Von A bis Z-Bau: Style Scouts

von Katharina Wasmeier

Von A bis Z-Bau: Style Scouts

Was früher eine Art mobile Einsatztruppe war, hat jetzt mit dem Z-Bau eine festen Dreh- und Angelpunkt gefunden. Doch nicht nur die Räumlichkeiten sind konkreter geworden, sondern auch das Gesamtkonzept: Die „Style Scouts Graffiti Akademie“ ist größer, älter und richtig breit aufgestellt.

„Unsere Philosophie lautet: Wissen teilen, Respekt ernten“, erklärt Carlos Lorente, der schon 2012 das künstlerische Projekt gegründet hatte. Was damals noch lediglich den Ansatz verfolgte, Workshops für Kinder und Jugendliche anzubieten, ist heute ein pädagogisch durchkonzipiertes, akademisches Konzept für Menschen aller Altersstufen und verschiedenster Backgrounds. Der 37-jährige Mediendesigner und Projektleiter weiß nicht nur theoretisch, was er da tut, sondern vor allem auch ganz praktisch: seit vielen Jahren ist er Graffiti-Künstler „Kid Crow“ aktiv in der Szene Europas. Da liegt nur nahe, dass das Team der Style Scouts nicht nur aus drei aktiven Coaches – allsamt ebenfalls Vertreter des Genres mit mindestens zehn Jahren Erfahrung – sowie einer Sozialpädagogin besteht, sondern auch aus einem „großen Netzwerk dahinter“. Sie alle wollen das gleiche. Hintergrund, Überblick, Techniken der Sprühdosenkunst vermitteln. Und Spaß. Was bislang vor allem an Schulen und Jugendeinrichtungen geschah, kann nun im Z-Bau zentral passieren. „Wir haben hier Schulungsräume auf circa 70 Quadratmetern“, freut sich Lorente, „können weitere Flächen innen für Workshops nutzen sowie uns vor allem im Projektgarten austoben – wenn das Wetter passt.“ Das Spektrum der Leistungen und Kompetenzen ist breit: Zum einen gibt es freilich Workshops. Ob Institutionen wie Schulen oder Verbände (Einsteiger-WS), Privatpersonen (Jedermann-WS) oder Unternehmen (Business-WS) – jeder kann die Style Scouts aufsuchen und sich in die Kunst des Graffiti führen lassen. Sowohl Theorie in Zeichnen und Materialkunde als auch anschließende praktische Umsetzung der Ideen geschieht unter gleichsam sorgfältiger Anleitung wie Möglichkeit der freien Entfaltung. Zuweilen auch als teambildende Maßnahme: „Ein hiesiges Unternehmen hatte mich um die Gestaltung einer tristen Bürowand gebeten“, erzählt Carlos Lorente. „Ich habe mich dann mit den Mitarbeitern aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammengesetzt, über das Unternehmen gesprochen und darüber, wie die Wand vielleicht aussehen könnte, mit ihnen einen mehrwöchigen Workshop veranstaltet und das Bild gemeinsam gestaltet. Das wurde denn ein richtig cooles Projekt, bei dem die Mitarbeiter interagiert und sich begeistert haben.“ Kreativ werden, selbst Hand anlegen, die Umwelt aktiv zu gestalten – dazu wollen die Style Scouts animieren und das dafür nötige Wissen bereitstellen. Neu darum im Angebot sind die Schulungen für Pädagogen, um einen Einblick zu gewähren in die Graffiti-Kultur. Dass das ankommt in der Schule, weiß „Kid Crow“ aus eigener Erfahrung, ist er doch bereits zum zweiten Mal als Kunstlehrer für die gymnasiale Mittelstufe im Einsatz setzt hier klassische Inhalte des Lehrplans mit schwerpunktmäßig mit Graffiti um – „was die Schüler natürlich sehr gut finden.“ Sprühen ist halt cooler als Aquarell. Doch dass nicht nur die Jungen für Graffiti zu begeistern sind, wurde dem Künstler unlängst wieder verdeutlicht: Im Zuge des „Studium Generale“ des Bildungszentrums gab der Nürnberger einen achtstündigen Workshop „Graffiti und Streetart“ – für Senioren. „Da war ein 82-Jähriger, der zu mir kam und sagte, er habe Graffiti immer nur für Wandschmiererei gehalten und nie gedacht, dass er seine Meinung jemals ändern würde.“ Doch die anfängliche Skepsis der Senioren schlug schnell um in Begeisterung. „Das war absolut groundbreaking für die“, freut sich Lorente. „Was nicht zuletzt daran liegen dürfte, dass ich Graffiti einfach kunsthistorisch erklären kann.“ Historie und Kunst – da passen der Z-Bau und die Style Scouts sozusagen wie Farbe auf Leinwand zusammen. Wie gut, das kann man hier und da in manchem Flur schon sehen. Bilder zieren Wände – nicht nur in den Gängen, sondern selbstverständlich auch im Schulungsraum, wo Carlos Lorente und sein Team Graffiti theoretisch machen, Zeichnungen oder sogenannte „Sketches“ anfertigen lassen. Das nämlich, also die angeleitete Anfertigung von beispielsweise Comics, gehört ebenso zum Angebot der Style Scouts wie der jüngst ins Leben gerufene „Sketch Circle Nürnberg“. Als offizielles Format in Kooperation mit dem Z-Bau soll hier regelmäßig eine Anlaufstelle geboten sein für alle an Thema und Handwerk Interessierte. „Vorbeikommen, abhängen, zeichnen, austauschen in schöner, musikalisch untermalter Atmosphäre“ – und das ganz umsonst und auf Grundlage von Materialspenden. Die Nachfrage, so Carlos Lorente, nach so einem offenen Angebot sei auf alle Fälle da. Sei es, um einfach nur gemeinsam der Graffiti-Kunst nachzugehen, oder aber um erstmal anzutesten, ob sich die Investition in einen Workshop denn überhaupt lohnen würde. Der ist ja freilich nicht umsonst. Wie hoch die Kosten für einen solchen Unterricht sind, lässt sich schwer pauschalisieren, sondern wird in Abhängigkeit von Größe des Kurses oder Projektes kalkuliert. „Einen Privatworkshop im Rahmen eines Tageskurses kann man ab circa 120 Euro machen“, versucht Carlos Lorente eine Hausnummer. Ein Schnupperangebot für eine Schulklasse ab 500 Euro. Hier inbegriffen sind ja nicht nur die jeweiligen Coaches sondern auch die Materialien. Leinwände, Papier, verschiedenste Stifte, Schutzmasken, Farbdosen folgen alle dem Leitsatz des „Safety first!“ und entsprechend deswegen strengen Kriterien in puncto Gesundheit oder Handhabung. Das letzte neue Standbein der Graffiti Akademie sind die sogenannten „Urban Art Events“. Ähnlich des 2013 veranstalteten „Mural Art Weekends“, bei dem internationale Künstler die arg graue, das Westbad umgebende Wand in ein viele Meter langes Kunstwerk verwandelten, planen die „Style Scouts“ in Kooperation mit offiziellen Einrichtungen, weitere Flächen zur Leinwand umzufunktionieren und das Stadtbild mit öffentlicher Genehmigung zu verbunten. Bis es soweit ist, können viele bislang verborgene Talente entdeckt und geweckt werden. Dank Deutschlands erster Graffiti-Akademie in der Frankenstraße. 

www.stylescouts.de

 

 

Quelle: Nürnberger Nachrichten
Porträt von Katharina Wasmeier

Katharina Wasmeier

Nürnberg

Zur Person

Katharina Wasmeier

\\ Every Body Tells a Story //

*Brigitte Nielsen

|Lieber Wortschlösser als Textbausteine
|gerne Hinter-, manchmal Unsinn
|PortraitInterviewRezensionGeschichteArtikelGlosseHierkönnteIhreWerbungstehen
|episch bis pointiert
|StreichelEinheitGegenWind

Auftraggeber

Ars Vivendi , B-EAT Magazin , Baumonitoring e. V. , Bloom GmbH Nürnberg , Caffe River , DATEV , Dreamday with Dreamcar , ELMA , Fidena , Handwerkskammer für Mittelfranken , How deep is your love , In Goho , Kaltwasser Kommunikation , Meramo Verlag , Messe Nürnberg , Museum für Kommunikation Nürnberg , N2025 , Nürnberger Nachrichten , Nürnberger Zeitung , SamSon Magazin , Straßenkreuzer , dpa , nuts communication

Weitere Profile

Bleu de Coup ELMA Facebook How deep is your love LinkedIn Schreiben ist Gold Xing