Hinterm Gartenzaun das Paradies

von Katharina Wasmeier

Eisschleckende Pferde, ein Eis-Drive- In für Busfahrer und viele kleine Eis- Zwerge. Was soll jetzt das wieder, möchte man laut fränkisch nörgeln? Aber was da im Nürnberger Stadtteil Thon vonstatten geht, hat so rein gar nichts mit fränkischem Nörgeltum zu tun. Sondern eher mit einer Erfolgsgeschichte. „Hier in der Gegend“, berichtet eine höchst vergnügte Tanja Zenk, „gibt’s einfach nichts, wo man im Sommer mal eben auf eine Kugel Eis hinspazieren könnte.“ — „Ja hallo Tim, eine Kugel Schoko wie immer?“ Deswegen, berichtet die 45-jährige Lehrerin und Mutter von vier Kindern, habe sie das Problem bei der Waffel gepackt und kurzerhand beschlossen, dass der Thoner eben selbst wasmachen muss. Konzept: Nix investieren, aber ausprobieren, für normalen Stundenlohn. Damit wurde Frau Zenk – „Ja hallo Frau Eberdinger, der Tommi war vorhin auch schon da!“ –, also damit wurde sie vorstellig bei verschiedenen Eisdielen, und Magdalena Oswald vom Wetzendorfer Campo-Eis sagte zu. „Hey Lisa, wieder eine Kinderkugel Himbeer?“ – Es ist viel Gewurschtel und Gewusel während des Gesprächs mit Tanja Zenk, es geht richtig zu bei der „Familiengeschichte in drei Generationen“. Aber genauso wollten sie das.
Alle miteinander haben das beschlossen, als das Zenk’sche Familienunternehmen nach einer Pilotfolge mit riesigem Erfolg letzten Sommer in die Winterpause ging. Die Zutaten: Eine Eistheke am Gartenzaun des Familiengrundstücks, die Lieferung von Campo-Eis, die Ausstattung, die Magdalena Oswald zur Verfügung gestellt hatte. Das Ergebnis: Auf einmal gab es einen Nachbarschaftstreffpunkt in der Gegend mit den vielen Kindern und einen Haufen Spaß. Die improvisierte Eisdiele war richtig gut gelaufen. Aber etwas umständlich war es schon auch: Immer wieder wurde die Verkaufsstelle aufgebaut und bei Regen schnell wieder abgebaut. Einer von der Familie, die entsprechend lebensmittelvorschriftlich unterwiesen wurde, muss immer da sein. Erst wussten sie nicht recht, wie es weitergeht. „Und dann haben wir vier Wochen gerodet und gebaut“, erzählt Tanja Zenks Vater, während die Mama Smoothies anreicht. Jetzt sieht das Thoner Eisparadies so aus: Ein zuckersüßes Märchenhütterl steht hinter dem Gartenzaun, darin alles, was der Eis-Mensch so braucht. Kaffee, Sahne, frisches Obst und vor allem die Kartoffelpresse fürs Spaghettieis. Draußen drängeln sich die Kinder, freuen sich über eine kleine Kugel oder auch mal drei. Die Klassiker sind freilich immer im Angebot, Schoko, Vanille, Erdbeer, aber auch Wechselndes. Kühles für den Busfahrer An drei Tagen in der Woche werden Kugeln verkauft. „Andere bauen sich ein Zimmer an, wir uns eine Eisdiele“, lacht Tanja Zenk. Die positiven Rückmeldungen, meint die ganze Familie, das sei sehr befriedigend.
Das vermeldet auch der Oscar Wilde vom Türschild: „Versuchungen sollte man nachgehen; wer weiß, wann sie wiederkommen.“ Wer hier dauernd wiederkommt, das sind die Spaziergänger und die Nachbarn, die haben schon mal eigenes Geschirr dabei. „Bitte befüllen zum Nachtisch“, und „Zahl’s halt später, wennst grad im Stress bist, Heidi“ – die Leute schätzen das Besondere und Kleine, und das hier alles grad so familiär ist und a bisserl anders. Wird ein Pferd vorbeigeführt vom Ausritt, bekommt es halt auch eine Kugel Vanille. Fährt ein Busfahrer täglich vorbei, bestellt der aus dem Fenster raus immer Schoko-Vanille. „So was gibt es in richtigen Eisdielen nicht, was hier so passiert“, erzählen die Eisverkäufer fröhlich. Hinten am Zaun hängt jetzt doch ein „Privat“- Schild, weil prompt die Leute hinten im Garten standen. Und so soll das alles weitergehen, klein und intim, weil „wir nicht vergessen, was wir eigentlich hier wollten“. Veni, vidi, gelati!

Campo-Eis Thon, Schnepfenreuther Weg 16, Nbg.-Thon,geöffnet Fr./Sa./So. 13–19 Uhr, Special: Kinderkugel 50 Cent,www.facebook.com/CampoEis-Thon
Quelle: Nürnberger Nachrichten
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