Der Nil - Fluss der Geschichte

von Claudia Wendt

Der Nil - Fluss der Geschichte
Der Nil ist ein Kulturursprung unglaublicher Vielfalt. Vor 6.000 Jahre bildete er eine wichtige Lebensgrundlage für bemerkenswert hohe Zivilisationen. Die alten Völker, insbesondere die Ägypter waren von ihm abhängig.
Lebensquelle Nil
Der Nil duchfließt die Wüste, den Nordafrika nach Osten, durch die Senkung des roten Meeres, nordöstlich bis nach Asien. Im Arabischen wird er النيل (an-Nīl) genanntIm Griechischen heißt er Νεῖλος (Neilos, später Nīlos, davor lateinisch Nilus). Zwei Flusstäler bilden sich im Norden im Süden. In Asien finden sich Euphrat und Tigris, während in Afrika das Niltal seine Ebenen erstreckt. Die Ufer des Nils sahen den Aufgang und den Niedergang der großen ägyptischen Herrscher und Kulturen. Hochkulturen bildeten die Grundlage für die Zivilisationsentwicklung in Kleinasien und Südeuropa. Der Nil ist der Fluss der Geschichte, der eine Heimat für die Ägypter schuf. Er durchzieht ganz Ägypten gleich einem Adernetz mit seinen Bewässerungskanälen.

Ägypten (alte Ansicht)

Sein Ursprung liegt 3° südlich vom Äquator. Er fließt bei 31° nördliche Breite ins Mittelmeer und hat eine Länge von fast 7000 km. Sein Oberlauf entspringt den Seen Mittelafrikas und wird Weißer Nil genannt. 2000 km von der See entfernt fließt ihm der Nebenfluss zu, der Blaue Nil, welcher einem Bergstrom im abessinischen Gebirge entspringt. 200km abwärts fließt der Atbâra, ein Nebenfluss in den Nil. Nördlich von Chartum fließt er in das Taffelland von Nubien, um sich durch die Wüste zu schlängeln und am Ende in einem S zu münden.


Die Nilkatarakte
Sechs große Granitdämme behindern den Nil auf seiner Reise. Das Wasser des Nils schaffte es nicht, sich durch diese hindurchzugraben. Felsen sind an verschiedenen Stellen des Flusses aufgetürmt. Diese Stellen werden Katarakte genannt und bilden natürliche Stromschwellen. Sie sind härter als das umliegende Gestein. Sie sind ein Hindernise für die Schiafffahrt auf dem Nil. Nur die Katarakte bilden ein Problem für die Schifffahrt. Der Nil ansonsten in seiner Gänzen befahren werden. Unterhalb von Edfu gräbt sich der Nil durch Muschelkalkstein. Der Nil schuf dadurch breite Schluchten, die von 15 bis 18 km bis zu 50 km breit sein können. Das Wasser des Nils fließt mit einer Geschwindligkeit von ungefähr viereinhalb Kilometer pro Stunde über die schwarzen Alliuvialablagerungen. Der Nil erreicht eine Breite von 1km. Ein Nilarm, der Bahr Jûsuf, fließt ab Siut in das Fajûmbecken und ist ungefähr 300 km lang. Im Altertum floß der "Nordkanal" von dort nordwärts von Memphos, weiter nach Alexandria. Dort mündete er im Meer.

Nilverlauf


Das Nildelta
150k vom Meer entfernt fließt der Hauptstrom des Nil in das Nildelta, von den Griechen früher das "Delta" genannt.

Nach Herodot ga es drei Mündungsarme des Nils:

1. Der Pelusische Arm
2. Der Sebennytische Arm
3. Der westliche Kanobische Arm

In dieser Meeresbucht, teilte sich der Fluss zur Zeit der Römer in sieben Hauptarme:

Der Kanobische Arm
Bolbitinische oder Saitische Arm (heute Rosette-Arm)
Sebennytische Arm
Bukolischer oder Phatni(ti)scher Arm (heute: Damiette-Arm)
Mendesinischer Arm
Tanitischer oder Sethroitischer Arm
Pelusischer Arm

Hauptarme des Nils zur Römerzeit

Von den sieben Armen sind nur noch der Damiette- und der Rosette-Arm übrig. Die anderen Arme sind verlandet und existieren nicht mehr. Das Delta ist aus den Ablagerungen des Nils entstanden.

Nildelta heute

Der Nil ist der wichtigste Fluss Ägyptens und damit die Lebensgrundlage dort. Er hat viel Geschichte gesehen und selber eine Entwicklung erlebt, die bis in die heutige Zeit anhält.


Die Nilüberschwemmung - Fruchtbarer Boden!
Der Nil ist die Hauptquelle des ägyptischen Reichtums. Der seltene Regen in Ägypten erschwert die Landwirtschaft enorm. Die Regengüsse des Deltas sind für die Landwirtschaftliche Bestellung nicht ausreichend. Ausschlaggebend für die Fruchtbarkeit des Reiches ist die jährliche Nilüberschwemmung. Sie wird durch die Schneeschmelze und den Frühlingsregen an den Quellen des Blauen Nils verursacht. Dadurch steigt der Nil über Ufer. Der Schlamm, den der Nil vom abessinischen Hochland mit sich trägt, wird ins nubische Tal getragen. Im Juni steigt beim ersten Katarakt das Wasser an. Die Flut steigt und hält Ende September an. Bis Oktober bzw. November steigt das Wasser erneut, bevor es zurückgeht. Zu dieser Zeit hat der Fluss den Höchststand. Am ersten Katarakt ist der Wasserstand höher als zu normalen Zeiten. In Kairo ist es nur die Hälfte.

Die Nilüberflutung

Die Ägypter arbeiteten ein Bewässerungssystem aus. Bewässerungskanäle und Reservoirs empfangen das Nilwasser und leiten es auf die Felder ägyptischer Bauern. Dort steht der Wasserstand des Nils und lässt den mitgebrachten fruchtbaren Nilschlamm auf die Felder sinken. Die ägyptischen Dörfer sind zu dieser Zeit nur über Deiche zugänglich. Damit bekommt der Boden seine nötige Fruchtbarkeit. Wenn das Wasser zu weit absinkt, wird es künstlich gehoben, um abgelegene Felder zu bewässern. Die Ägyptische Landwirtschaft nutzt geschickt das Flusswasser des Nils. Im alten Ägypten nutzte man für die Bewässerung höher gelegener Felder das Schadûff, ein Geräts, welches einem Katapult ähnelte. Eine Seite senkte sich mit einem Lederbeutel ab, während die andere mit einem Gegengewicht beschwert, das Wasser anhob.

Der Reichtum Ägyptens beruht vor allem auf seiner Landwirtschaft. Sie war der Grund und der Boden für die Ernährung des Landes. Diodor schrieb in seiner Beschreibung in der historischen Bibliothek: "Die ganze Einwohnerzahl soll ehemals 7 Millionen ausgemacht haben, und auch noch jetzt nicht geringer seyn als 3 Millionen."

Die Bewässerung mit dem Schadûf war für die altägpytische Zeit so fortschrittlich, dass Reisende in ihren Berichten davon erzählten.


Das Schadûf - Fortgeschrittene Bewässerung
Für die Bewässerung nutzte man ein Instrument, welches auf arabisch "Schadûf" genannt wird. Es ist ähnliche dem europäischen Schwengelziehbrunnen gestaltet. Ein Ledereimer hängt auf einer Seite des Schwengels herab, während auf der anderen Seite ein großer Erdklumpen als Gegengewicht agiert. Bei niedrigem Wasserstand waren drei bis vier Schadûfs notwendig, um das Wasser zum Feld zu transportieren. Für eine Ernte war in 100 Tagen das Heben von 1600 bis 2000 t für jeden Morgen Land notwendig. Das Schadûf wurde bereits in antiken Papyri beschrieben. Antike Historiker und Reisende erwähnten dies Art der Bewässerung darin. Der Schaduff sorgte in Küstenstädten und Dörfern für frisches Wasser.

Schaduf


Bild: Bewässerung mit einem Schadûf


Das Funktionsprinzip das Schadûf
Vom Aussehen her erinnert das Gerät an ein Katapult. Das Gerät wird auf einem Fundament montiert. Das freie Ende mit dem Lederbeutel senkte sich ins Wasser. Dann wurde das Gegengewicht befestigt und zog den gefüllten Lederbeutel nach oben. Das Gegengewicht war meist ein Stein, der mit Seilen am anderen Ende fixiert wurde. Auf diese Weise gewannen die Ägypter frisches Wasser. Das Verfahren war einfach und bewuem und wurde von Reisenden sehr geschätzt. Die benachbarten Regionen schauten sich das Prinzip schnell ab, sodass es nicht lange dauerte, bis es auch nach Europa kam. Im Europäischen Raum bezeichnete man diese Konstruktion als Schwing- oder Hebelbrunnen.
Schaduf - Mehretagige Darstellung
Auf dem Bild: Die Darstellung der Schadûf-Bewässerung über mehrere Ebenen

Mehr Infos zum Thema Shaduff


Heiße Sonne, wenig Regen - Das Klima Ägyptens
Dieser Beitrag soll die Frage beantworten, wie sich das ägyptische Klima gestaltet? Welche Temperaturen herrschen und was hat Einfluss auf die Wetterlage im Land. Im zweiten Teil wird kurz auf die ägyptische Unterteilung der Vegetationszonen eingangen.
Das Klima Ägyptens
Eine heiße und trockene Wüstenluft weht in Ägypten. Die Hitze wird durch den Wind einigermaßen erträglich. Im Nildelta beträgt die Durchschnittstemperatur 13°C. In Oberägypten liegt sie bei ungefähr 19°C. Im Sommer kann die Temperatur im Nildelta bis zu 28°C betragen. Im Tal selbst herrschen indessen Temperaturen bis zu 50°C. Die kühlen Nächte bilden den krassen Gegensatz zu den heißen Tagestemperaturen. Die Vegeation unterstützt beim auskühlen. Im Winter ist es vor der Dämmerung merklich kühl. Der Mittag im Winter ist von angenehmer Wärme. Im südlichen Ägypten fällt fast nie regeln. Zyklonische Störungen im südlichen Mittelmeer und der nördlichen Sahara treiben Regenwelten vom Westen her ins Niltal. Der Osten grenzen hohe Bergketten die Wolken vom Land ab. Im Delta findet sich die nördliche Regenzeit mit ausgedehnten Sumpfböden, welche die Nilüberschwemmung zurücklässt. Der trockene Wüstenwind sorgt schnell für ein Austrocknen.

Klima Ägyptens
Schwarzes Land und Rotes Land
Das Tal Ägyptens erstreckt sich weit. Sattes grün kleidet die Nilufer beideseitig, die von Felsen eingeschlossen sind. Palmenhaine säumen Flussufer und beschatten Lehmhütten und Dörfer. Dort finden sich auch Sykomoren, Tamarisken und Akazien. Der Wüstenwind trägt den Sand aus der nahen Wüste auf die Felder. Das tiefe, enge Tal birgt Fruchtbarkeit und wird beidseitig von einer leblosen Wüste gesäumt. Die Himmelsrichtungen Norden und Süden, bezeichneten die ÄGypter als "stromauf" und "stromab". Dort wo sich die Grenze zu Asien entlangzieht und der Euphrat fließt, bezeichnete die Ägypter als "das verkehrte Wasser, das stromab geht, wenn es stromauf (südlich) fließt" . Der Ägypter unterteilte die Welt in "schwarzes Land" und "rote Land" . Das schwarze Land war der schwarze Boden vom Niltal. Das rote Land bildete die rötlich schimmernde Wüstenobferläche. Eine andere Unterteilung waren Ebene und Hochland. Mit der Ebene bezeichnete er das Niltal, mit dem Hochland das Hochplateau der Wüste. Dementsprechend bezeichnete der Ägypter die Menschen in Hochländer, die er als Fremdlinge bezeichnete, die also hinaufgingen. Damit verließ man das Tal. Herabsteigen war eine Ausdruck für die Heimkehr aus der Fremde. Die Wüste stellte für den Ägypter der Horizont nach Osten und Westen dar und prägte entsprechend seine Vorstellungen.

Quellen:

vgl. Breasted, J. H.: Geschichte Ägyptens. Parkland Verlag. 2001.

Diodor's von Sicilien. Historische Bibliothek. übers. v. Friedrich Wurm. Erstes Bändchen. Stuttgart 1827.

vgl. Wikipedia Artikel über den Nil

vgl. Wikipedia Artikel über das Nildelta

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