Theater blickt auf erfolgreiche Spielzeit zurück

von Andreas Schröter

Theater blickt auf erfolgreiche Spielzeit zurück
Theater

Szene aus "Faust II - Erlösung" am Theater Dortmund

Das Theater Dortmund blickt auf eine sehr erfolgreiche Spielzeit 2016/17 zurück. Im Vergleich zum Vorjahr konnte die Gesamtauslastung von 76,2 Prozent auf 81 Prozent gesteigert werden. Alle fünf Sparten konnten ein beeindruckendes Programm vorweisen.

Finanziell entwickelte sich das Wirtschaftsjahr 2016/17 für das Theater Dortmund positiv. So stiegen die Erlöse auf 4,93 Millionen Euro und lagen um 858.000 Euro über dem Plan. Auch die Ertragszuschüsse der Stadt Dortmund lagen aufgrund des Sonderzuschusses für die Ersatzspielstätte Schauspiel im Megastore mit 37,2 Millionen Euro um 406.000 Euro über dem Wirtschaftsplan. Analog zu den Erträgen haben sich die Personalaufwendungen aufgrund der Tarifkostensteigerungen erhöht (um 1,02 Millionen Euro auf 36.853.000 Euro) sowie die Materialaufwendungen um 794.000 Euro auf 2,6 Millionen Euro. Das Theater Dortmund hat den geplanten Bilanzverlust (652.000 Euro) aus eigener Kraft um 292.000 Euro auf 360.000 Euro verringert.
Oper
Die Spielzeit 2016/17 bot in der Oper eine abwechslungsreiche und teilweise äußerst anspruchsvolle Reise durch ein zeitgemäßes Musiktheater, die vom Publikum begeistert aufgenommen und mit hohen Auslastungszahlen und Einnahmen belohnt wurde.

Ein Höhepunkt der Spielzeit war die Produktion "Einstein on the Beach". Der Dortmunder Schauspiel-Intendant Kay Voges inszenierte die Avantgarde-Oper von Philip Glass und Robert Wilson auf spektakuläre Weise neu: Mithilfe modernster visueller Technik entstand zu Glass‘ minimalistischer Musik eine so im Theater noch nicht gesehene Bildwelt.

Mit einem Klassiker der französischen Oper hatte die Spielzeit begonnen: In "Faust (Margarethe)" von Charles Gounod stand zum vorläufig letzten Mal das Dortmunder Sänger-Traumpaar Eleonore Marguerre und Lucian Krasznec gemeinsam auf der Bühne. Ein weiteres spektakuläres Sängerpaar waren Emily Newton und Lance Ryan, die Desdemona und den Titelhelden in "Otello" darstellten. Intendant Jens-Daniel Herzog inszenierte Verdis vorletzte Oper neu.

Freunde der musikalischen Unterhaltung kamen voll auf ihre Kosten: Zuerst in der Aufführung des Lloyd Webber Musicals "Sunset Boulevard" mit Musical-Star Pia Douwes in der Hauptrolle, dann bei der Inszenierung von Paul Abrahams "Blume von Hawaii". Die Operette wurde in einer Rekonstruktion der musikalischen Urfassung gespielt, und wurde schließlich zur erfolgreichsten Operetten-Produktion der laufenden Intendanz.

Die fantasievolle und farbenfrohe Neuinszenierung der "Zauberflöte" durch den Regisseur Stefan Huber wurde zu einem Theaterereignis für Zuschauer jeden Alters. Im Rahmen der Koproduktion Junge Oper Rhein/Ruhr mit der Deutschen Oper am Rhein und dem Theater Bonn war in dieser Spielzeit Dortmund Ort einer Uraufführung. Mit "Gullivers Reise" des Komponisten Gerald Resch und des Librettisten John von Düffel gelang ein neues Opernwerk für Kinder, das sich mit viel Witz mit dem Klassiker von Jonathan Swift auseinandersetzte.

Obwohl das Gebäude der Jungen Oper wegen des Werkstattumbaus geschlossen war, gab es im Operntreff eine Inszenierung des Erfolgsstücks "Gold!" von Leonard Evers für die Kleinen, und in Kooperation mit dem Kinder- und Jugendtheater Dortmund die Uraufführung einer neuen "Hamlet"-Oper von Timo Jouko Hermann. Zum Ende der Spielzeit kam in Zusammenarbeit mit dem Märkischen Gymnasium Iserlohn das Rock-Musical "Beethoven’s Last Night" auf die Bühne.

Der intensive Dialog mit dem Publikum blieb ein wichtiger Teil der künstlerischen Arbeit - ob in Einführungsmatineen, öffentlichen Proben, Werkeinführungen, dem Abo-Tag, Liedmatineen oder der Reihe "Die Stunde danach" in Zusammenarbeit mit der TU Dortmund.

Wirtschaftlich ging es nach der erfolgreichen Spielzeit 2015/16 noch weiter bergauf, die Gesamtauslastung stieg auf nahezu 80 Prozent, die Einnahmen übertrafen die Prognosen bei weitem. Nach der sechsten Spielzeit von Opernintendant Jens-Daniel Herzog steht die Oper Dortmund künstlerisch und wirtschaftlich hervorragend da, und hat den führenden Platz unter den Häusern der Region, der ihm von Kritik und Publikum zugebilligt wird, ein weiteres Jahr lang verteidigt.
Ballett
In der Spielzeit 2016/17 setzte das Ballett die Reihe spektakulärer Uraufführungen mit "Faust II – Erlösung" in der Choreographie von Ballettdirektor Xin Peng Wang fort. Erstmalig tanzten die internationalen Ballettstars Lucia Lacarra und Marlon Dino als neue Mitglieder der Dortmunder Compagnie im Dortmunder Opernhaus. Mit der Ballettproduktion "Kontraste I Inger I Siegal I Clueg" fasste Xin Peng Wang höchst gegensätzliche Choreografien von Johan Inger, Richard Siegal und Edward Clug zu einem Abend zusammen.

Ein weiterer Höhepunkt der Ballettsaison war die Eigenproduktion "Matthäus-Passion" des NRW Juniorballetts in Kooperation mit dem Dortmunder Bachchor. Die Vorstellungen unter der künstlerischen Leitung von Ballettdirektor Xin Peng Wang fanden in der Reinoldikirche statt: Tanzelemente und Bachs Arien und Chorgesänge ergänzten sich perfekt. Wiederaufgenommen wurden Xin Peng Wangs Erfolgsproduktionen "Schwanensee" und "Faust I – Gewissen".

Zum ersten Mal wurde das Ballett Dortmund zu einem der prestigeträchtigsten Tanzfestivals, dem "Prix Benois de la danse", ins Moskauer Bolschoi Theater eingeladen. Für den "Oscar des Tanzes" wurde Edward Clug mit seiner Dortmunder Choreografie "Hora" nominiert.

Herausragend war außerdem die Gastspielreise des Dortmunder Balletts nach China vom 30. Juni bis 10. Juli 2017 mit der Produktion "Faust II – Erlösung!". Aufführungsorte waren das Tianqiao Theater in Peking und Grand Theatre in der Dortmunder Partnerstadt Xi’an. Das Ballett trug damit zu den Feierlichkeiten anlässlich des 45-jährigen Bestehens der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und China bei.

Neben den künstlerischen Erfolgen konnte das Ballett sowohl seine Auslastung auf 80 Prozent, aber auch in besonderem Maße seine Einnahmen signifikant auf über eine Million Euro steigern, und erzielte von allen Sparten die höchste Eigenerwirtschaftung. Damit zählt das Ballett zu den wirtschaftlich tragenden Säulen des Theater Dortmund. Gleichzeitig nahm das Ballett Dortmund auch in dieser Spielzeit seine soziale Verantwortung wahr, in dem es wieder eine Benefizveranstaltung zugunsten der Dortmunder Aidshilfe gab.
Dortmunder Philharmoniker
Ihre vierte gemeinsame Spielzeit hatten die Dortmunder Philharmoniker und Generalmusikdirektor Gabriel Feltz unter die Überschrift "zauber_märchen_welten" gestellt. Einmal mehr gelang es dem Orchester, seine Auslastung zu steigern. Diese liegt nun erstmals seit vielen Jahren an der magischen Marke von 80 Prozent. Für die Philharmoniker eine echte Auszeichnung, in der sich die Annahme ihrer Arbeit durch die Dortmunder Bevölkerung spiegelt.

Herzstück der musikalischen Arbeit der Dortmunder Philharmoniker ist die große Abo-Reihe der Philharmonischen Konzerte mit zehn Doppelabenden. Zu den Höhenpunkten gehörte große Sinfonik, unter anderem von Tschaikowsky, Dvorák, Rachmaninow und Mahler. Im Februar gab es zudem ein Wiedersehen mit dem ehemaligen Dortmunder Generalmusikdirektor Marek Janowski: Vor einem zweimal fast ausverkauften Konzerthaus dirigierte er zwei Sinfonien von Beethoven und Schubert.

Ein weiteres Highlight fand direkt zu Beginn der Spielzeit statt: die Cityring Konzerte auf dem Friedensplatz unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Mit Opern- und Musicalgala, Groove Symphony und Familienkonzert war für rund 6.000 Zuhörer etwas dabei. Die Philharmoniker konnten bei Gastspielen den Namen der Stadt Dortmund auch außerhalb ihrer Grenzen zum Strahlen bringen.

Neben den regulären Auftritten für Oper und Ballett konnte im Rahmen der "Expedition Klassik" auch das Musikvermittlungsprogramm ausgeweitet werden und so zahlreiche Dortmunder Schüler zwischen Aplerbeck und Nordstadt mit Musik vertraut gemacht werden. Und mit ihrer Aufnahme von Rachmaninows 3. Sinfonie setzen die Philharmoniker ihre in Fachkreisen beachtete zyklische Auseinandersetzung mit diesem russischen Romantiker fort.
Schauspiel im Megastore
Das Schauspiel verbrachte die gesamte Spielzeit umbaubedingt in der Ausweichspielstätte Megastore. Inhaltlich standen die Inszenierungen immer wieder unter dem Eindruck gegenwärtiger Ereignisse und polarisierender politischer Bewegungen: Krieg und Migration, drohender Demokratieverlust und wiedererstarkender Autoritarismus. Das zeigte die Eröffnung der Spielzeit mit "Triumph der Freiheit #1" nach Joël Pommerat. Dazu zählt ebenso die deutschsprachige Erstaufführung von Mike Daiseys "Trump" sowie das Demokratie-Gefährdungs-Doppel aus Bertolt Brechts "Furcht und Elend des Dritten Reiches" (arabisch übertitelt) und die zu einer Inszenierung zusammengebundenen Stücke von Franz Xaver Kroetz "Furcht und Hoffnung in der BRD: Ich bin das Volk". Enge Verwandtschaft zum inszenierten Brecht bot auch der moderne Klassiker von Ödön von Horváth "Kasimir und Karoline" in der Inszenierung von Gordon Kämmerer. Beide Stücke zeigen, wie die äußeren Verhältnisse die inneren Seelenhaushalt gefährden können.

Gleich drei Inszenierungen gehören im weitesten Sinne zur Kategorie der Recherche-Stücke. Bei dem Uraufführungs-Monolog "Die Schwarze Flotte" - der in der Regie von Kay Voges zu zahlreichen Gastspielen eingeladen wird - griff die Autorin Anne-Kathrin Schulz auf eine detaillierte Recherche des Journalisten-Kollektivs Correctiv zurück: Wer verdient an dem Schmuggel von Drogen, Waffen, Menschen im Mittelmeer? Bei der Uraufführung "Flammende Köpfe" griff Autor, Regisseur und Performer Arne Vogelgesang tief in sein Videoarchiv zum Thema radikalisierte Sprache im Netz und im öffentlichen Raum. Bei der Uraufführung "Nach Manila" ging der Inszenierung von Regisseur Moritz Riesewieck eine intensive Recherche auf den Philippinen voraus: ein Stück über die moralischen Abgründe der Facebook-Klickarbeiterinnen, die den westlichen User vor digitalem 'Müll' bewahren. Die drei Inszenierungen versuchen, einen differenzierten Blick auf eine komplexer erscheinende Welt zu werfen.

Schauspiel-Intendant Kay Voges unternahm nach der vielgerühmten, bei Presse und Publikum gleichermaßen anerkannten Inszenierung "Die Borderline Prozession", die im Mai beim 54. Berliner Theatertreffen den ersten "Theater-Oscar" seit 21 Jahren wieder nach Dortmund holte, seine nächsten Experimente: In der Uraufführung "hell / ein Augenblick" brachte er mit dem gesamten Ensemble und dem Fotografen Marcel Schaar eine künstlerische Untersuchung von Themen wie Vergänglichkeit, Zeit, Augenblick und Plötzlichkeit auf die Bühne.

Voges‘ Inszenierung "Einstein on the Beach" ging noch einige Schritte weiter: Jeder Ton, der von den Opern-Solisten, den Schauspielern oder den Sängern des Chorwerk Ruhr gesungen wird, löste einen anderen Lichtimpuls aus – mehrere Monate der Vorarbeit und Programmierung machten diese einzigartige Inszenierung möglich.

Das Schauspiel treibt neben dem regulären Spielbetrieb die Entwicklung einer Akademie für Digitalisierung und Theater voran – erste Financiers und Partner in Kommune, Land und auch Bund sind gefunden.
Kinder- und Jugendtheater
Das KJT eröffnete die Spielzeit 2016/17 mit der Uraufführung von "Infinity" - einem Stück von Charles Way, in Kooperation mit dem Consol Theater Gelsenkirchen und dem Theatr Iolo in Cardiff. Darauf folgte "Rico, Oskar und die Tieferschatten" nach dem gleichnamigen erfolgreichen Roman von Andreas Steinhöfel.

Das Weihnachtsmärchen "Der falsche Prinz" von Andreas Gruhn nach Wilhelm Hauff feierte im November seine Uraufführung. Wegen des Werkstattumbaus im Schauspielhaus konnten rund 7.000 Zuschauerplätze weniger angeboten werden. Das Theaterabenteuer "Zuckeralarm" wurde zum spannenden Spionagekrimi über die Zuckermafia.

Im Februar hatte "Hamlet – Sein oder Nichtsein" in Kooperation mit der Jungen Oper Uraufführung. Der Klassiker wurde modern interpretiert und mit einem beeindruckenden Bühnenbild ausgestattet. Das eigens für das KJT geschriebene Stück "Strafraumszenen" von Jörg Menke-Peitzmeyer hatte seine Uraufführung im März. Das Stück über den Mikrokosmos Fußball entstand in Kooperation mit der BVB-Stiftung "leuchte auf".

Die Arbeit mit Geflüchteten stand in der vergangenen Spielzeit sehr im Fokus der Arbeit des KJT. Über das zweite Jahr in Folge wurde in Zusammenarbeit mit dem VMDO, den Groneschulen NRW und der Unterkunft in der Adlerstraße mit einer Gruppe von Geflüchteten gearbeitet. Unter dem Titel "Say it Loud II – Aus Fremden werden Freunde" entstand eine Produktion, die im Juni präsentiert wurde. "Achtung Liebe!" - das Jugendprojekt im Rahmen von "pottfiction" kam auch im Juni auf die Bühne. Die Jugendlichen arbeiteten das ganze Jahr mit drei Künstlern zusammen am Thema "Liebe und Achtsamkeit". Besondere Anerkennung fand die Arbeit des KJT durch die Auszeichnung mit dem "Bajazzo-Preis 2016".
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