u.a. Weltliteratur schrieb.


Im historischen Gedächtnis der
Linken ist er heute nicht mehr präsent. In der kollektiven Erinnerung
hat lediglich ein Romantitel überlebt: Hans und Sophie Scholl benannten
ihre Widerstandsgruppe nach seinem Roman Die weiße Rose, der heute, wie
alle anderen Traven-Bücher, nicht mehr gelesen wird.


Dieser Sammelband will dem
entgegenwirken: eine Verbeugung vor dem Revolutionär Ret Marut und dem
Schriftsteller B.Traven – vor allem aber eine Hommage an sein Werk. Ein
besonderes Augenmerk gilt dem Roman Regierung, der vom Kontrast geprägt
ist, zwischen der luxuriösen Lebenswelt einer regierenden Clique und dem
bitteren Alltag der indigenen Bevölkerung – Männer und Frauen, die als
Landarbeiter ihren kargen Lebensunterhalt verdienen, oder als Holzfäller
und Karrentreiber in den Mahagoniwäldern.


Der Ortssekretär eines abgelegenen
Dorfes wird als korrupter Diktator dargestellt, der den Indios auch
noch das letzte Geld abpresst. Wie ein moralischer Gegenentwurf zum
Ortssekretär, gegen den sich die Menschen nicht wehren können, erscheint
die alljährliche Inthronisierung eines neuen Häuptlings, dem die
Dorfbewohner buchstäblich Feuer unterm Hintern machen. Mit dieser
Romanszene – dem Feuerstuhl – beschäftigen sich die Beiträge
verschiedener Autoren.


Andere Themen sind: Mexiko als
Sehnsuchtsort; als Projektionsfläche für linkssozialistische Utopien
oder auch für das rassistische Stereotyp vom „Edlen Wilden“. Andere
Texte über Traven (der Adorno so gar nicht kannte), handeln über das
richtige Leben im falschen, und eben darum geht es doch…


Als Autoren im Band:

„Reverend“ Christian Dabeler,
Bernd Drücke , Else Gabriel, Simone Hain, Alexander Karscnia, Caroline
Kodym, Christoph Ludszuweit, Thomas Martin, Luise Meyer, Erich Mühsam,
Frank Nordhausen, Mark Ottiker, Guillaume Paoli, Wolf-Dieter Schramm,
Maurice Schuhmann, Jörg Sundermeier. Torsten Seifert, Christoph Spehr,
Enno Stahl, Leander Sukov, Jörg Thunecke, Kurt Tucholsky, Vassilis
Tsianos, Hugo Velarde, Johannes Zeilinger u.a.


Die Herausgeber:

Simone Barrientos war viele Jahre
freischaffende Künstlerin, Verlegerin (Kulturmaschinen-Verlag) und ist
heute kulturpolitische Sprecherin der Linkspartei im Bundestag. Karsten Krampitz ist Historiker und freier Schriftsteller.


Clemensstraße 84 in München
1918/1968 – Revolutionen (1): Das Phantom. Als B. Traven noch Ret Marut war

„Zwischen 1933 und 1945 sind die Werke B. Travens in Deutschland verboten.


Der Schatz, den du zu finden die Mühen
Einer Reise nicht für Wert hältst,
Das ist der echte Schatz, den zu suchen
Dir Dein Leben zu kurz erscheint.
Der funkelnde Schatz, den Du meinst,
der liegt auf der anderen Seite.


(B. Traven: Der Schatz der Sierra Madre. Verlag der Büchergilde Gutenberg, Berlin 1930, S. 7)“ www.literaturportal-bayern.de


„Ret Marut war der Chefzensor der Münchner Räterepublik 1919 gewesen
und gilt als die treibende Kraft hinter der Sozialisierung der Presse.
Nach der Niederschlagung der Räterepublik im Mai 1919 wurde er verhaftet
und vor ein Feldgericht gestellt.


Kurz vor seiner Verurteilung gelang ihm die Flucht. Er tauchte unter
und wurde in den nächsten Jahren in verschiedenen europäischen Ländern
gesehen, ehe er endgültig verschwand.


Allerdings soll auch der Name Ret Marut nur ein Pseudonym für den im brandenburgischen Schwiebus geborenen Otto Feige sein.“ www.literaturportal-bayern.de/themen?task=lpbtheme.default&id=1174


Novellen durch RET MARUT (1912 a  1919)

In the Freest  State in the World
An das Fräulen von S…, München: I. Mermet Verlag 1916.
The Story of a Nun
The Silk Scarf
The Actor and the King
A Writer of Serpentine Shrewdness
Der Blaugetupfte Sperling (Ziegelbrenner, Hg.), Grotesken. Skizzen. Erzählungen. München: Der Ziegelbrenner Verlag 1919.
Originality
Deceivers
Mein Besuch bei Dichter Pguwlkschrj Rnfajbzxlquy
Malkunst
The Kind of things that can happen in France
Mother Beleke
In the Fog
The Unknown Soldier
Die Fackel des Fürsten , Novel (Nottingham: Edition Refugium 2009)
Der Mann Site und die grünglitzernde Frau, Novel (Nottingham: Edition Refugium 2009) http://www.btraven.com/deutsch/werke.html#03



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Porträt von Fritz Letsch

Fritz Letsch

München

Zur Person

Fritz Letsch

fairer Handel, faires Handeln in München? Rüstungsindustrie oder Bürgerstadt, Tourismus, Spekulation oder Selbstorganisation? Menschenmarkt.

Internationale Begegnungen mit Theater-Methoden über Denk- und Sprachgrenzen bringen: Magie im Urgrund unseres Wünschen, zukünftige Lebensformen in Selbstorganisation entwickeln, Anarchie in Genossenschaften und Räten

Auftraggeber

Forumtheater , Projekt Basis 3

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