Parkplatzpflicht und Schallimmisionsprognosegutachten -Wolfsgarten und die Bürokratie

von Katharina Wasmeier

Parkplatzpflicht und Schallimmisionsprognosegutachten -Wolfsgarten und die Bürokratie

Was Ende letzten Jahres noch wie eine wahre Hiobsbotschaft klang, die vom sicheren Ende des Gostenhofer Projekts Wolfsgartens kündete, hat sich mittlerweile fast in Wohlgefallen aufgelöst – finanziell wie baubehördlich.

Die Katastrophenmeldungen kamen geballt aus der Reutersbrunnenstraße, wo seit vergangenem Jahr eine private Initiative um Regisseurin Silke Würzberger einen verwunschenen oder mindestens vergessenen Hochseilgarten zu neuem Leben erweckt: pädagogische wie kulturelle Angebote, Platz für junges Gemüse und echte Beete, Seminare, Workshops und auch mal Musik – die Visionen, das über viele Jahre hinweg verwilderten Areals mit neuem, bunten Leben zu erwecken sind vielfältig. Mindestens so vielfältig wie die Hindernisse, die es auf dem Weg zu überwinden gilt. Als ein solches stellte sich auch hier die Pandemie heraus, denn wo nicht pädagogisch gearbeitet werden kann, generieren sich keine Pachtgelder, und wo überhaupt nicht nebeneinander gearbeitet werden kann, da geht’s auf einer ambitionierten Riesenbaustelle nur mehr zähflüssig voran. Anfang Dezember dann die Hiobsbotschaft: „Es ist tatsächlich ernst. Wir schaffen es nicht ohne Unterstützung […] und müssen das Projekt nach nur einem Jahr begraben.“ Als wär das nicht genug, trudeln zur gleichen Zeit behördliche Schreiben ein, die so gar nicht klingen wollen nach rotem Teppich und städtischer Freude übers Alternativprojekt.

„So viele Steine, wie uns in den Weg gelegt werden, haben wir nicht den Eindruck, als seien wir politisch gewollt“, meint Silke Würzberger vor Weihnachten, und dass das so gar nicht passen mag zu den scheinbar offenen Armen, mit denen der Wolfsgarten nicht nur in der Bürgerschaft, sondern auch den höheren Etagen bislang empfangen worden war. Silke Würzberger wendet sich an die Öffentlichkeit: „Der Wolfsgarten braucht politische Unterstützung! Bitte sehen Sie hin!“ Zu sehen ist absonderliches: Der Garten, so teilt es die zuständige Behörde im vorliegenden Amtsschreiben mit, erfordere die Ablösung von 15 KfZ-Stellplätzen à 10 500 Euro von der Stadt oder aber deren Einrichtung auf dem Gelände – inklusive Asphaltierung. Silke Würzberger ist fassungslos: Das Einplanen von Autoverkehr widerspreche grundsätzlich dem Projektgedanken, zudem wäre die Zielklientel – Nachbarschaft, Schulklassen, Inklusionsgruppen – mit dem ÖPNV unterwegs, nicht mit dem Auto.

Nach wie vor, so Würzberger, sei keine einzige Amtsperson jemals vor Ort gewesen, sondern würden alle Angelegenheiten stets vom Schreibtisch geregelt, was so allerlei absurden Auflagen führe. Damit nicht genug: „Das Projekt gliedert sich seit Anfang in drei Bereiche: Den Nachbarschaftsgarten, den pädagogischen Bereich und das Kulturprogramm. Dies wurde auch in den Vorgesprächen mit und durch das Stadtplanungsamt so in Richtung Bauordnungsbehörde kommuniziert“, so Würzberger, und dass bislang keine Einwände erhoben worden seien. „Nun sieht es mittlerweile anders aus. Laut Bauordnungsbehörde ist (laut Flächennutzungsplan) auf dem Gelände nur betreutes Spielen vorgesehen und uns wurde signalisiert, dass jegliche Art von Veranstaltungen sowie eine Öffnung nach 20:00 unzulässig wären.“ Die Möglichkeit eines kleinen Kulturbetriebs sei somit nicht gegeben – was schlecht ist für ein Projekt, das sich aus Einnahmen zu eben solchen Veranstaltungen finanzieren will. Die Verzweiflung war groß, ein Scheitern schien gewiss. „Ist der Wolfsgarten politisch gewünscht?“ fragt Würzberger, und Baureferent Daniel Ulrich sagt: „Freilich ist er das.“ Man müsse lediglich den Antrag rechtssicher formulieren, Details schubsen und ein bisschen feilen, und lädt zur Gesprächsrunde, an deren Ende wieder ein Hoffnungsschimmer durch den Garten scheint. Andere Stellplatzschlüssel, kein Asphalt, ein Schallimmissionsprognosegutachten, die Versicherung, eine naturnahe Waldbühne zu planen für kinder- und jugendpädagogische Konzepte und keine kommerzielle Remmidemmigastro, und für alles andere die Zauberworte der „besonderen Ereignisse“ – Silke Würzberger ist dankbar. „Wir werden uns an alle Regeln halten und die Möglichkeit schaffen, das Projekt umzusetzen.“ Aber auch einsichtig: „Natürlich bin ich rückblickend blauäugig an vieles rangegangen. Aber dafür habe ich innerhalb eines Jahres viel gelernt, was für künftige Projekte hilfreich sein kann.“ Wut auf den Amtsschimmel gibt es nicht mehr, wohl aber den Wunsch, die Kommunikation zwischen den Behörden zu verbessern, um Wege zu verkürzen. Ulrich: „Es ist die Aufgabe des Bauherrn und nicht der Behörde, Lösungsvorschläge zu machen. Ich freue mich aber über solche besonderen Fälle.“ Also damit direkt zum Bauherrn statt brav den Amtsweg entlang. Hier kann’s also weitergehen mit Nürnbergs größtem privaten Gartenprojekt. Und das Geld? „Wir verdanken über 150 Unterstützern über 21 000 Euro“, berichtet Silke Würzberger vom Erfolg des zweiten Crowdfundings. „Diese Akzeptanz und Spendenbereitschaft ist das Schönste an der Sache.“

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