Die Kultur der vordynastischen Zeit [5]

von Claudia Wendt

In diesem Beitrag werden einige kulturelle Aspekte des vordynastischen Zeitalters vorgestellt. Dazu gehören beispielsweise Kleidung, Schrift und Schmuck.
Die Kultur der vordynastischen Zeit
Die Kleidung
Die vordynastischen Ägypter waren dunkelhaarig. Die Männer waren mit einem Fell über den Schultern oder einem kurzen weißen Leinenschutz um die Lenden bekleidet. Frauen trugen lange Gewänder aus Leinen, die von den Schultern bis zu den Knöcheln hinabreichten. In Ägypten finden sich aber auch unbekleidete Statuetten dieses Volkes. Sandalen wurden zu dieser Zeit bereits getragen.
Die Schrift
Das Schriftsystem in Ägypten entwickelte sich sehr früh. Eine Notwendigkeit für das ägyptische Schriftsystem waren die Berechnungen, welche für die Erfindung und die Benutzung des Kalenders notwendig waren. Sie werden bereits für das 5. vorchristliche Jahrtausend belegt. Die Schreiber der 5. Dynastie legten bereits lange Königslisten an von den Königen des Nordens. Auch die des Südreiches wurden wahrscheinlich so dargestellt. Zu Beginn der dynastischen Zeit findet sich bereits eine kursive Schrift. Die Führung Fischen Zeichen für das Nordreich entstanden über einen sehr langen Zeitraum hinweg.
Schmuck
Körper wurden mit Tätowierungen geschmückt. Als Schmuckstücke trug man Finger- und Armringe, Anhänger aus Stein, Elfenbein und Knochen, Perlenketten aus Feuerstein, Quarz, Karneol oder Achat. Die Frauen verzierten ihr Haar Elfenbein kämmen und Haarnadeln. Augenlider und das Gesicht wurden mit Schminke verziert. Männer und Frauen nutzten dafür gleichermaßen Paletten aus bearbeiteten Schiefer, wo grüne Farbe aus Malachit vertrieben wurde. Man baute Hütten aus Schilfgeflecht und bewarf diese mit Lehm. Später nutzte man für den Bau der Häuser auch getrocknete Ziegelsteine.
Narmer-Palette

Vor- und Rückseite der Narmer-Palette, der Schminktafel des Königs Narmer (Menes?). Grüner Schiefer. Aus Hierankopolis. 1. Dynastie um 3400 v. Chr. Kairo, Museum Lizenz: Creativ Commons Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Narmer_Palette.jpg

Die Kunst
Die vordynastischen Kulturen waren bereits mechanisch sehr geschickt und künstlerisch veranlagt. Zum Salben nutzte man Elfenbeinlöffel, die einen reich verzierten Griff mit geschnitzten Tierfiguren hatten. Tongefäße in verschiedensten Formen wurden gefunden, die mit verschiedenen Techniken gefertigt wurden. Man fand geglättete rote und schwarze Tongefäße mit eingeritzt geometrischen Zeichnungen oder Korbmustern. Es finden sich dabei rohe Darstellungen von Schiffen, Menschen, Tieren, Vögeln, Fischen oder Bäumen. Perlen, Anhängsel und anderer Schmuck überzog man mit einem farbigen Glasfluss. Gefunden wurden auch zahlreiche rohe Statuetten, die aus Holz, Elfenbein oder Stein bestanden. Sie bilden den Anfang von plastischer Kunst. Es gibt drei große steinerne Statuetten, die den Gott Min von Koptos darstellen.
Ruderschiffe und Wasservögel - Malerei auf einem vorgeschichtlichen Tongefäß - Breasted

Breasted, J. H.: Geschichte Ägyptens. Parkland Verlag. 2001.

Töpferkünste wichen verschiedenen Steinarbeiten. Vom Ende der vordynastischen Zeit finden sich Schalen und Gefäße aus Steinarten, wie zum Beispiel die Diorit und Porphyr. Feuerstein wurde ebenfalls hervorragend bearbeitet.

Messer verzierte Mann Holz-, Elfenbein- oder Goldblechgriffen. Äxte setzte man aus Steinen und Feuersteinen zusammen. Kriegskeulen waren mit einem birnenfarbigen Knauf versehen. Dieser ist auch später in Babylonien verwendet worden. Sie sind die Hauptkriegswaffen dieser Zeit. Es folgte die Verwendung von Waffen und Geräten aus Kupfer. Inzwischen bearbeitete man auch Gold, Silber und Blei. Auf den Kunstgegenständen findet sich eine Darstellung des ägyptischen Elefanten, der zu dieser Zeit noch in Ägypten lebte. Tongefäße auch zeigen Giraffen und Nilpferde. In Zeichnungen sind Jagdszenen der Ägypter dargestellt. Sie finden sich auf Felsen im Niltal. In der Kunst zeigen sich z. B. Jagdboote, die auf dem Nil fuhren.
Feuersteinmesser der vordynastischen Zeit

Bildquelle: Breasted, J. H.: Geschichte Ägyptens. Parkland Verlag. 2001.

Bestattungsriten der alten Zeit
In dieser Zeit glaubte man an ein Leben nach dem Tode mit den gleichen Bedürfnissen wie im irdischen Leben. Die Friedhöfe befinden sich zerstreut am Rande der oberägyptischen Wüste. Man hat Tausende von diesen Gräbern wieder geöffnet. Diese sind gewöhnliche, flache, ovale oder rechtwinklige Gruben. Darin liegen die Körper in zusammengekauert Erstellung auf der Seite, eingehüllt in Fell oder einer Art Gewebe. Einmal Sanierung fand noch nicht statt. Unter den Körpern befindet sich eine Matte aus Binsen. In der Hand oder an der Brust trägt der Tote eine Schieferplatte zum Reiben der Augenschminke. Dabei befindet sich meist ein Säckchen mit grünlichen Malachit. Zusätzlich sind die Toten mit Ketten, Kämmen und anderem Schmuck ausgestattet. Zusätzlich sind sie von Ton- oder Steingefäßen umgeben. Darin befinden sich Spuren von Asche oder organischen Stoffen. Dabei handelt es sich um Überreste von Speisen, Getränken und Salben für den Toten im Jenseits.

Man gab Feuersteinwaffen mit ins Grab oder mit Knochenspitzen versehene Harpunen. Dies hatte den Grund, dass der Verschiedene auch im Tode seine Speisekammer mit Jagdbeute füllen konnte. Dazu gab es Tonmodelle von verschiedenen Gegenständen, insbesondere Schiffe. Die ältesten groben sind mit einem Dach von Zweigen Sand- und Kieshaufen bedeckt. Bei späteren Gräbern finden sich rohe, an der Sonne getrocknete Ziegelsteine, mit denen die Stätten verkleidet wurden. Man fand Tonsärge oder große Tonkrüge, die über den in der Grube liegenden Körper gestülpt wurden. Es wird davon ausgegangen, dass auch hier bereits Götter des Jenseits in gebeten und Zauberformeln angerufen wurden.

In der dynastischen Zeit befinden sich später Bruchstücke der Totentexten in den Pyramiden der 5. und 6. Dynastie aufgezeichnet. Nach Angaben von König Pepi I., der den Tempel von Dendera wieder aufrichten ließ, betonte, dass er damit im Plan eines Heiligtums an neuere, das einst die vordynastischen Könige an dieser Stätte geplant hätten. Damals gab es demnach auch schon Tempel.
Die Kultur am Königshof im ältesten Ägypten
Zu feierlichen Anlässen trug der König eine Staatstracht. Vor ihm schritten vier Standartenträger. Ihm nachfolgend geht der Kanzler und einige persönliche Diener. Der König trägt eine weiße und eine rote Krone. Oft sieht man auch eine Kombinationen beider Kronen, die das Nord- und Südreich repräsentieren. Er ist in ein einfaches Gewand gekleidet, welches ein Band über einer Schulter festhält. Hintendran ist ein Tierschwanz befestigt. In dieser Form leitete er die Siegesfeste, Zeremonien bei der Eröffnung von Kanälen oder die Einweihung öffentlicher Bauten.

Zum 30. Jubiläum der Ernennung zum Kronrinzen und Erben des Reiches feierte er das große "Sedfest". "Sed" steht für Schwanz und bezieht sich auf die erste Umgürtung mit dem Tierschwanz, der die Königswürde symbolisiert. Einige Könige waren sehr gute Jäger. Ein König brüstete sich damit, ein Nilpferd getötet zu haben. Die Waffen der Könige waren kostbar und fein gearbeitet.

Jeder Königspalast hatte einen besonderen Namen, eigene Gärten und Weinberge. Die Weinberge selbst hatten ebenfalls spezielle Namen. Eigens dafür abgestellte Beamte verwalteten sie und ihre Erträge. Die Paläste waren prachtvoll und künsterisch eingerichtet. Die Gefäße in den Palästen waren aus ca. 20 verschiedenen Steinarten hergestellt. Besonders hohen Stellenwert hatten Alabaster oder besonders harte Materialien wie Diorit. Man fand auch Schalen aus Bergkristall. Die Tongefäße waren davor in der vordynastischen Zeit künstlerisch hochwertiger hergestellt worden. Weniger haltbare Gegenstände blieben nicht erhalten. Bei Augabrungen fanden sich mit Elfenbein eingelegte Kästen aus Ebenholz und Reste von Schemeln mit geschnitzten Füßen aus Elfenbein, welche den Füßen von Rindern nachgebildet wurden. Man glasierte zu dieser Zeit den Ton, was bei Gefäßen und Einlegearbeiten Verwendung fand.

Kupferschmiede erstellten für die Paläste fein gearbeitete Schalen, Krüge und andere Gefäße. Sie verdrängten die Steingefäße mit der Zeit. Goldschmiede fertigten königlichen Goldschmuck für den König und die Damen der könglichen Familie. Die Schuckstücke wurden aus Gold und Halbedelsteinen angefertigt. Vordynastische Schnitzereien und Zeichnungen wurden zu Reliefs und Statuen. Beispielsweise fanden sich von Königen dem Tempel des Horus geweihte Schieferplatten in Hierankopolis oder mit Relifes geschmückte Keulenknäufe und Steingefäße. Menschen- und Tiergestalten sind frei und lebendig dargestellt. Dies findet sich bereits seit der 3. Dynastie. Die Freiheit der 3. Dynastie findet sich nicht mehr bei den späteren Umrißzeichnungen. Bei den Statuen on König Chasechem in Hierankopols finden sich starre Regeln der Kunst, die später die Kunst des alten Reiches beherrschte.
Schminktafel aus grünem Schiefer, I. Dynastie um 3400 v. Chr

Bildquelle: Breasted, J. H.: Geschichte Ägyptens. Parkland Verlag. 2001. S. 38-39.

Die Königsgräber von Abydos
Die Königsgräber von Abydos brachten die meisten Überlieferungen der alten Zeit mit sich. Sie entwickelten sich aus Gruben der vordynastischen Zeit. Die Gruben wurden größer und kunstreicher gestaltet. Man mauerte sie mit Ziegeln aus und oft besaßen sie eine 2. Einfassung aus Holz. Gefäße für Speis und trank standen in einer Reihe in besonderen kleinen Kammern untergeordnet. Sie umgeben den mittleren Raum. In diesem war die Leiche des Königs untergebracht. Der Leichnam befand sich in einem hölzernen Sarg. Die Gräber wurden sehr oft geplündert und verwüstet, so das keine Leichen mehr gefunden werden konnten. Bedeckt wurde alles mit Baumstämmen und Balken und einem darüber liegenden Sandhaufen.

An der Ostseite eines Grabes befanden sich 2 große schmale Stelen mit dem Namen des Königs darauf. Eine Treppe aus Ziegelsteinen führte auf einer Seite zum mittleren Zimmer hinab. In kleineren Kammern befanden sich Bulettengegenstände des Königs, seine Ausrüstung von Schalen, Krügen und anderen Gefäßen aus Stein und Metall, seine persönlichen Schmuckstücke und alles notwendige für den Hofstaat im Jenseits.

Man fand bei den Gräbern kolossale Tonkrüge, die mit stöpseln aus Nilschlamm verschlossen waren. Sie waren mit dem Namen des Königs oder des Weinbergs mit dessen Ertrag sie gefüllt waren für sie gilt. Da der Tisch bedarf des verstorbenen Herrschers dauerhaft abgesichert sein musste, bestimmte man die Einkünfte bestimmter Grundstücke nur für den Totendienst. Um die Ruhestätte des Königs befanden sich ein- oder 200 Gräber seiner Familie und seiner einstigen Umgebung. Sogar die Zwerge, die ihn ihren Tänzen in seinen Mussestunden ergötzten und seine Lieblingshunde hatten ihre Gräber dort.

Der König wünschte sich einen dauernden Aufenthaltsort für das Leben nach dem Tode. Das beeinflusste auch stark die Baukunst dieser Zeit. In der 1. Dynastie finden sich Königsgräber, wie zum Beispiel das des Usaphais, welches einen granitenen Fußboden hatte. Zum Ende der 2. Dynastie gab es beispielsweise beim Grab von König Chasechemuis kleinere Ziegelkammern, die ein Mittelzimmer aus gehauenen Kalkstein umgeben. Es ist der älteste erhaltene Steinbau der Geschichte. Sein Vorgänger, bei dem angenommen wird, dass es sich um seinen Vater handelte, ließ bereits einen steinernen Tempel errichten. Chasechemuis baute einen Tempel in Hierakonpolis. Von diesem ist eine granitene Türlaibung mit Reliefinschriften erhalten.

Quellen:

vgl. Breasted, J. H.: Geschichte Ägyptens. Parkland Verlag. 2001.

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