Falsche Fuffzger, bitte sehr!
Das Künstlerduo „Verwertungsgesellschaft“ will aus der kulturellen Not eine Tugend machen und legt mit dem Projekt „KünstlerNotGeld zur ARTerhaltung“ in alter Tradition eine neue Währung auf.
„Selbsterklärend“ findet Martin Droschke, was er und
Kompagnon Oliver Heß sich da zur Rettung oder wenigstens Unterstützung der Zunft
überlegt haben. Ist es auch, wenn man’s mal gehört hat. Und vor allem: so naheliegend.
Wenn es kein Geld gibt oder eine alles verschlingende Inflation, wenn ein Krieg
eine Region beutelt oder eine Krise die Wirtschaft, installieren seit vielen
hundert Jahren Menschen sogenanntes „Notgeld“. Ein Geldersatz, der schon im 15.
Jahrhundert als „Belagerungsschein“ in der spanischen Geschichte auftaucht und
während der Hyperinflation nach dem ersten Weltkrieg wahre, ja: Blüten
getrieben hat, die bis heut als Sammlerstücke gehandelt werden. Doch während
ein 50 Mark-Gutschein der Städte Nürnberg und Fürth aus dem Jahre 1918 heute
für 4,99 Euro zu haben sind, schwebt der Coburger Verwertungsgesellschaft ein
Umtausch zum Realpreis vor, um die Kulturwirtschaft anzukurbeln: Als vor
Weihnachten aus Jux und Dollerei ein falscher Zwanzger im Linolschnitt
produziert war, befanden Heß und Droschke, es wär schon nett, so selber Geld zu
drucken. Weil das aber ja nicht so richtig geht, befiel sie die Erinnerung und
damit der Gedanke: das mit dem Notgeld, das machen wir jetzt einfach auch. Bares
für Rares. Nur halt nur für Künstler. Bildende, denn der Aufruf zur klassischen
„Hilfe-zur-Selbsthilfe-Aktion“ lautet wie folgt:
Entwirf einen 5er-, 20er-, 500er-Schein mit klar erkennbarem Wert, aber ohne
Währung, und drucke ihn mittels handwerklicher Technik (Linol, Radierung,
Siebdruck etc.) einseitig, in ungefährer Größe des realen Geldscheins und
beliebiger Auflage. Gestalte individuell, signiere und nummeriere auf der
Rückseite entsprechend der Auflage. Scanne ihn und maile ihn an [email protected].
„Unser Job ist es dann nur, die Kunst-Scheine auf unserer Webseite kuenstlernotgeld.de
online zu stellen, auf allen Kanälen dafür zu werben und den direkten Kontakt
zu den Künstlern herzustellen, wenn sich Interessierte melden.“ Und das sollen
sie tun, denn der Clou an der Aktion: Die Notgeldwerke können gegen echtes Geld
entsprechend dem aufgedruckten Geldwert nicht etwa profan gekauft, sondern in
Euro 1:1 getauscht werden. Mit digitaler Unterstützung der Nürnberger
Kreativagentur „Die zwei.“ läuft die „Aktion zum ARTerhalt“ seit gut einer
Woche online, „circa 25 Leute, teils sogar aus Berlin, haben sich schon
gemeldet“, berichtet Martin Droschke vom Projekt, das „ganz groß werden oder
gleich einschlafen kann“ und „im Prinzip weltweit jedem Künstler offensteht“,
solang eine Serienherstellung garantiert ist. „Ich sag mal so: Wenn sich jemand
findet, der Geldscheine seriell stricken kann, dann kann man das mit dem
‚drucken‘ auch interdisziplinär dynamisch handhaben.“ Dynamisch auch der Twist
von Digital nach Analog: Anlässlich des „Tag der Druckkunst“ am 15. März
beginnt im Künstlerhaus des KKQ die „analoge Wechselstube“ – eine
Schaufensterausstellung, bei der Scheine gegen Euros eingetauscht werden
können. „Es ist eine ruhige, aber ausdrucksstarke Form, um auf die aktuelle
Situation von bildenden Künstlern aufmerksam zu machen“, sagt Anna Scharm,
Leiterin des Künstlerhauses. „Und wir hoffen, dass sich nicht nur zahlreiche
Künstler an der Aktion beteiligen, sondern dass im März dann vor allem auch
viele Nürnberger neugierig sind und zum Tauschen in die Kulturinformation
kommen. Es wäre schön, wenn die Künstler und Künstlerinnen dabei echte
Wertschätzung bekommen.“ Wertschätzung all derer, so Droschke, die
„interessiert daran sind, dass die Kunstszene lebendig bleibt.“
Alle Infos unter kuenstlernotgeld.de
https://www.nordbayern.de/falsche-fuffzger-bitte-sehr-1.10815192
Katharina Wasmeier
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