Christina Schott

Journalistin, Südostasien-Analystin, Berlin

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Angela Merkel: Das Naturschauspiel

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Grönland, August 2007: Die Bundeskanzlerin vor einem schmelzenden Gletscher © Michael Kappeler/AP/dpa

Die Zeit, Dossier 1.11.2017 

Auf internationaler Bühne präsentiert sich Angela Merkel als Kämpferin gegen die Erderwärmung. Sie hält mahnende Ansprachen und schließt globale Abkommen. Warum verfehlt Deutschland trotzdem seine Klimaziele? Auf den Spuren einer scheinheiligen Politik  

Von Lea Frehse, Fritz Habekuß, Hilja Müller, Petra Pinzler, Christina Schott, Claas Tatje und Wolfgang Uchatius 

An einem Tag im August fliegt Donald Trump in den Schnee, um Theater zu spielen. In Grönland steigt er in einen Hubschrauber und schwebt über die Gletscher. Die Fotografen machen Bilder: Trump im roten Anorak vor weißer Weite. Trump auf einem Felsen sitzend, mit nachdenklichem Gesicht, hinter ihm jahrtausendealtes Eis. Trump mit einem Chor aus Inuit-Kindern, die ihm ein Ständchen singen.

Dann, Teil zwei der Aufführung, spricht Trump besorgte Sätze in Mikrofone. Er sagt:

"Das muss man selbst gesehen haben."

"Wir müssen sichtbar machen, was in unserer Natur passiert."

"Ich glaube, dass vor uns für die Bekämpfung des Klimawandels entscheidende Jahre liegen."

Anschließend fliegt Trump nach Hause und macht weiter Politik, als wäre nichts gewesen. Er unterstützt die Kohleindustrie. Er hilft der Autoindustrie. Er fördert die Massentierhaltung.

Auf Klimakonferenzen und Wirtschaftsgipfeln aber spricht er weiterhin von den Gefahren der Erderwärmung. Und die Welt scheint nicht zu bemerken, dass das alles nur ein Schauspiel ist. Im Gegenteil, rund um den Globus gilt Trump als großer Umweltschützer. Die Leute nennen ihn den "Klimapräsidenten".

Frage: Was an dieser Geschichte ist falsch?

Antwort: fast nichts.

Die Gletscher gibt es wirklich. Einer heißt auf Grönländisch Sermeq Kujalleq, südlicher Gletscher, von ihm brach vermutlich einst der Eisberg ab, mit dem die Titanic kollidierte. Jetzt schrumpft er. Innerhalb von zehn Jahren hat der Sermeq Kujalleq nach Berechnungen von Wissenschaftlern so viel Eis verloren, dass allein dadurch der Meeresspiegel im Durchschnitt um rund einen Millimeter anstieg, in Indien, in Brasilien, an der Nordseeküste.

An der Geschichte stimmt auch, dass eine der bedeutendsten Politiker-Persönlichkeiten der Welt über das schmelzende Grönlandeis lief und dort einen roten Anorak trug. Der Kinderchor hat tatsächlich gesungen. Die Fotografen haben Bilder geschossen. Auch die zitierten Sätze sind alle so gefallen.

Nur war es nicht der amerikanische Präsident Donald Trump, der sie ausgesprochen hat.

Es war die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Im August 2007 reiste sie nach Grönland. Sie ist es, die damals Theater spielte - und die ihre Aufführung bis heute fortsetzt.

In der kommenden Woche beginnt in Bonn die 23. Weltklimakonferenz. Dank ihrer Auftritte bei solchen Zusammenkünften gilt Angela Merkel als "Klimakanzlerin". Und die Erde hat eine Retterin dringend nötig. Vor wenigen Tagen wurde bekannt: Nie in den vergangenen 800.000 Jahren war die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre so hoch wie heute.

In Wirklichkeit aber, das wird dieser Artikel zu belegen versuchen, betreibt Angela Merkel eine klimafeindliche Politik.


Lesen Sie bitte weiter unter: http://www.zeit.de/2017/45/angela-merkel-erderwaermung-klimawandel-klimaziele




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