Die Hexe von Granada

von Ave Aventin

Die Hexe von Granada
Sage aus Spanien - Fantastische Erzählung - Andalusien
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Vor vielen, vielen Jahren lebte in Granada auf dem Nikolausplatz eine Hexe. Und jeden Abend, bevor sie das Haus verließ, schmierte sie sich mehrere Salben auf Arme und Beine und sagte: »Fort, fort, ohne Gott und die Jungfrau Maria«, und dann flog sie durch das Dach ihres Hauses und weiter durch ganz Granada.


Einmal hatte diese Hexe nun einen Lehrling, der auch die Hexenkunst erlernen wollte. Eines Abends bemerkte dieser, wie sich die Hexe gerade mit Salben einschmierte und sagte: »Fort, fort, ohne Gott und die Jungfrau Maria«, und durch das Dachfenster fort flog. Als die Hexe sodann fort war, dachte sich der Lehrling: »Das will ich auch machen; ich will auch fliegen können!« Nun gut; er ging also hin und nahm von den Salben, schmierte sich damit Arme und Beine ein und sagte: »Fort, fort, mit Gott und der Jungfrau Maria.« Und - das versteht sich von selbst - da er den Spruch nicht richtig gesagt hatte, begann er unentwegt gegen das Dach zu prallen, aber wegfliegen konnte er nicht. Als die Hexe schließlich wieder nach Hause kam und sie ihren Lehrling schon ganz demoliert vorfand, hob sie sogleich den Zauberspruch auf, verpasste dem Lehrling aber noch zusätzlich eine große Tracht Prügel.


Als dieselbe Hexe einmal bei anderen Leuten zu Besuch war und da niemand wusste, dass sie eine Hexe war, fing man dort gesprächsweise an, im allgemeinen von Hexen zu reden. Auch der Pfarrer von der Nikolauskirche war dort und dieser behauptete, dass es gar keine Hexen gäbe, dies alles Hirngespinste seien und er selbst schon gar nicht daran glauben würde. Da dachte sich die Hexe, die sich das Gespräch stillschweigend angehört hatte: »Nun hört nur an, der glaubt nicht an Hexen! Dann werde ihm aber heute Nacht mal zeigen, dass es sie wirklich gibt.« Und als sich dann am Abend zum Pfarrhaus flog, der Pfarrer hatte sich bereits schlafen gelegt, hohlte sie Herrn Hochwürden von seinem Bett und nahm ihn zu einem kleinen Hexen-Flug mit. Sie flog mit ihm, weil es so schön war, gleich mehrmals von der Nikolauskirche zum Wachturm und vom Wachturm wieder zur Nikolauskirche.


Als sie dann den Pfarrer wieder ins Bett legte, merkte sie erst, dass dieser vor lauter Schrecken bereits nicht mehr lebte.


Da war der Pfarrer wohl lieber gestorben, als dass er nicht Recht gehabt hätte!


Die Hexe von Granada - Sage aus Spanien



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