Duellanten
von Ave Aventin

Vom Kampf um Leben und Tod und S(ch)ein und Ehre
Duell WaffeDas Duell, jene inzwischen glücklicherweise aus der Mode gekommene Form des Zweikampfes, zu dem sich die Beteiligten oftmals im Morgengrauen trafen und in dem es vor allem um die Verteidigung der Ehre ging, war entgegen gängiger Meinung keineswegs nur eine Gewohnheit des Adels oder reaktionärer Offiziere. Vor allem in Deutschland griff diese Art der Konfliktbewältigung im 19. Jahrhundert zunehmend auch auf bürgerliche Kreise über, gehörte geradezu zum guten Ton und war erheblich verbreiteter als bisher angenommen.
Auch der Arbeiterführer Ferdinand Lassalle, der dabei ums Leben kam, sowie andere Intellektuelle wie Heinrich Heine, Wilhelm von Humboldt oder Max Weber ließen sich auf diesen 'martialischen Ritus' ein. Vereinzelt fanden Duelle auch noch nach dem Ersten Weltkrieg statt. Im letzten bekannt gewordenen Duell standen sich 1937 der Militärreporter des Völkischen Beobachters, Roland Strunk, und der Adjutant des NS-Reichsjungendführers, Baldur von Schirach, gegenüber, die sich wegen Strunks Frau in die Haare geraten waren.
Entstanden ist dieses 'Männerritual' im 16. Jahrhundert auf der iberischen Halbinsel. Dort waren Grafen, Herzöge und andere Adelige dazu übergegangen, Ehrenhändel mit blanker Klinge im Zweikampf auszutragen, was damals im Vergleich zur mittelalterlichen "Fehde", bei der auch das bürgerliche, bäuerliche und Hörigen Umfeld in grausame Mitleidenschaft gezogen wurde, doch ein wesentlicher "Fortschritt" war. Schnell breitete sich diese Sitte europaweit aus. Im 19. Jahrhundert, als zunehmend auch Beamte, Kaufleute und Reserveoffiziere sich zu duellieren begannen, taten sie dies nicht mehr nur mit dem Säbel, sondern zunehmend auch mit Pistolen. Über die Wahl der Waffen entschied die Art des Konflikts. Bei leichteren Ehrverletzungen zog man gewöhnlich den Säbel vor. Bei schweren Beleidigungen, etwa einer öffentlichen Ohrfeige, wurde zu Pistolen gegriffen. Es wurde längst nicht mehr – wie in den Entstehungszeiten des Duells – immer nur um Ehebruch duelliert, oft schon führte eine unbedacht hingeworfene Bemerkung, ein schiefer Blick oder ein kritischer Zeitungsartikel zu einem Kugelwechsel im Morgengrauen. Es ging dabei keineswegs um Rache, vielmehr galt es zu beweisen, dass man die Ehre höher einschätzte als das eigene Leben.
Die Bedingungen und Details der Duelle wurden von den Sekundanten der Hauptakteure ausgehandelt, wie zum Beispiel die Anzahl der Schusswechsel oder die Entfernung der Schützen. Doch es kam auch vor, dass ein Duell bis zur 'Kampfunfähigkeit' fortgesetzt wurde, was aber auch nicht immer den Tod eines der Duellanten bedeuten musste. Dennoch bestand durchaus die Gefahr, im Duell getötet zu werden.
Im 20. Jahrhundert kam das Duell allmählich aus der Mode. Die perfektionierte Waffentechnologie nahm dem Kampf 'Mann gegen Mann' den letzten Rest von Scheinromantik.
Duellanten – Vom Kampf um Leben und Tod und S(ch)ein und Ehre
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Ave Aventin
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