Christina Schott

Southeast Asia Correspondent: Research, Report, Analysis, Berlin

1 subscription and 4 subscribers
Special

Werte, Träume, Ideale: Muslimische Jugendliche in Südostasien

Goethe-Institut / Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Mai 2011 –
Länderbericht Indonesien: Christina Schott, Asep Suryana –

Für die vorliegende Studie wurden 1496 Indonesier im Alter zwischen 15 und 25 Jahren in allen 33 Provinzen des Landes befragt. 59,3 Prozent der Befragten leben auf der Hauptinsel Java, wo sich auch die Hauptstadt Jakarta befindet. Es wurden etwa genauso viele junge Frauen wie junge Männer interviewt. 58,6 Prozent der Befragten leben auf dem Land.

Die genannten Jugendlichen gehören zur Post-Reformasi-Generation, sie sind nach dem Ende des Militärregimes von Diktator Suharto groß geworden, der das Land mehr als dreißig Jahre von 1965 bis 1998 regierte. Als Reformasi (deutsch: Reform) wird die Zeit unmittelbar nach Suhartos Sturz bezeichnet. Ausgelöst von den für Indonesien katastrophalen Folgen der Asienkrise von 1997/1998, wurde das Ende der Suharto-Herrschaft damals letztlich von einer weitgehend friedlichen, von der Jugend dominierten Protestbewegung herbeigeführt. Die heutigen Jugendlichen Indonesiens können sich an diese turbulente Phase, in der der Grundstein für die junge Demokratie gelegt wurde, wenn überhaupt nur noch vage erinnern.

Ohne sich dessen bewusst zu sein, sind ihr Umfeld und ihre Sozialisation in vielerlei Hinsicht noch immer vom ehemaligen Suharto-System geprägt. So hat sich etwa an der autoritär-nationalistischen Schulausbildung oder dem zutiefst korrupten Verwaltungssystem wenig geändert. Von einem stabilen demokratischen Rechtsstaat lässt sich noch nicht sprechen, auch wenn die politischen Institutionen immer besser zusammenarbeiten. Auf der anderen Seite ist Indonesien nach China und Indien zum drittbeliebtesten Investitionsstandort in Asien avanciert – die Wirtschaft wächst stetig, wenn auch gebremst durch große infrastrukturelle Probleme und die erwähnte Korruption. Der vielleicht größte Pluspunkt der indonesischen Demokratie ist ihre weitgehend freie Presse und die Tatsache, dass vor allem die jungen Indonesier von ihrem Recht auf Demonstration und freie Meinungsäußerung ausgiebig Gebrauch machen. Leider wird diese Entwicklung in den letzten Jahren zunehmend von radikalen, meist islamistischen, Gruppierungen missbraucht.

Diese manchmal unregulierte Freiheit der jungen indonesischen Demokratie, die zudem im Kontrast steht zu einer eher autoritär-patriarchalischen Erziehung, führt bei den Jugendlichen zu der Suche nach einem festen Wertesystem. Dieses finden sie nicht selten in der Religion – das gilt für Muslime wie für Christen, Hindus und Buddhisten gleichermaßen. Viele Ergebnisse dieser Studie zur persönlichen Entwicklung und Familie, zum sozialen Umfeld und Wertorientierungen unterscheiden sich daher nicht sehr von Aussagen nicht-muslimischer Jugendlicher in Indonesien.

...

http://www.goethe.de/ins/id/pro/jugendstudie/jugendstudie_dt.pdf

Erstellt im Mai 2011, herausgegeben von Goethe-Institut und Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit