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Ägypten: Die Generation Protest sitzt im Gefängnis

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Ein Mann trägt sich in ein Wählerverzeichnis ein, um seine Stimme abzugeben: aufgenommen in Heliopolis, einem Kairoer Stadtviertel, am 26. März 2018 © Fethi Belaid/AFP/Getty Images

Ägypten wählt und der Sieger steht schon vorher fest: Durch Repression sichert Abdel Fattah al-Sissi seine Macht. Seinem Volk aber geht es dreckig.



Wie ein Pharao schwebte Abdel Fattah al-Sissi über dem Wasser. Salutierend stand er am Bug seines Bootes, während fünf Trompeter mit goldenem Kopfputz seine herrschaftliche Fahrt akustisch vom Land aus begleiteten. Die Szene ereignete sich anlässlich der Feier zur Erweiterung des Sueskanals im Jahr 2015. So wie damals inszeniert sich Ägyptens Staatspräsident gerne als königlicher Herrscher.

Der neue Sueskanal ist eines der kostspieligen Megaprojekte, die sich Sissi bei seinem Amtsantritt 2014 vornahm. Die Bauvorhaben sagen eine Menge aus über den Herrscher Ägyptens und sein Verhältnis zum Volk, das 2011 im Arabischen Frühling das Regime Mubaraks stürzte. Denn während sich der abgehobene Präsident in Prestigevorhaben verliert, um in einer fernen Zukunft ausländisches Kapital anzuziehen, haben die Ägypter ganz andere, ziemlich reale Probleme und Sorgen. Ein Großteil von ihnen lebt in Armut, sie dürfen ihre Meinung nicht frei äußern und sich nicht mehr politisch organisieren. Von der Freiheit und Demokratie, die sie 2011 forderten, ist Ägypten weiter entfernt als jemals zuvor.


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