Pilgern unter Polizeischutz

von Sarah Mersch

Pilgern unter Polizeischutz
Jedes Jahr pilgern Juden aus ganz Europa und dem Mittelmeerraum zur La-Ghriba-Synagoge auf der tunesischen Insel Djerba. Doch dieses Jahr bleiben viele zu Hause – nachdem Israel vor der Reise warnte.

Nicole Tibi sitzt konzentriert in einer Ecke der La-Ghriba-Synagoge. Mit einem Filzschrift schreibt sie Wünsche für Freunde und Familie auf hartgekochte Eier. Dann legt sie diese in eine kleine Höhle. "Ich kann aus Erfahrung sagen, dass die Wünsche wahr werden", erzählt die 63-Jährige. Schon als Baby haben ihre Eltern sie zur Pilgerfahrt nach Djerba mitgenommen. Seit ihrer Geburt hat Tibi kein Jahr ausgelassen.


Inzwischen lebt sie in Frankreich, doch sie kommt immer noch auf die Mittelmeerinsel, wo sich die jüdische Gemeinde einmal im Jahr in der wohl ältesten Synagoge auf dem afrikanischen Kontinent versammelt. "Das ist eine ganz besondere Atmosphäre hier, wir werden wunderbar aufgenommen", sagt sie voller Emotion in der Stimme.

Die meisten Pilger kommen wie Tibi aus Europa angereist, viele stammen ursprünglich aus Tunesien. Die meisten der früher rund 100.000 Personen zählenden Gemeinde haben das Land jedoch nach der Unabhängigkeit von Frankreich 1956 oder nach dem Sechstagekrieg verlassen. Heute leben noch rund 1500 Juden in Tunesien, die meisten von ihnen auf Djerba und in der Hauptstadt Tunis.


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Porträt von Sarah Mersch

Sarah Mersch

Tunis

Zur Person

Sarah Mersch

Ich berichte seit 2010 von Tunis aus über Tunesien und den Maghreb. Dabei interessiere ich mich vor allem dafür, welche Auswirkungen die politischen Umbrüche in der Region mittel- und langfristig auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft haben. Meine arabischen Sprachkenntnisse erlauben es mir, fundiert, hintergründig und vom direkten Kontakt mit den Menschen zu berichten. Ich bin Mitglied bei Weltreporter.net. 2019 habe ich das Riffreporter-Magazin "Afrikareporter" mitbegründet.

Neben der Korrespondententätigkeit arbeite ich als Trainerin für diverse journalistische Themen (z.B. Grundlagen der Radio- und Onlineberichterstattung, fact checking und Verifizierung digitaler Inhalte, Nutzung von Social Media und Entwicklung von Digitalstrategien für Radiosender) und in der Trainerausbildung.

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