Joachim Król mit glanzvollem Auftritt im Schauspiel

von Andreas Schröter

Joachim Król mit glanzvollem Auftritt im Schauspiel
Joachim Król

Joachim Król liest aus "Der erste Mensch" von Albert Camus

Was für ein schöner Abend! Bei seinem Gastauftritt im Schauspiel Dortmund ließ Joachim Król am Samstagabend farbenfrohe und emotionale Bilder von einer Intensität in den Köpfen der Zuschauer entstehen, die man kaum erwarten würde bei einem Auftritt, der lediglich aus Stimme und musikalischer Begleitung besteht.


Der Vorhang im restlos ausverkauften Haus geht auf, und der bekannte Schauspieler („Wir können auch anders“, „Der bewegte Mann“, „Tatort“) sitzt dem Publikum zugewandt am Bühnenrand auf einem Barhocker, daneben ein Glas Wasser. Diese Position wird er für den Rest des Abends beibehalten. Im Hintergrund sitzen die fünf Mitglieder der Band „L’Orchestre du soleil“ auf schwarzen Stufen. Sie haben Instrumente wie Oud oder Akkordeon.
Joachim Król packt jeden Zuschauer
Als Joachim Król anfängt zu lesen, ist spätestens nach drei Sätzen klar, dass hier ein Könner am Werk ist, der es mit Betonung, richtigem Tempo und Gestik versteht, auch den letzten Zuschauer auf den hintersten Plätzen zu packen. Król liest aus „Der erste Mensch“, einem letztlich unfertigen Roman, an dem Albert Camus, geboren 1913, bei seinem Unfalltod 1960 arbeitete. Darin geht es um die Kindheit des französischen Literaturnobelpreisträgers in einem Arme-Leute-Viertel von Algier. Der Text macht deutlich, wie bildungsfern, wie rau, wie arm und zugleich wie unbeschreiblich schön das Leben für den Ich-Erzähler, der sich im Buch Jacques nennt, gewesen sein muss.
Großmutter schwingt das Zepter
Seine Großmutter, die in einer vaterlosen Familie bestehend aus Analphabeten das Zepter schwingt, schlägt den Jungen mit der Peitsche und ist dagegen, als ein Lehrer Jacques‘ empfiehlt, den Jungen nach der Volksschule aufs Gymnasium zu schicken. Geht nicht, sagt sie. Er muss Geld verdienen, um die Familie über Wasser zu halten. Erst nachdem besagter Lehrer eine Stunde lang auf Großmutter und Mutter eingewirkt hat, willigen sie schließlich ein.
Zugleich wird klar, warum sich Camus zeitlebens danach zurückgesehnt hat. Da ist die nahezu taubstumme Mutter, die er über alles liebt, die Sonne und der Wind, der vom Meer salzhaltige Luft herüberweht, die Freiheit auf den Straßen und Stränden Algeriens und das Fußball-Spielen auf betonharten Plätzen.
Ein Gesamtpaket, das passt
Die Stimme Króls, die Musik sowie verschiedene Lichtstimmungen schaffen ein Gesamtpaket, das ganz einfach passt und das dazu führt, dass die Zuschauer am Ende geschlossen aufspringen, um dem Künstler und der Band minutenlang im Stehen zu applaudieren.
Theater Dortmund

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