Einwegplastik-Verbot: Ursachen und Entwicklung

von Tsvetiana Petalareva

Einwegplastik-Verbot: Ursachen und Entwicklung

Ab 2021 verbietet die Europäische Union Einwegprodukte aus Kunststoff. Wie kommt es dazu und wie werden die europäischen Vorgaben in Österreich umgesetzt?

Im Jahr 1937 erfand der Chemiker Wallace Hume Carothers das Nylon. Vierzig Jahre später entwickelte der Forscher Nathaniel Wyeth die Plastikflasche. Im Jahr 2019 verendete ein Wal am Strand im Nordsardinien mit 22 Kilogramm Plastik im Magen. Solche Fälle sind heutzutage leider keine Seltenheit. Denn, wie der berühmte Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau sagte, „Wasser und Luft, die beiden essentiellen Flüssigkeiten, von denen das Leben abhängt, sind zu globalen Mülltonnen geworden“.

aut einer Studie von UNEP landen jährlich über 4,8 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle in den Ozean. Einmal im Wasser angekommen, kann der Plastikmüll schwerwiegende Folgen für die Tiere haben. Den Angaben des PLASTIKATLAS 2019 zufolge ist jeder dritte verletzte oder tote Basstölpel in Plastik verstrickt. Ein Großteil der Tiere verwechseln das Plastik mit natürlicher Nahrung: Bei 95 Prozent der Eissturmvögel, die an den Strängen der Nordsee verenden, wird Plastik im Magen gefunden.

Doch nicht nur das Tierleben wird dadurch beeinträchtigt. Die Kunststoffabfälle können sich auch in unserem Trink- und Grundwasser ansammeln. Wissenschaftler der University of Newcastle in Australien haben bereits nachgewiesen, dass Menschen bis zu 2000 Plastikteilchen wöchentlich aufnehmen.

Kein Einwegplastik ab 2021

Dieses Umweltproblem gab 2018 Anlass zu einer europäischen Strategie: Ab 2021 sind Einwegprodukten aus Plastik in der EU verboten. Als erstes werden alle Einwegkunststoffprodukte vom Markt genommen, für die es bereits nachhaltige Alternativen gibt. Dazu zählen Wattestäbchen, Besteck, Teller, Trinkhalme, Rührstäbchen und Luftballonstäbe aus Kunststoff.

Die EU-Richtlinie sieht außerdem vor, dass bis 2029 90 Prozent der Plastikflaschen getrennt gesammelt und recycelt werden müssen. Die Neuregelung gibt noch Vorgaben für die Hersteller: Sie werden verpflichtet, die Kosten für die Reinigungsaktionen zu übernehmen.

Pfandsystem zur Erfüllung der EU-Vorgaben

In mehreren europäischen Ländern wurden bereits Maßnahmen zur Erfüllung der EU-Vorgaben unternommen. Deutschland gilt als ein gutes Beispiel dafür: Seit 2003 verfügt die Bundesrepublik über ein Pfandsystem für Einweg-Getränkeflaschen und erreicht dadurch eine Rücklaufquote von 95 Prozent. Auch Österreich macht sich auf diesen Weg. Eine Studie, die im Vorjahr von Elisabeth Köstinger (ÖVP) im Auftrag gegeben wurde, zeigt, dass erst durch Pfanderhebung oder zusätzliches Aussortieren der Flaschen aus dem Restmüll eine Quote von über 75 Prozent zu erreicht werden kann.

Doch das Pfandsystem wird in vielen Kreisen kontrovers diskutiert. Während die Umweltschutzorganisation WWF Österreich die Pfandeinhebung unterstützt, sprechen sich der Handelsverband, die Wirtschaftskammer und die Altstoff Recycling Austria AG (ARA) - Österreichs größter Abfallverwerter – für eine Beibehaltung des des Status quo aus.

Was sagt Österreich dazu?

Wichtig für die Umsetzung des kommenden EU-Verbots für Wegwerfartikel ist auch die Meinung der österreichischen Bevölkerung. Diese wurde 2019 vom Linzer Market-Institut untersucht. Die Mehrheit der Befragten zeigte eine positive Einstellung gegenüber den EU-Vorgaben: 60 Prozent sprechen sich für das ab 2021 geltende EU-Verbot für Wegwerfartikel aus und drei Viertel wünschen sich die Einführung von Pfand auf Plastikflaschen.

Die österreichische Gesellschaft hat bereits hohe Verantwortung im Kampf gegen die Umweltverschmutzung gezeigt: Das Marktforschungsinstitut kam im Vorjahr zum Schluss, dass acht von zehn Österreichern ein Stoffsackerl beim Einkaufen nehmen. Seit 1. Jänner 2020 werden keine Einweg-Plastiksackerl in Österreich verkauft.

 

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Mag. Tsvetiana Petalareva

Journalismus- und Kommunikationsexpertin mit redaktioneller Erfahrung in den Themenbereichen Gesellschaft, Kultur, Nachhaltigkeit und Technologie. Erfahrene Bloggerin.