Dortmunder Philharmoniker begeistern mit Rachmaninow
von Andreas Schröter

Gemälde Die Toteninsel von Arnold Böcklin in seiner Urversion.
Die Dortmunder Philharmoniker setzen ihren Rachmaninow-Flirt fort. Und nachdem in den vergangenen Spielzeiten CDs von Konzerten mit Werken des russischen Komponisten (1873-1943) eingespielt worden waren, standen auch beim 5. Philharmonischen Konzert wieder die Mikrofone auf der Konzerthaus-Bühne: Eine weitere CD entsteht.
Dieses 5. Philharmonische Konzert hatte unter dem Titel „klang_rausch“ ausschließlich Werke Rachmaninows auf dem Spielplan. Und ein Klangrausch war es in der Tat, was das Orchester unter dem Dirigat von GMD Gabriel Feltz am Dienstagabend entfachte. Vor allem bei den Sinfonischen Tänzen nach der Pause, die der Komponist als letztes Werk 1939 im US-amerikanischen Exil komponiert hatte. Dabei meisterten die Dortmunder Philharmoniker anscheinend vollkommen mühelos Höchstschwierigkeitsgrade.
Am Ende der Tänze kehrt Rachmaninow übrigens zu einem Motiv zurück, das er bereits in seiner 1. Sinfonie (1897) verwandt hatte. Die Uraufführung dieses Werkes war ein Fiasko gewesen (möglicherweise weil Dirigent Alexander Konstantinowitsch Glasunow betrunken war). Rachmaninow erholte sich zeitlebens nicht hundertprozentig von diesem Trauma.
4. Klavierkonzert
Den Mittelteil des 5. Philharmonischen Konzertes bildete das 4. Klavierkonzert, das seltener gespielt wird als Rachmaninows anderen Klavierkonzerte – vor allem weil es gar nicht so viele Pianisten gibt, die das in ihrem Repertoire haben. Alexander Krichel (geboren 1989 in Hamburg), der Solist des Abends, hatte es im Repertoire – und wie: Er ging auch körperlich derart mit der Musik, dass er zeitweise zentimeterhoch von seinem Schemel abhob. Es machte Spaß, einem derartigen Enthusiasmus zuzuschauen. Krichel spielte als Zugabe ein sehr einfühlsames selbst komponiertes Werk, das er einem Freund gewidmet hatte. Sehr gelungen!
Die Toteninsel
Am Anfang stand „Die Toteninsel“, ein Werk, das Rachmaninow komponiert hatte, nachdem er 1907 eine Schwarz-Weiß-Kopie des gleichnamigen Bildes von Arnold Böcklin gesehen hatte. Diese Musik beginnt und endet düster und ist zwischendurch voller Leben.
Insgesamt war es ein Konzert, das begeisterte: wegen der tollen Musik und wegen der Art und Weise, wie die Philharmoniker plus Gast-Pianist Alexander Krichel sie darboten. Von daher lässt sich aus heutiger Sicht kaum nachvollziehen, warum Richard Strauss diese Musik einst als „gefühlvolle Jauche“ bezeichnet hatte und sich Rachmaninow generell häufig dem Vorwurf des Kitsches ausgesetzt sah. Und der Dirigent George Szell sagte nach der Aufführung des 3. Klavierkonzerts einmal „So viele Noten? Wozu …?“
Andreas Schröter
Dortmunder Philharmoniker
www.theaterdo.de
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Andreas Schröter
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