Wismar im 30-jährigen Krieg

von Claudia Wendt

Wismar im 30-jährigen Krieg
Die Zeit des 30-jährigen Krieges war für Wismar eine Zeit der Niederlage und des Ruins.
Die Eroberung durch Wallenstein
Den 30-jährigen Krieg löste der Aufstand der böhmischen Stätte 1618 aus. Es handelte sich um einen feudalen Raubkrieg. Während religiöse Gründe vorgeschoben wurden, handelte es sich eigentlich um einen Krieg der aus Klasseninteressen geführt wurde. Besonders die machtpolitischen Zielstellungen feudaler Koalitionen standen im Vordergrund. 1627 wurde der Krieg ins Herzogtum Mecklenburg getragen. Führer waren Wallenstein und Tilly für kaiserliche und logistische Truppen. Die katholisch feudale Koalition wurde als Liga bezeichnet. Die Truppen schafften es die dänische Streitmacht und damit die Truppen der Union zu besiegen. Die Truppen der Union wurden von den reformierten Ländern der feudalen Koalition gestellt. Es kaiserliche Militär und die Truppenverbände der Liga besetzten weite Teile Norddeutschlands.
Die Übergabe der Stadt
Der dänische König Christian IV. Hatte ein Bündnis mit dem Herzog von Mecklenburg geschlossen. Infolgedessen wurde der Krieg auch nach Wismar getragen. In der Schlacht bei Luther besiegte man die dänischen Truppen, die versuchten sich anschließend über Wismar zurückzuziehen. Der Wismarer Stadtrat weigerte sich das dänische oder das herzoglichen Militär als Besatzung aufzunehmen. Das dänische Heer wurde geschlagen und zog nach Poel weiter, wo es einschiffte. Das kaiserliche Heer verfolgte das dänische Heer und forderte die Übergabe von Wismar.
Die Verteidigung von Wismar
Der Rat und die Bürgerschaft entschlossen sich zu einer Verteidigung. 1626 waren die Befestigungen ausgebaut worden, wodurch über 60 Geschütze zur Verfügung standen. Dauerhaft war ein Widerstand gegen die militärische Übermacht aber nicht möglich. Am 10. Oktober 1627 schloss man mit dem kaiserlichen General von Arnim einen Vertrag, der zuließ das bis zum Friedensschluss mit Dänemark 1000 Mann des kaiserlichen Heeres als Besatzung in der Stadt positioniert wurden.
Die Besatzungszeit
Der Stadt wurden 10.000 Gulden für den Unterhalt von Soldaten auferlegt. Dazu kamen 2000 Gulden für die Versorgung der Offiziere und eine einmalige Zahlung von 20.000 Gulden Kontribution. Die Zahl der Besatzungstruppen stieg bis auf 3000 Wallensteinsche Soldaten in Wismar an. Der auferlegte Unterhalt der Besatzung überstieg die mögliche Zahlungskraft der Stadt bei weitem. Im Oktober 1627 und Februar 1628 führte man Sondersteuern für die Einwohner ein. Trotzdem konnten die Ausgaben nicht abgedeckt werden. Der Rat veräußerte große Teile städtischen Grundbesitzes. Dazu kamen Drangsalierungen der Bürger durch kaiserliche Soldateska. Einbrüche, Diebstähle, Schändungen und Brands-Chat-Zungen kamen vor. Viele Bürger verließen fluchtartig in dieser Zeit die Stadt.
Wallensteins Pläne
Am 26. Januar 1628 wurde Wallenstein Herzog von Mecklenburg. Er nahm die Huldigungen der Stadt Wismar entgegen. Sein Ziel war es die Stadt zu einem Zentrum habsburgische See Machtpolitik im Ostseeraum auszubauen. 1628 erhielt Wallenstein den Titel „General der baltischen und ozeanischen See“. Er wollte im Wismarer Hafen die starke kaiserliche Flotte konzentrieren. Sie sollte an Stärke der dänischen und der schwedischen Flotte überlegen sein. Graf Philipp von Mansfeld, Oberadmiral in den Niederlanden kam für die Überwachung der Schiffbauarbeiten von Wallenstein Astra nach Wismar. 1630 wurde Wallenstein abgesetzt, wodurch seine Pläne scheiterten. Auf der Reede des Wismarer Hafens an Ketten 1631 nur 11 kaiserliche Kriegsschiffe.
Wismars Ruin
Während der Besatzungszeit lag der Handel in Wismar brach. Seit 1627 blockierten dänische Kriegsschiffe den Wismarer Hafen. 1629 folgte eine zusätzliche Blockade durch schwedische Schiffe. Die kaiserlichen Soldaten plünderten auf den Land wegen Wagen mit Handelsgütern, was den Handel zusätzlich erschwerte. 1628-1630 wütete zusätzlich die Pest in der Stadt. Große Bevölkerungsverluste waren die Folge. Die Besatzungstruppen zwangen Rat und Bürgerschaft zum weiteren Ausbau der Festungswerke der Stadt. Die Stadtbewohner mussten Arbeitsleistungen erbringen und der Rat wurde gezwungen große Summen für die Festungsbauten zur Verfügung zu stellen. Wismar wurde in dieser Zeit wirtschaftlich ruiniert.
Die Schweden in Wismar
Der 30-jährige Krieg hatte einen 2. Abschnitt, in welchem die Schweden eingriffen. Der schwedische König Gustav Adolf landete 1630 in Pommern. Zu dieser Zeit schlug er die kaiserlichen Truppen zurück. Zuerst nahmen die Schweden Rostock ein und belagerten anschließend Wismar. 1632 kapitulierte die kaiserliche Besatzung in Wismar, weil sie völlig von der Außenwelt abgeschnitten war und ohne Warennummer auskommen musste.
Folgen für die Bevölkerung
773 Häuser der Stadt waren zu dieser Zeit unbewohnt. 137 Häuser waren niedergerissen worden. Über 1000 Einwohner waren durch die Pest gestorben. Die Lasten für die Wismarer Bevölkerung reduzierten sich unter der schwedischen Besatzung. Das verminderte jedoch nicht die Erhebung finanzieller Mittel für die Befestigung von Wismar. Während die wirtschaftliche Lage der Stadt sich nicht verbesserte, sank die Bevölkerungszahl weiter. Gegen Ende des 30-jährigen Krieges wurden die Bestimmungen des Friedensvertrages von Osnabrück aktiv und die Schweden übernahmen die Herrschaft in Wismar, einem großen Teil der Insel Poel und von Neukloster.

 

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