Das vordynastische Zeitalter [9]

von Claudia Wendt

Das vordynastische Zeitalter
Das Wüstengebiet von Ägypten war bereits früh von den Menschen bewohnt. Bevor das Land verödet war, gab es reichliche Niederschläge und das Land und fruchtbaren und ergiebigen Boden. Seit dieser Zeit gab es im Land zahlreiche geologische Veränderungen. Diese sorgten dafür, dass die Regengüsse ausblieben und die fruchtbare Erde austrocknet. Großteils wurden die ägyptischen Lande unbewohnbar.
Die Steinzeit
Zu einer Zeit als das Land noch fruchtbar war, lebte dort ein Volk, von dem heute nur noch die Feuersteinwerkzeuge zu finden sind. Es war das paäolithische Zeitalter. Die Vorfahren der Ägypter weisen Verwandtschaftsmerkmale mit den Libyen oder Nordafrikanern auf. Aber auch Eigenschaften der ostafrikanischen Stämme, wie zum Beispiel die Galla, Somali und Bedscha wurden nachgewiesen. Sie Mitische Tomaten wanderten von Asien aus in das Niltal und prägten die Sprache des afrikanischen Volkes. Die Sprache ist Semitisch geprägt, mit Elementen der afrikanischen Vorgänger. Diese Vermischung ist 3000 Jahre lang ungefähr nachvollziehbar.

Dazu kam eine symmetrische Einwanderung aus Asien. Das Volk kam wahrscheinlich über die Landenge von Suez, wie auch später die Mohammedaner. Archäologische Funde bestätigen die Verwandtschaft des ägyptischen Volkes mit den Libyen. Man fand archaische Tongefäße, die noch heute von libyschen Kabylen hergestellt werden. In ägyptischen Denkmälern finden sich Darstellungen von „Punt“-leuten oder Somali, die den Ägyptern selbst sehr ähnlich sehen.
Die vordynastische Zeit
Die Kunst
Die vordynastischen Kulturen waren bereits mechanisch sehr geschickt und künstlerisch veranlagt. Zum Salben nutzte man Elfenbeinlöffel, die einen reich verzierten Griff mit geschnitzten Tierfiguren hatten. Tongefäße in verschiedensten Formen wurden gefunden, die mit verschiedenen Techniken gefertigt wurden. Man fand geglättete rote und schwarze Tongefäße mit eingeritzt geometrischen Zeichnungen oder Korbmustern. Es finden sich dabei rohe Darstellungen von Schiffen, Menschen, Tieren, Vögeln, Fischen oder Bäumen. Perlen, Anhängsel und anderer Schmuck überzog man mit einem farbigen Glasfluss. Gefunden wurden auch zahlreiche rohe Statuetten, die aus Holz, Elfenbein oder Stein bestanden. Sie bilden den Anfang von plastischer Kunst. Es gibt drei große steinerne Statuetten, die den Gott Min von Koptos darstellen.
Ruderschiffe und Wasservögel - Malerei auf einem vorgeschichtlichen Tongefäß - Breasted

Breasted, J. H.: Geschichte Ägyptens. Parkland Verlag. 2001.

Töpferkünste wichen verschiedenen Steinarbeiten. Vom Ende der vordynastischen Zeit finden sich Schalen und Gefäße aus Steinarten, wie zum Beispiel die Diorit und Porphyr. Feuerstein wurde ebenfalls hervorragend bearbeitet.

Messer verzierte Mann Holz-, Elfenbein- oder Goldblechgriffen. Äxte setzte man aus Steinen und Feuersteinen zusammen. Kriegskeulen waren mit einem birnenfarbigen Knauf versehen. Dieser ist auch später in Babylonien verwendet worden. Sie sind die Hauptkriegswaffen dieser Zeit. Es folgte die Verwendung von Waffen und Geräten aus Kupfer. Inzwischen bearbeitete man auch Gold, Silber und Blei. Auf den Kunstgegenständen findet sich eine Darstellung des ägyptischen Elefanten, der zu dieser Zeit noch in Ägypten lebte. Tongefäße auch zeigen Giraffen und Nilpferde. In Zeichnungen sind Jagdszenen der Ägypter dargestellt. Sie finden sich auf Felsen im Niltal. In der Kunst zeigen sich z. B. Jagdboote, die auf dem Nil fuhren.
Bauern und Jäger
Die Ägypter waren zuerst als Ackerbauern tätig. Sie hatten eine uralte Religion, die bereits mit Symbolen und Zeichen primitive Vorstellungen des acker- und viehzuchttreibenden Volkes verraten. Die Ägypter dieser Zeit waren geschickte Fischer. Gejagt wurden von den Ägyptern Löwen und Ochsen mit Bogen und Pfeilen. In leichten Kähnen jagten sie mit Harpunen und Lanzen Nilpferde oder Krokodile. Zu dieser Zeit war der Elefant in Ägypten noch heimisch. Giraffen und Nilpferde sind später in Ägypten ausgestorben.
Schifffahrt und Handel
Schifffahrt und Handel entstanden allmählich in der vordynastischen Zeit. Jagdboote und stattliche Fahrzeuge mit vielen Rudern und einem Steuerruder befuhren den Nil. Ebenso fuhren Segelschiffe auf dem Nil. Mit den Abzeichen der Schiffe und Boote war der Ausfahrtshafen erkennbar. Gekreuzte Pfeile stehen zum Beispiel für die Göttin Neith von Saïs. Ein Elefant steht für Elephantine. Aus dem Süden Ägyptens kam Elfenbein zum Handeln. Diese Zeichen sind den Hieroglyphen für die späteren ägyptischen Gaue ähnlich.
Ägyptische Kleinstaaterei
In der Zeit des ältesten Ägypten fanden sich Spuren von Kleinstaaterei. Dabei handelte es sich um Verwaltungs- oder Lehnsbezirke, die "Gaue" genannt wurden. Man fand Spuren von ungefähr 20 solcher Staaten in Oberägypten. Sie verteilten sich entlang des Flusses. Die ersten bedeutenden Städte entwickelten sich. Das Stadtfürstentum Babylonien war eines davon. Jede Stadt bzw. jeder Kleinstaat bzw. jedes kleine Königreich hatte eine Ortsgottheit. Auf dem Markt traf sich die tributpflichtige Bevölkerung des umliegenden Landes.
Ober- und Unterägypten
Die verschiedenen kleinen Staaten verschmolzen zu 2 großen einheitlichen Reichen. Von Helden, Eroberern, Kriegen und Belagerungen ist wenig bekannt. Sicher ist, dass es bis über 4000 vor Christus hinausging. Über die beiden entstandenen Reiche ist ebenfalls wenig bekannt. Sie haben sich im Süden und im Norden gebildet. Vom Westen her strömten Libyer ein. Andere fremde Völker kamen ebenfalls über das Nildelta. Das westliche Delta nahm einen libyschen Charakter an. Bekannt ist, dass der ägyptische König mit libyschen Eindringlingen kämpfen musste. Die Bevölkerung im Norden war stark libyschen.

Der Tempel in Saïs befand sich im westlichen Delta. Er war ein Hauptmittelpunkt des libyschen Einflusses in Ägypten. Sein Name bedeutet „Haus des Königs von Unterägypten“ (bzw. des Deltas). Die Libyer trugen das Abzeichen der Hauptgöttin Neith auf den Armen tituliert. Es ist möglich, dass Saïs die Residenz eines libyschen Deltakönigs gewesen ist. Saïs konnte aufgrund des libyschen Einflusses nicht als Residenzstadt der Regierung genutzt werden.

Buto galt als Hauptstadt des Nordreiches. Dort herrschte der ägyptische Einfluss vor. Als Wappen oder Abzeichen des Nordreiches galt die Papyruspflanze. Sie war zahlreich in den Marschen vertreten. Den König stellte man mit einem Biene dar. Er trug eine eigentümlich geformte rote Krone auf dem Haupt. Diese Zeichen finden sich auch in der späteren Hieroglyphenschrift wieder. Roth galt als Farbe des Nordreiches. Das Schatzhaus des Nordreiches wurde Anführungsstriche unten rotes Haus“ genannt. Gegenüber der Hauptstadt Buto lag die Stadt Pe. In Buto verehrte man die Schlangengöttin Buto als Schutzgöttin.Als Beschützer des Königs galt der Falkengott Horus.
Die Älteste Kultur im Delta
Die Überreste der ältesten Kultur im Nildelta wurden von Ablagerungen des Nil Schlammes bedeckt. Man nimmt an, dass diese Kultur älter und weiter entwickelt er war als die des oberen Tales. In Delta fand sich bereits die Festlegung der 365 Tage im Jahr. Dort führte man den praktischen Kalender ein, der das Altertum überdauerte. Das Jahr wurde in 12 Monate von 30 Tagen unterteilt. Am Ende gab es eine heilige Periode von 5 Festtagen.

Der Jahresbeginn startete mit dem Tag, an dem Sirius das 1. Mal gleichzeitig mit dem Sonnenaufgang am östlichen Horizont erschien. Nach dem heutigen Kalender war dies der 19. Juli. Dieses Kalenderjahr war einen viertel Tag kürzer als das Sonnenjahr. Es gewann alle 4 Jahre einen ganzen Tag. Einmal in 1460 Jahren bewegte es sich durch das astronomische Jahr hindurch und begann den Kreislauf von vorn.

Es ist möglich das astronomische Ereignis, wie der heliakische Aufgang des Sirius, wie er im ägyptischen Kalender datiert wurde zu berechnen und mit einem Spielraum von 4 Jahren in unserer Zeitrechnung, das bedeutet im Jahre von Christi Geburt umgesetzt zu werden. Dabei handelt es sich auch um den Kalender, den Julius Caesar in Rom einführte. Im Jahre 1582 nach Christi wurde dieser durch den gregorianischen Kalender ersetzt.
Das Südreich
Das Südreich war stark ägyptisch geprägt. Die Hauptstadt war Necheb, wo heute Elkab steht. Das Wappen oder Symbol war die Lilie. Der König wurde durch eine hohe weiße Krone dargestellt. Das Abzeichen des Königs war eine andere südliche Pflanze. Weiß galt als Farbe des Südreichs. Das Schatzhaus nannte man das „weiße Haus“.

Gegenüber von Necheb lag die königliche Residenz. Sie befand sich am anderen Nilufer und hatte den Namen Nechen. Es ist die spätere Stadt Hierankopolis gewesen. Jede Stadt hatte ihren eigenen Schutzgott. Die Geiergöttin Nechbet verehrt. Beschützer der Könige war der Falkengott Horus.
Bestattungsriten der alten Zeit
In dieser Zeit glaubte man an ein Leben nach dem Tode mit den gleichen Bedürfnissen wie im irdischen Leben. Die Friedhöfe befinden sich zerstreut am Rande der oberägyptischen Wüste. Man hat Tausende von diesen Gräbern wieder geöffnet. Diese sind gewöhnliche, flache, ovale oder rechtwinklige Gruben. Darin liegen die Körper in zusammengekauert Erstellung auf der Seite, eingehüllt in Fell oder einer Art Gewebe. Einmal Sanierung fand noch nicht statt. Unter den Körpern befindet sich eine Matte aus Binsen. In der Hand oder an der Brust trägt der Tote eine Schieferplatte zum Reiben der Augenschminke. Dabei befindet sich meist ein Säckchen mit grünlichen Malachit. Zusätzlich sind die Toten mit Ketten, Kämmen und anderem Schmuck ausgestattet. Zusätzlich sind sie von Ton- oder Steingefäßen umgeben. Darin befinden sich Spuren von Asche oder organischen Stoffen. Dabei handelt es sich um Überreste von Speisen, Getränken und Salben für den Toten im Jenseits.

Man gab Feuersteinwaffen mit ins Grab oder mit Knochenspitzen versehene Harpunen. Dies hatte den Grund, dass der Verschiedene auch im Tode seine Speisekammer mit Jagdbeute füllen konnte. Dazu gab es Tonmodelle von verschiedenen Gegenständen, insbesondere Schiffe. Die ältesten groben sind mit einem Dach von Zweigen Sand- und Kieshaufen bedeckt. Bei späteren Gräbern finden sich rohe, an der Sonne getrocknete Ziegelsteine, mit denen die Stätten verkleidet wurden. Man fand Tonsärge oder große Tonkrüge, die über den in der Grube liegenden Körper gestülpt wurden. Es wird davon ausgegangen, dass auch hier bereits Götter des Jenseits in gebeten und Zauberformeln angerufen wurden.

In der dynastischen Zeit befinden sich später Bruchstücke der Totentexten in den Pyramiden der 5. und 6. Dynastie aufgezeichnet. Nach Angaben von König Pepi I., der den Tempel von Dendera wieder aufrichten ließ, betonte, dass er damit im Plan eines Heiligtums an neuere, das einst die vordynastischen Könige an dieser Stätte geplant hätten. Damals gab es demnach auch schon Tempel.

Quellen:

vgl. Breasted, J. H.: Geschichte Ägyptens. Parkland Verlag. 2001.

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