Wismars Gründungszeit
von Claudia Wendt
Wismar wurde zwischen 1226 und 1229 gegründet und nach dem aqua wissemara benannt. Die Stadt veränderte sich durch die Bevölkerung und innere Konflikte. Sie war von Grundauf eine Handels- und Exportstadt, die zahlreiche Privilegien genoss.
Historischer Kontext
Wismar wurde während der Feudalzeit gegründet. Aufgrund der Besiedelung deutscher Volksstämme entstand das deutsche Volk und daraus ein deutscher Feudalstaat. Während dieser Zeit wurden zahlreiche Städte gegründet. In ihnen etablierte sich in das Städtebürgertum. Im deutschen Feudalstaat regierten weltliche und geistliche Feudalherren. Jeder strebte nach Macht, weshalb es eine Zeit der Eroberungskriege war. Die deutschen Feudalherren führten Krieg gegen Nachbarvölker, allem voran die slawischen Stämme. Diese hatten ihre Gebiete zwischen Elbe, Saale und Oder. Die Expansion nach Osten ließ sich von ihnen nicht aufhalten. Das deutsche Volk eroberte das Gebiet, wobei es sich die slawischen Stämme einverleibte.
Obodriten und Slawen
Während dieser Zeit wurde die Stadt Wismar um die Mitte des zwölften Jahrhunderts gegründet. Deutsche Feudalherren, ihre Bediensteten, Bauern, Handwerker und Kaufleute besiedelten die nordwestslawischen Gebiete. Früher hatten dort die Obodriten gelebt. Die Ostexpansion des deutschen Volkes und innere Machtkämpfe während der Entstehung des Obodritenstaates, zerstörten viele slawische Siedlungen. Die slawische Bevölkerung wurde entweder getötet oder vertrieben. Damit der slawische Adel seine Machtposition behaupten konnte, verbündete dieser sich mit deutschen Feudalherren. Sie veranlassten die Einwanderung deutscher Bauern, sowie Förderung und Niederlassung der Handwerker und Kaufleute. 1178-1227 herrschte Fürst Borwin, unter dessen Herrschaft ein feudaler Territorialstaat der Obodriten entstand. Dieser gliederte sich in Vogteien, sowie verschiedene Burganlagen, die das Land sicherten. Als Landesfürst förderte er die Gründung von Klöstern, Dörfern und Städten. Die Entstehung Wismar ist deshalb Großteils ihm zu verdanken.
Die Stadtgründung
Die Stadt Wismar wurde zwischen 1226 und 1229 gegründet. 1229 wird Wismar erstmals in einer Urkunde erwähnt. Die Namensgebung erfolgte nach dem Bach aqua wissemara. Dieser mündete östlich der Stadt in die Ostsee. Benannt wurde die Stadt nach Altwismar, welches dem Ursprungsnamen Ort des Vysěmêr oder Visemêr entstammte. Der Name entwickelte sich 1167 weiter zu Wissemara aqua, was soviel bedeutete wie Aue bei Wismar. In portu, qui Wisemer dicitur ist hinweisend auf die Namensgebung: „Im Hafen, der angeblich Wisemer genannt wird“. 1229 war der Name noch Wyssemaria. Er entwickelte sich 1230 zu Wissemaria weiter. 1237 bis 1246 lässt sich der Name Wismaria nachweisen. 1250 entwickelte sich der Name zu stad to der Wissemare weiter.
In Paul Kühnels Text über slawische Ortsnahmen in Mecklenburg findet sich folgender Eintrag:
Alt=Wismar (Mühle, O), 1260, 1266 antiqua Wismaria, "Ort des Vysěmêr oder Visemêr", davon Wissemara aqua 1167 (Aue bei Wismar), in portu, qui Wisemer dicitur 1171 (altsl. vysŭ hoch, vyšij höher P, čech. vyšemir, poln. wyszemierz, oder vĭsĭ all P, s. vsemir) adj. poss. §. 17: (Bach) des Vyšemêr oder Visemêr .
Wismar, Stadt (deutsche Gründung im W. des Mühlbachs), 1229 Wyssemaria, 1230 Wissemaria, 1237, 1246 Wismaria, 1250 stad to der Wissemare, nach Alt=Wismar benannt.

Die Stadt Wismar
Die Stadt Wismar gründete sich um vorhandene Siedlungen. Eine davon war das Dorf Altwismar. Das Dorf lag 1 km östlich vom Marktplatz und war eine Kaufmannssiedlung. Sie befand sich dort, wo die heutige Nicolaikirche steht. Die Stadt wurde nach einem Plan gebaut, was an der Straßenführung erkennbar ist. Der Marktplatz hatte früher eine größere Fläche als 1 ha. Ursprünglich grenzte er an das Schiff der Marienkirche. Er war Zentrum von Handel und Verkehr. 1238 musste die Stadt westlich der Altstadt erweitert werden. Bis 1250 wurde eine Neustadt errichtet. Die Fläche weitete sich bis auf das heutige St. Georgen aus. Die Entstehung des mittelalterlichen Stadtkernes fand ihr Ende. Der Herrschaftssitz vom mecklenburgischen Fürsten befand sich auf dem Weberkamp. Von der Lagebestimmung erstreckte sich der Weberkamp vom altwismarschen Tor bis zum Mecklenburger Tor hin. Dorthin verlegte der Fürst 1257 seinen herrschaftlichen Sitz, da Wismar stark an Bedeutung gewonnen hatte. Dieser befand sich innerhalb der Stadtmauern. Das Fürstentum Mecklenburg bestand aus nordwestlichen Teilen des späteren Herzogtums Mecklenburg-Schwerin. 1358 verlor Wismar seine Stellung als fürstliche Residenzstadt. Um seine Handelsstärke weiter auszubauen kaufte Wismar Höfe und Dörfer in unmittelbarer Umgebung auf. 1260 erwarb Wismar die Stadt Vinekendorf, sowie das Haftfeld, das vor dem Poeler Tor liegt. 1266 kam Liepz dazu, was Wiesen und Weiden des Hafens vergrößerte. 1277 gesellte sich Dorstellen vor dem Altswismartor dazu. 1279 erweiterte Dargetzow das Stadtgebiet. 1300 wurden Krukow, die Köppernitzmühle, die Mühle vor dem Altwismartor und der Mühlenteich zu städtischem Besitz. 1379 kaufte Wismar die Stadt Cismerstorp, die vor dem Poeler Tor lag. Dabei handelt es sich um das heutige Müggenburg. 1383 ergänzten der Hof und das Dorf Cessin vor dem Mecklenburger Tor das Stadtgebiet. Die städtische Feldmark teilte man in ackerlose auf. Die Acker wurden unter den Bürgern verlost.
Das Stadtsiegel
Das älteste Stadtsiegel ist aus dem Jahre 1256. Ein weiteres entstammt dem Jahre 1354. Abgebildet sind Korken mit einem Stierkopf, was Wismars Zugehörigkeit zu Mecklenburg bezeugt. 1266 änderte sich das Stadtsiegel, weil Heinrich der Pilger, der Landfürst, typisches Recht für Wismar geltend machte.

Das lübische Recht
Nach lübischen Recht sollte die Macht in der Stadt drei geteilt werden. Der Vogt sollte als Vertreter des Landesherren auftreten. Das zweite Machtorgan sollte der Rat und das dritte die Bürgerschaft sein. Nach der Wismarer Stadtgründung fanden die Handwerker ihren Platz im Rat. Mit der Einführung des lübischen Rechts verloren sie ihre Ratsfähigkeit. Der Rat stand unter der Aufsicht des Produktes und hatte die Leitung des Stadtregiments inne. Er war damit für die niedere und höhere Gerichtsbarkeit verantwortlich und erließ Willküren. Unter Willküren verstand man städtische Rechtsnormen. Erste städtische Urkunden stellten der landesherrliche Vogt und der Rat gemeinsam aus. Der Landesfürst in Wismar hatte noch immer wesentliche Rechte inne. Dazu zählten die niedere Gerichtsbarkeit, das Münzrecht und anderes. Die Stadt blieb damit von ihm abhängig.
Der Kampf gegen die Stadtherren
Um gegen die Stadtherren vorgehen zu können, schlossen sich Stätte Bürger zu Gemeinschaften zusammen. Diese Gemeinschaften nannte man Kommune. Es kam zu Kämpfen zwischen Feudalherren und dem Bürgertum innerhalb der Städte. Kommunebewegungen entstanden. Die Zielsetzungen dieser Kommune Bewegungen waren die Überwindung des feudalen Stadtregiments, den Abbau der Bindungen an den Landesherren und die Aufstellung einer eigenen städtischen Gerichtsbarkeit. Eigene Verwaltungsorgane sollten eingerichtet werden, um die Bedingungen für Handel und Handwerk zu verbessern. Ende des 13. Jahrhunderts schränkte das Wismarer Bürgertum die Macht des landesherrlichen Vogts ein. Dieser hatte ab dann nur noch eine symbolische, repräsentative Regierungsgewalt inne. Man schaffte es damals, die fürstliche Burg für 6000 lübischen Mark aufzukaufen. Dies war ein großer Erfolg gegen die feudalen Stadtherren. Zugleich wurde damit das Recht erworben diese abzureißen. Wismars Stadtrat stellte innerhalb der Stadtmauern ein Grundstück zur Verfügung, auf dem der Fürstenhof errichtet wurde. Der errichtete Fürstenhof durfte nicht befestigt sein.
Stadtmauer und Tore von Wismar
1276 errichtete man eine Stadtmauer mit Wall und Graben, um die Stadt von der landesfürstlichen Burg zu trennen. Sie befand sich ab sofort außerhalb der Stadtmauer. Die Stadtmauer war ungefähr 3,5-4 m hoch. Mauertürme und Wachhäuser verstärkten sie. Wismar hatte ab sofort fünf Stadttore: das hübsche Tor, das Mecklenburger Tor, das alt Wismartor, das Böhlertor und das große Wassertor.
Die Bevölkerung
Das älteste Stadtbuch weist nach, dass ein Großteil der ersten Einwohner der Stadt aus Mecklenburg war. Weitere kamen aus Niedersachsen, Friesland, Westfalen, Holstein und Lauenburg. In der Minderheit waren die Einwohner aus Holland, Flandern, der Altmark, der Prignitz, aus Schleswig und Dänemark. 1238 fanden sich in der Altstadt die beiden Kirchspiele St. Marien und Sand Nicolai wieder. Die Bevölkerung von Wismar stieg rapide an. Wismar Bevölkerung lag ungefähr bei 5000 Einwohnern. Das Kirchspiel wurde auch Pfarrsprengel oder Kirchsprengel genannt. Es bezeichnete eine Kirche und den Pfarrer der für diese zuständig war. Bürger in Wismar war nur, wer innerhalb der Stadtmauern ein Haus, eine Wohnbude oder ein Grundstück besaß. Wer Bürger war, hatte das Recht unter der Verlosung der Acker teilzunehmen. Um diese zu nutzen musste eine Pacht gezahlt werden, die pro Ackerlos 1 lybische Mark betrug. Ackerbauern, die auch Bauer Leute genannt wurden und einen privaten Grundbesitz hatten, mussten die Bede zahlen, eine Grundsteuer. Bürger und Einwohner entrichteten den Schoß, die Vermögensteuer. Später kam die Akzise, eine Verbrauchssteuer dazu. Sie wurde auf bestimmte Lebensmittel und Güter gelegt.
Die Gebäude
Die Häuser Wismars bestanden aus Holz. Wohnhäuser errichtete man aus Holzverband mit Lehmwänden. Einige wenige Häuser waren aus Stein. 1267 gab es einen Großbrand in der Stadt, der über die Hälfte der Wohnhäuser vernichtete. Danach begann man Wohnhäuser aus Backsteinen zu bauen. Die Gebäude wurden als Häuser, Buden und Wohnkeller bezeichnet. Die Häuser waren so konstruiert, dass sie ein Obergeschoss und einen Giebel hatten. Buden bestanden nur aus einem Erdgeschoss. Unmittelbar an der Stadt wurde im Auftrag von Fürst Johann von Mecklenburg eine Burg, auf dem Weberkamp, errichtet. Die Stadtmauer bestand aus Pfahlwerk, mit Wall und Graben.
Die Wirtschaftsgrundlage der Stadt
Wismar liegt geographisch am südöstlichen Ende eines tief mehr Einschnittes, der Mecklenburger Bucht. Dadurch wurde der Seehandel begünstigt. Die Stadt lag in der Nähe alter Handelsstraßen und stellte damit eine gute Verbindung zu anderen Handelszentren her. Wismar entwickelte sich von Anfang an als Fernhandels- und Exportstadt. Gehandelt wurden Salz, Getreide, Wolle, Wollstoffe (Feinlaken), Leinwand, Fische, Häute und Pelze. Der dänische König verlieh der Stadt Wismar im Handel die gleichen Privilegien wie Lübeck. Die Stadt erhielt weitere Privilegien von den mecklenburgischen Landesfürsten und anderen Städten. Handel und gewerbliche Produktion wurden dadurch gefördert. Die Haupthandelsrichtungen Wismars waren England, Norwegen, Flandern, Dänemark, Schonen, preußische und niederländische Städte und Hefen. Wismars Markt erweiterte sich zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert, in dem es Dörfer und Höfe aus unmittelbarer Umgebung aufkaufte.
Quellen:
Lisch, Georg Christian Friedich: Geschichte der früstlichen Residenz-Schlösser zu Wismar, Schwerin und Gadebusch. In: Jahrbücher des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Alterthumskunde. Schwerin 1840.
Kühnel, Paul: Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg. In: Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 46, 1881.
Rat der Stadt Wismar (Hrsg.): Wismar 1229-1979. Beiträge zur Geschichte einer Stadt. Rostock 1979.
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Historischer Kontext
Wismar wurde während der Feudalzeit gegründet. Aufgrund der Besiedelung deutscher Volksstämme entstand das deutsche Volk und daraus ein deutscher Feudalstaat. Während dieser Zeit wurden zahlreiche Städte gegründet. In ihnen etablierte sich in das Städtebürgertum. Im deutschen Feudalstaat regierten weltliche und geistliche Feudalherren. Jeder strebte nach Macht, weshalb es eine Zeit der Eroberungskriege war. Die deutschen Feudalherren führten Krieg gegen Nachbarvölker, allem voran die slawischen Stämme. Diese hatten ihre Gebiete zwischen Elbe, Saale und Oder. Die Expansion nach Osten ließ sich von ihnen nicht aufhalten. Das deutsche Volk eroberte das Gebiet, wobei es sich die slawischen Stämme einverleibte.
Obodriten und Slawen
Während dieser Zeit wurde die Stadt Wismar um die Mitte des zwölften Jahrhunderts gegründet. Deutsche Feudalherren, ihre Bediensteten, Bauern, Handwerker und Kaufleute besiedelten die nordwestslawischen Gebiete. Früher hatten dort die Obodriten gelebt. Die Ostexpansion des deutschen Volkes und innere Machtkämpfe während der Entstehung des Obodritenstaates, zerstörten viele slawische Siedlungen. Die slawische Bevölkerung wurde entweder getötet oder vertrieben. Damit der slawische Adel seine Machtposition behaupten konnte, verbündete dieser sich mit deutschen Feudalherren. Sie veranlassten die Einwanderung deutscher Bauern, sowie Förderung und Niederlassung der Handwerker und Kaufleute. 1178-1227 herrschte Fürst Borwin, unter dessen Herrschaft ein feudaler Territorialstaat der Obodriten entstand. Dieser gliederte sich in Vogteien, sowie verschiedene Burganlagen, die das Land sicherten. Als Landesfürst förderte er die Gründung von Klöstern, Dörfern und Städten. Die Entstehung Wismar ist deshalb Großteils ihm zu verdanken.
Die Stadtgründung
Die Stadt Wismar wurde zwischen 1226 und 1229 gegründet. 1229 wird Wismar erstmals in einer Urkunde erwähnt. Die Namensgebung erfolgte nach dem Bach aqua wissemara. Dieser mündete östlich der Stadt in die Ostsee. Benannt wurde die Stadt nach Altwismar, welches dem Ursprungsnamen Ort des Vysěmêr oder Visemêr entstammte. Der Name entwickelte sich 1167 weiter zu Wissemara aqua, was soviel bedeutete wie Aue bei Wismar. In portu, qui Wisemer dicitur ist hinweisend auf die Namensgebung: „Im Hafen, der angeblich Wisemer genannt wird“. 1229 war der Name noch Wyssemaria. Er entwickelte sich 1230 zu Wissemaria weiter. 1237 bis 1246 lässt sich der Name Wismaria nachweisen. 1250 entwickelte sich der Name zu stad to der Wissemare weiter.
In Paul Kühnels Text über slawische Ortsnahmen in Mecklenburg findet sich folgender Eintrag:
Alt=Wismar (Mühle, O), 1260, 1266 antiqua Wismaria, "Ort des Vysěmêr oder Visemêr", davon Wissemara aqua 1167 (Aue bei Wismar), in portu, qui Wisemer dicitur 1171 (altsl. vysŭ hoch, vyšij höher P, čech. vyšemir, poln. wyszemierz, oder vĭsĭ all P, s. vsemir) adj. poss. §. 17: (Bach) des Vyšemêr oder Visemêr .
Wismar, Stadt (deutsche Gründung im W. des Mühlbachs), 1229 Wyssemaria, 1230 Wissemaria, 1237, 1246 Wismaria, 1250 stad to der Wissemare, nach Alt=Wismar benannt.

Die Stadt Wismar
Die Stadt Wismar gründete sich um vorhandene Siedlungen. Eine davon war das Dorf Altwismar. Das Dorf lag 1 km östlich vom Marktplatz und war eine Kaufmannssiedlung. Sie befand sich dort, wo die heutige Nicolaikirche steht. Die Stadt wurde nach einem Plan gebaut, was an der Straßenführung erkennbar ist. Der Marktplatz hatte früher eine größere Fläche als 1 ha. Ursprünglich grenzte er an das Schiff der Marienkirche. Er war Zentrum von Handel und Verkehr. 1238 musste die Stadt westlich der Altstadt erweitert werden. Bis 1250 wurde eine Neustadt errichtet. Die Fläche weitete sich bis auf das heutige St. Georgen aus. Die Entstehung des mittelalterlichen Stadtkernes fand ihr Ende. Der Herrschaftssitz vom mecklenburgischen Fürsten befand sich auf dem Weberkamp. Von der Lagebestimmung erstreckte sich der Weberkamp vom altwismarschen Tor bis zum Mecklenburger Tor hin. Dorthin verlegte der Fürst 1257 seinen herrschaftlichen Sitz, da Wismar stark an Bedeutung gewonnen hatte. Dieser befand sich innerhalb der Stadtmauern. Das Fürstentum Mecklenburg bestand aus nordwestlichen Teilen des späteren Herzogtums Mecklenburg-Schwerin. 1358 verlor Wismar seine Stellung als fürstliche Residenzstadt. Um seine Handelsstärke weiter auszubauen kaufte Wismar Höfe und Dörfer in unmittelbarer Umgebung auf. 1260 erwarb Wismar die Stadt Vinekendorf, sowie das Haftfeld, das vor dem Poeler Tor liegt. 1266 kam Liepz dazu, was Wiesen und Weiden des Hafens vergrößerte. 1277 gesellte sich Dorstellen vor dem Altswismartor dazu. 1279 erweiterte Dargetzow das Stadtgebiet. 1300 wurden Krukow, die Köppernitzmühle, die Mühle vor dem Altwismartor und der Mühlenteich zu städtischem Besitz. 1379 kaufte Wismar die Stadt Cismerstorp, die vor dem Poeler Tor lag. Dabei handelt es sich um das heutige Müggenburg. 1383 ergänzten der Hof und das Dorf Cessin vor dem Mecklenburger Tor das Stadtgebiet. Die städtische Feldmark teilte man in ackerlose auf. Die Acker wurden unter den Bürgern verlost.
Das Stadtsiegel
Das älteste Stadtsiegel ist aus dem Jahre 1256. Ein weiteres entstammt dem Jahre 1354. Abgebildet sind Korken mit einem Stierkopf, was Wismars Zugehörigkeit zu Mecklenburg bezeugt. 1266 änderte sich das Stadtsiegel, weil Heinrich der Pilger, der Landfürst, typisches Recht für Wismar geltend machte.

Das lübische Recht
Nach lübischen Recht sollte die Macht in der Stadt drei geteilt werden. Der Vogt sollte als Vertreter des Landesherren auftreten. Das zweite Machtorgan sollte der Rat und das dritte die Bürgerschaft sein. Nach der Wismarer Stadtgründung fanden die Handwerker ihren Platz im Rat. Mit der Einführung des lübischen Rechts verloren sie ihre Ratsfähigkeit. Der Rat stand unter der Aufsicht des Produktes und hatte die Leitung des Stadtregiments inne. Er war damit für die niedere und höhere Gerichtsbarkeit verantwortlich und erließ Willküren. Unter Willküren verstand man städtische Rechtsnormen. Erste städtische Urkunden stellten der landesherrliche Vogt und der Rat gemeinsam aus. Der Landesfürst in Wismar hatte noch immer wesentliche Rechte inne. Dazu zählten die niedere Gerichtsbarkeit, das Münzrecht und anderes. Die Stadt blieb damit von ihm abhängig.
Der Kampf gegen die Stadtherren
Um gegen die Stadtherren vorgehen zu können, schlossen sich Stätte Bürger zu Gemeinschaften zusammen. Diese Gemeinschaften nannte man Kommune. Es kam zu Kämpfen zwischen Feudalherren und dem Bürgertum innerhalb der Städte. Kommunebewegungen entstanden. Die Zielsetzungen dieser Kommune Bewegungen waren die Überwindung des feudalen Stadtregiments, den Abbau der Bindungen an den Landesherren und die Aufstellung einer eigenen städtischen Gerichtsbarkeit. Eigene Verwaltungsorgane sollten eingerichtet werden, um die Bedingungen für Handel und Handwerk zu verbessern. Ende des 13. Jahrhunderts schränkte das Wismarer Bürgertum die Macht des landesherrlichen Vogts ein. Dieser hatte ab dann nur noch eine symbolische, repräsentative Regierungsgewalt inne. Man schaffte es damals, die fürstliche Burg für 6000 lübischen Mark aufzukaufen. Dies war ein großer Erfolg gegen die feudalen Stadtherren. Zugleich wurde damit das Recht erworben diese abzureißen. Wismars Stadtrat stellte innerhalb der Stadtmauern ein Grundstück zur Verfügung, auf dem der Fürstenhof errichtet wurde. Der errichtete Fürstenhof durfte nicht befestigt sein.
Stadtmauer und Tore von Wismar
1276 errichtete man eine Stadtmauer mit Wall und Graben, um die Stadt von der landesfürstlichen Burg zu trennen. Sie befand sich ab sofort außerhalb der Stadtmauer. Die Stadtmauer war ungefähr 3,5-4 m hoch. Mauertürme und Wachhäuser verstärkten sie. Wismar hatte ab sofort fünf Stadttore: das hübsche Tor, das Mecklenburger Tor, das alt Wismartor, das Böhlertor und das große Wassertor.
Die Bevölkerung
Das älteste Stadtbuch weist nach, dass ein Großteil der ersten Einwohner der Stadt aus Mecklenburg war. Weitere kamen aus Niedersachsen, Friesland, Westfalen, Holstein und Lauenburg. In der Minderheit waren die Einwohner aus Holland, Flandern, der Altmark, der Prignitz, aus Schleswig und Dänemark. 1238 fanden sich in der Altstadt die beiden Kirchspiele St. Marien und Sand Nicolai wieder. Die Bevölkerung von Wismar stieg rapide an. Wismar Bevölkerung lag ungefähr bei 5000 Einwohnern. Das Kirchspiel wurde auch Pfarrsprengel oder Kirchsprengel genannt. Es bezeichnete eine Kirche und den Pfarrer der für diese zuständig war. Bürger in Wismar war nur, wer innerhalb der Stadtmauern ein Haus, eine Wohnbude oder ein Grundstück besaß. Wer Bürger war, hatte das Recht unter der Verlosung der Acker teilzunehmen. Um diese zu nutzen musste eine Pacht gezahlt werden, die pro Ackerlos 1 lybische Mark betrug. Ackerbauern, die auch Bauer Leute genannt wurden und einen privaten Grundbesitz hatten, mussten die Bede zahlen, eine Grundsteuer. Bürger und Einwohner entrichteten den Schoß, die Vermögensteuer. Später kam die Akzise, eine Verbrauchssteuer dazu. Sie wurde auf bestimmte Lebensmittel und Güter gelegt.
Die Gebäude
Die Häuser Wismars bestanden aus Holz. Wohnhäuser errichtete man aus Holzverband mit Lehmwänden. Einige wenige Häuser waren aus Stein. 1267 gab es einen Großbrand in der Stadt, der über die Hälfte der Wohnhäuser vernichtete. Danach begann man Wohnhäuser aus Backsteinen zu bauen. Die Gebäude wurden als Häuser, Buden und Wohnkeller bezeichnet. Die Häuser waren so konstruiert, dass sie ein Obergeschoss und einen Giebel hatten. Buden bestanden nur aus einem Erdgeschoss. Unmittelbar an der Stadt wurde im Auftrag von Fürst Johann von Mecklenburg eine Burg, auf dem Weberkamp, errichtet. Die Stadtmauer bestand aus Pfahlwerk, mit Wall und Graben.
Die Wirtschaftsgrundlage der Stadt
Wismar liegt geographisch am südöstlichen Ende eines tief mehr Einschnittes, der Mecklenburger Bucht. Dadurch wurde der Seehandel begünstigt. Die Stadt lag in der Nähe alter Handelsstraßen und stellte damit eine gute Verbindung zu anderen Handelszentren her. Wismar entwickelte sich von Anfang an als Fernhandels- und Exportstadt. Gehandelt wurden Salz, Getreide, Wolle, Wollstoffe (Feinlaken), Leinwand, Fische, Häute und Pelze. Der dänische König verlieh der Stadt Wismar im Handel die gleichen Privilegien wie Lübeck. Die Stadt erhielt weitere Privilegien von den mecklenburgischen Landesfürsten und anderen Städten. Handel und gewerbliche Produktion wurden dadurch gefördert. Die Haupthandelsrichtungen Wismars waren England, Norwegen, Flandern, Dänemark, Schonen, preußische und niederländische Städte und Hefen. Wismars Markt erweiterte sich zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert, in dem es Dörfer und Höfe aus unmittelbarer Umgebung aufkaufte.
Quellen:
Lisch, Georg Christian Friedich: Geschichte der früstlichen Residenz-Schlösser zu Wismar, Schwerin und Gadebusch. In: Jahrbücher des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Alterthumskunde. Schwerin 1840.
Kühnel, Paul: Die slavischen Ortsnamen in Meklenburg. In: Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 46, 1881.
Rat der Stadt Wismar (Hrsg.): Wismar 1229-1979. Beiträge zur Geschichte einer Stadt. Rostock 1979.
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Claudia Wendt
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