After Life: Dortmunder Sprechchor sinniert über glückliche Erinnerungen
von Andreas Schröter

Szene aus After Life mit dem Dortmunder Sprechchor außen und den Zuschauern in der Mitte. Foto: Birgit Hupfeld
In der neuesten Produktion des Dortmunder Sprechchors am Schauspiel sitzen die Zuschauer in der Mitte und die Akteure um sie herum in einem Viereck. Diese ungewöhnliche Anordnung schafft Nähe und Intensität. After Life nach einem Film von Hirokazu Koreeda heißt dieses einstündige Stück, das am Sonntag im Studio Premiere hatte.
Leider müssen wir erfahren, dass wir soeben gestorben sind. Bevor es jedoch endgültig ins Jenseits geht, dürfen wir uns noch eine Erinnerung aus unserem Leben aussuchen, die wir mitnehmen können – aber nur eine einzige. Das eröffnen uns die bleich geschminkten und leicht erhöht sitzenden Sprechchor-Mitglieder, während sie sich genüsslich einen Tee kochen (Überraschend, dass an der Himmelpforte Tee getrunken wird).
Per Synchronsprech erzählen sie von dem alten Mann, dem partout keine schöne Erinnerung eingefallen ist („Mein Leben ist nicht so verlaufen, wie ich es mir vorgestellt habe“) oder der jungen Frau, die sich dem ganzen Procedere komplett verweigert hat. Ganz viele Kinder würden am liebsten eine Erinnerung an einen Besuch im Phantasialand mitnehmen, heißt es, während Erwachsene zwar im ersten Moment nach etwas kramen, das mit Sex zu tun hat, sich aber dann meist doch für etwas anderes entscheiden.
Man denkt über sich selbst nach
Unweigerlich denkt man dabei als Zuschauer auch über sich selbst nach. Welche Erinnerung würde ich mitnehmen? Die Geburt der Kinder? Die Hochzeit? Omas gemütliche Küche? Die synchrone Sprechweise, die Kenner des Dortmunder Sprechchors schon von Produktionen wie Margot Maria Rakete, Kaspar Hauser oder Das Bildnis des Dorian Gray kennen, schafft eine ganz eigentümliche künstlerisch-entrückte Atmosphäre, die zu dem philosophischen Stoff passt.
Einmal, als die Mitglieder nacheinander sagen, welche Aufgaben sie an der Himmelspforte erledigen müssen („Ich heiße soundso und wische die Tränen auf“), gehen die Einsätze etwas durcheinander. Das macht allerdings rein gar nichts. Die Sprechchor-Mitglieder sind Laien, die sich einmal in der Woche aus Spaß am gemeinsamen Tun treffen.
Auflockerung durch Kindersprechchor
Für Auflockerung sorgen kleine Video-Einspielungen über glücklich Momente im Leben sowie der Auftritt des Kindersprechchors. Dabei rennen, hüpfen und toben die jungen Mitglieder fantasievoll kostümiert und mit kleinen Stofftieren ausgestattet durch die Zuschauerreihen. Insgesamt eine sympathische Produktion, bei der Thorsten Bihegue Regie geführt hat.
Andreas Schröter
www.theaterdo.de
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