Geierabend mit guten und weniger guten Nummern

von Andreas Schröter

Geierabend mit guten und weniger guten Nummern
Geierabend

Wemser und Missgeburt alias Franziska Mense-Moritz und Sandra Schmitz beim Geierabend 2018. Foto: StandOut

Wegen der kurzen Karnevalssession hatte der Geierabend 2018 bereits 2017 Premiere. Am Donnerstag startete das Programm „Bye Bye Bottrop“ auf Zeche Zollern.

Und im Grunde war‘s wie immer: Es gibt einige starke Gags und andere, die nicht so zünden. Einmal mehr sind es vor allem die altbekannten Nummern, die mitreißen. Die Zwei vonne Südtribüne mit Hans Martin Eickmann (in seinem letzten Jahr Geierabend) und der nach wie vor unglaublich wandlungsfähigen Franziska Mense-Moritz. Die beiden denken darüber nach, wie man die neun Spiele eines jeden Bundesligaspieltags auf die nur sieben Tage der Woche so verteilen kann, dass nur ein Spiel an jedem Tag stattfindet. Völlig klar: Die Woche muss um zwei Tage verlängert werden. Es gibt künftig zusätzlich den Sonntag A und den Sonntag B. Außerdem muss dafür natürlich die Erdumlaufbahn der Erde um die Sonne verlängert werden. Ebenfalls kein Problem.

Einmal mehr zum Schreien komisch sind auch Martin F. Risse mit einer neuen Story aus dem sauerländischen Schnöttentrop (ein paar Sauerländer legen versehentlich den Kanal in Dortmund-De-usen trocken, wobei sie das e und da u in Deusen getrennt sprechen) oder Hans-Peter Krüger, der als Taubenvatta dem Tod (Sandra Schmitz) ein Schnippchen schlägt.
Nicht alles ist lustig
Anderes dagegen – vor allem wenn das Ensemble versucht, auf Aktuelles einzugehen – wirkt letztlich doch etwas bemüht: wenn eine Truppe Schotten nach dem Brexit auf einer einsamen Hallig einfällt oder wenn‘s um den Nutzen von Urin in der Diesel-Krise geht.

Das Motto des Abends, der wieder unter der Regie von Günter Rückert steht, ist der Schließung der letzten Zeche im Ruhrpott, Prosper-Haniel, Ende 2018 in Bottrop gewidmet. Und natürlich gibt‘s auch wieder die unvermeidliche Abstimmung zum Pannekopp des Jahres (25 Kilo Stahlschrott am Band). Kandidaten sind die lit.COLOGNE, die sich für die Alphabetisierung des Ruhrgebiets einsetzt, und NRW-Ministerpräsident Armin Laschetals „Herr der Ringe“, weil es sich für Olympia im Ruhrpott einsetzt. Armin Laschet gewinnt, aber so richtig lustig ist das nicht.
Tolle Leistung trotz Wadenbeinbruchs
Das größte Lob gebührt einmal mehr Franziska Mense-Moritz, die trotz Wadenbeinbruchs den Abend auf Krücken rockt. Aber wo ist die Bandscheibe? Genauso gut in Form zeigten sich Martin F. Risse, Hans-Peter Krüger und Sandra Schmitz (Letztere unter anderem als alkoholabhängiger Bundesadler).

Präsident Roman Henri Marczewski hat seinen stärksten Auftritt – wie schon bei früheren Geierabenden – als Bluessänger (Tribute to Fats Domino) am Ende der Pause, als die Zuschauer wieder in den Saal strömen. Warum gönnt man ihm nicht mal eine solche Nummer im regulären Programm – also wenn es auch alle Zuschauer mitkriegen?

Nicht unerwähnt bleiben dürfen natürlich Murat Kayi, der in einer Nummer mit Martin F. Risse als Kim Jong-un glänzt, und die Band, bestehend aus Andreas Ruhnke, Matthias Dornhege, Oleg Bordo, Bettina Hagemann und Gilda Razani.
Geierabend feiert sich selbst
Aber letztlich ist die Qualität der einzelnen Nummern nicht das Einzige, was am Geierabend wichtig ist. Der Abend auf Zeche Zollern ist eine liebgewonnene Dortmunder Tradition, zu der man auch ein bisschen geht, um sich selbst zu feiern. Das Publikum reißt begeistert die Arme hoch, wenn Steiger Martin Kaysch dazu aufruft. Man will sich auf Teufel komm raus amüsieren, auch wenn gar nicht alles lustig ist. Schlimm ist das keinesfalls.

Genauso ist es in der 30-minütigen Pause. Man isst eine Frikadelle oder einen Flammkuchen bei Bubi Leuthold von Tante Armanda und schaut sich ein bisschen um: Ach guck mal, der und der ist auch da – und sogar der OB mit Familie.

Man freut sich und man ärgert sich über den Geierabend – und ertappt sich gelegentlich bei der Frage, ob er nach all den Jahren nicht doch mal eine Renovierung nötig hätte. Aber wenn er nicht mehr da wäre, würde einfach in der Zeit um die Jahreswende etwas fehlen.

Andreas Schröter

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Lesen Sie auch unsere Besprechung zum Geierabend 2017

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