Der Wohnwagon - Karl kommt!

von Katharina Wasmeier

Der Wohnwagon - Karl kommt!

Wohnraum wird weniger, Mieten teurer – ein Themenblock, mit dem sich auch Nürnberg langsam aber sicher beschäftigen muss. Brigitte Kaltwasser hat das bereits vor einigen Monaten getan. Das Ergebnis hört auf den Namen „Karl“ und ist seit vergangenem Donnerstag als jüngstes Mitglied der Kaltwasserfamilie in Nürnberg angekommen. Und zu begutachten.

„Wir beschäftigen uns schon seit langem mit der Frage, wie Wohnen in der Zukunft ausschauen kann“, erzählt Theresa Steininger, Karls Mutter sozusagen, ist die junge Wienerin doch die Geschäftsführerin und gemeinsam mit Christian Frantal Projektentwickler des „Wohnwagons“: ein vollständig autarkes Kleinsthaus. Strom, Wärme, Wasser, das alles können Karl und seine Geschwister ganz alleine. Elf an der Zahl gibt es bereits, jeder trägt einen eigenen Namen. „Der Wohnwagon“, sag Theresa Steininger, „ist ein politisches und philosophisches Statement, das Mut machen soll, andere Formen des Wohnens auszuprobieren.“ Menschen lebten in riesigen Wohnungen, die sie kaum je wirklich bewohnten, das sei doch nicht mehr zeitgemäß, sondern Ressourcenverschwendung, findet auch Brigitte Kaltwasser und lud im letzten Jahr die Wohnwagon-Erfinder nach Nürnberg ein, einen Impulsvortrag zum Thema „Was braucht man für gutes Leben?“ zu halten – und war sehr beeindruckt. Jetzt steht er also in Nürnberg, der kleinste seiner Art. Freilich nicht aus der Portokasse gekauft, sondern finanziert. Ein in natürlichem Chiquedesigneter Wohnwagen, der gar keiner ist, sondern ein „stylisches Miniloft“. Das Strom erzeugt über Photovoltaik-, Wärme über Solaranlagen, das eine eigene Grünkläranlage und eine Biotoilette besitzt. Über ein Crowdinvesting wurde das Projekt „Wohnwagon“ gegründet, erzählt Theresa Steininger, und „wir haben schon beim Start gesehen, dass wir damit genau den Nerv der Zeit treffen.“ Doch es brauche neben Investoren eben auch Pionieren, die sagen: „Ich trau mich das!“ Auf knapp 15 Quadratmeter ist alles untergebracht, was man zum Leben braucht und irgendwie auch schon so aus dem Campingurlaub kennt, dennoch aber keineswegs vergleichen kann. Mosaikdusche, Spiegelfenster, Kochstelle, zur Sitzgelegenheit umfunktionierbares Bett, das alles ist drin, aber sowohl großzügig als auch optisch wie haptisch ansprechend. „Man muss das selbst sehen, fühlen und riechen!“, findet Christian Frantal. Man muss vor allem wegkommen von dem Camping-Gedanken: Karl ist Wohn- und Arbeitsraum, ist Lebensraum, ist in der Anschaffung nicht grad günstig – zwischen 50 000 und 100 000 Euro kosten die Modelle, je nach Ausführung, Größe und Ausstattung, wobei den Wünschen der künftigen Bewohner kaum Grenzen gesetzt sind – jedoch, sagt Brigitte Kaltwasser, müsse man „in der Kategorie ‚Wohnraum‘ denken: Das Leben in Karl ist definitiv günstiger als die Miete für eine Zweizimmerwohnung.“ Es gelte nur, die Frage des Stellplatzes zu klären. Hierüber ist die Geschäftsinhaberin von Kaltwasser PR derzeit mit der Stadt im Gespräch, sucht Wege, Möglichkeiten und Ideen, den Wunsch zu erfüllen, „dass Karl in Nürnberg bleibt und wir ihn in der Stadt nutzen können“, als Projekt im öffentlichen Raum, als Teil der Stadt. „Karl ist hier, und nun schauen wir, wo die Reise hingeht.“ Man kann in ihm schlafen und leben, man kann in ihm arbeiten, man kann in ihm vielleicht auf dem Hauptmarkt übernachten – alles ist möglich. „Wir wollen das Thema ‚Smart Living‘ umsetzen und ausprobieren, wie sich die Arbeits- und Lebenswelt verändert.“ Wo das besser gehen solle als in der Metropolregion Nürnberg, der Heimat der Kreativen, fragt Brigitte Kaltwasser und sagt: „Wer Ideen hat für Karl, der soll sich einfach melden!“

www.karl.kaltwasser.de

 

Quelle: Nürnberger Nachrichten
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