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Mode-Ikone: Die Prinzessin von New York

Diane von Fürstenberg ist Feministin und Femme fatale zugleich. Nun feiert die Erfinderin des modernen Wickelkleids ihren 70. Geburtstag


Cowboystiefel, Lockenmähne, verführerisches Kleid - im Studio 54 fühlte Diane von Fürstenberg sich immer wie ein Cowboy im Saloon: furchtlos, zu allem bereit. Vor allem zu Eroberungen für eine Nacht. "Diane, die Jägerin" nannte man sie in den 70ern, als Aids noch weit weg zu sein schien und Bianca Jagger auf einem Schimmel über die Tanzfläche ritt. Lange blieb die Jägerin nie in ihrem Revier. Denn am nächsten Morgen warteten ihre zwei Kinder und endlose Geschäftstermine auf sie.


Der Versuch, Fürstenberg mit nur einem Wort zu beschreiben, scheitert an all den Gegensätzen, die sie vereint: Sie ist erfolgreiche Unternehmerin ohne jedes Talent zur Managerin. Sie ist leidenschaftliche Feministin und hoffnungslose Romantikerin, die sich oft für Männer veränderte. Sie ist stolze Demokratin, die sich für die Frau des angehenden republikanischen Präsidenten einsetzt. Sie liebt glamouröse Roben und üppigen Schmuck genauso wie das stundenlange Wandern in der Natur.


Kurz vor ihrem 70. Geburtstag am 31. Dezember ist die feministische Femme fatale so beschäftigt wie nie zuvor, irgendwo zwischen Privatflieger und dem nächsten Meeting. Also keine Zeit vergeudet: Wie fühlt es sich an, nicht nur modisch ganze Generationen zu inspirieren? Ihr Wickelkleid (und dessen zahllose Kopien) tragen schließlich Mütter, Töchter und Großmütter von Wiesbaden bis Washington, von Peking bis Paris; ihr Name löst bei Frauen aller Altersklassen bewundernde Stoßseufzer aus.


"Ich fühle mich sehr geschmeichelt und bin wirklich dankbar dafür, dass ich für einige Frauen ein Vorbild geworden bin", lautet die bescheidene Antwort per E-Mail. Sie passt dazu, dass sie ihren legendärsten Entwurf noch immer ganz unprätentiös und liebevoll "das kleine Kleid" nennt. Das gilt heute als so stilprägend wie der Hosenanzug von Yves Saint Laurent: 1974 sorgte das Wickelkleid für klingelnde Kassen und ein neues Frauenbild. Der textile Inbegriff der Selbstbestimmung, der ganz ohne Knöpfe und Reißverschluss auskommt, kann viel oder wenig Haut zeigen, büro- oder discotauglich, sexy oder sittsam wirken. Ganz, wie die Trägerin es will.


Als sie ihre Firma gründete, wurde Diane von Fürstenberg belächelt. Da war sie noch mit Eduard Egon Prinz zu Fürstenberg verheiratet, einem Spross der steinreichen Agnelli-Familie. Ihre Modepläne nahm man damals etwa so ernst wie die Schmuckdesign-Ambitionen von heutigen Spielerfrauen. Die Zweifel aber spornten sie nur an. Normale Märchen enden, wenn das Mädchen den Prinzen findet. Fürstenbergs Märchen begann, als sie ihren Prinzen verließ. Zwei Kinder, unzählige Affären, legendäre Partys und ein fester Platz in den Klatschspalten: die Bilanz nach vier Jahren offener Ehe, auf deren Ende eine jahrzehntelange Freundschaft folgte.


Unterhalt bezog Fürstenberg nie, sie stürzte sich in die Arbeit. Dass sie deshalb nie die "soccer mum" war, die ihr Sohn sich wünschte, bedauert sie oft in Interviews. Sie wollte immer mehr sein als Ehefrau und Mutter und kennt das Dilemma zwischen Konferenzschaltung und Kindergeburtstag. Also bietet sie als Chefin ihren Mitarbeiterinnen flexible Arbeitszeiten und Home-Office-Tage: "Wenn ich mit meinen eigenen Erfahrungen anderen Müttern dabei helfen kann, die Frau zu werden, die sie sein wollen, bin ich glücklich." Da ist sie wieder, diese Mischung aus Bescheidenheit und kokettem Understatement.


Laute Töne hat Fürstenberg nie angeschlagen, auch wenn die vielen Affären und Fotos von ihr, dieser sinnlichen und so energisch wirkenden Frau, anderes vermuten lassen. Interviews gibt sie mit beherrschter, sanfter Stimme, untermalt vom nie ganz verschwundenen französischen Akzent, den sie 1969 aus ihrer Heimat Belgien mit nach New York brachte. Dem Klischee der aggressiven Frauenrechtlerin, die nicht nur dem Patriarchat, sondern auch allzu weiblicher Mode den Kampf ansagt, entsprach sie nicht. "Feministin zu sein bedeutet nicht, dass man wie ein Lastwagenfahrer aussehen muss", lautet eins ihrer berühmtesten Zitate.


Feminismus à la Fürstenberg kommt souverän statt streitlustig daher. 1976 las sie im Flugzeug eine Ausgabe des Wall Street Journal, auf dessen Titelseite ihr eigenes Porträt prangte. Als ihr Sitznachbar sie süffisant fragte, warum denn ein so "hübsches kleines Mädchen" wie sie diese Zeitung lese, lächelte sie nur triumphierend und ignorierte den mitteilungsbedürftigen Herren für den Rest des Fluges.


Nicht nur als Jungunternehmerin war sie Pionierin: Als farbige Models noch die Ausnahme waren, schickte Fürstenberg schon regelmäßig Pat Cleveland und Iman auf den Laufsteg. Wenn sie heute als Präsidentin des Council of Fashion Designers mehr Modelvielfalt fordert, hören alle zu. Ihre Kleider zelebrierten schon immer Weiblichkeit in jeder Konfektionsgröße. Was die "Body positive"-Bewegung aktuell predigt, praktizierte Fürstenberg bereits, als der Begriff noch gar nicht existierte. Auch ihr Verhältnis zum eigenen Körper ist entspannt, einer Schönheitsoperation hat sie bisher widerstanden. Sie scherzt lieber über ihre vielen Altersflecken: "Meine Haut trägt Animal Print."


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