Zur Rettung der Monster!

von Oliver Burgard

Zur Rettung der Monster!
Eine Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum feiert die brutalistischen Betonbauten. Der klotzige Stil erlebt ein Comeback.


Schroffe Kanten, nackte Fassaden, wenig Farbe – an den Betonbauten des 20. Jahrhunderts scheiden sich die Geister. Die einen finden sie zu klotzig, zu groß oder einfach nur hässlich. Die anderen sind beeindruckt von den klaren Formen, von der Schwere des Materials und den oft riesigen Dimensionen. Seit einiger Zeit erlebt der klotzige Stil ein Comeback – Fotografen zeigen brutalistische Architektur in neuen Bildbänden, und in den sozialen Medien markieren Fans ihre Lieblingsbauten mit den Hashtags #Betonperle und #Betonmonster.

Einen internationalen Überblick vermittelt eine Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main. Unter dem Titel „SOS Brutalismus – Rettet die Betonmonster!“ zeigt das Museum auf Schautafeln und anhand großer Kartonmodelle die Entwicklung der Betonarchitektur, erläutert ihre typischen Merkmale und zeichnet ihre internationale Entwicklung zwischen 1953 und 1979 nach.

Außerdem schafft die Ausstellung ein weit verbreitetes Missverständnis aus der Welt: Der Begriff Brutalismus hat nichts mit Gewalt oder Brutalität zu tun, sondern er leitet sich vom französischen Wort „brut“ ab, zu Deutsch: direkt, herb, roh. Zur Veranschaulichung präsentieren die Ausstellungsmacher neben den Architekturexponaten eine Flasche Champagner mit der Aufschrift „brut“.

Der Titel der Ausstellung „Rettet die Betonmonster!“ ist ein ernst gemeinter Hilferuf, denn viele Gebäude sind verfallen und vom Abriss bedroht. Dies zu verhindern ist das Ziel einer Initiative, die in der Onlinedatenbank www.sosbrutalism.org den Zustand der Bauwerke dokumentiert.

Hinter dem Projekt stehen das Deutsche Architekturmuseum, die Wüstenrot Stiftung, das Magazin uncube und Architekturfreunde, die das Projekt in den sozialen Medien begleiten und vorantreiben. Schon vor zwei Jahren wurde der Hashtag #SOSBrutalism etabliert, um Informationen zu teilen.

Mit großem Erfolg: Mehr als 1.000 Gebäude wurden bisher in der Brutalismus-Datenbank erfasst – auch die Wohnanlage Habitat 67 aus dem kanadischen Montreal, die wegen ihrer verschachtelten Struktur als originelles Beispiel des brutalistischen Stils gilt.


Quelle: taz.de

Zum Original

Porträt von Oliver Burgard

Oliver Burgard

Berlin

Zur Person

Oliver Burgard

  • wissenschaftsjournalismus
  • corporate publishing
  • redaktion
  • onlinejournalismus
  • magazinjournalismus
  • redaktionsleitung
  • ghostwriter
  • auslandsreportage
  • sachbuch-autor
  • reiseberichte

Kurzvita

Geboren und aufgewachsen im ostwestfälischen Paderborn, Studium der Geschichte, Publizistik und Wirtschaftspolitik in Münster (WWU) und Paris (Sciences Po).
Promotion zum Dr. Phil. an der FU Berlin mit einer Arbeit über europäische Integrationsprojekte der 1920er Jahre (1999). Eine Kurzfassung der Dissertation war seine erste größere Story in der Wochenzeitung Die Zeit. (Längere Auszüge übernahm später Karl-Theodor zu Guttenberg für seine "Doktorarbeit" und füllte damit fünf Seiten).
Danach als Autor und redaktioneller Mitarbeiter tätig u.a. für Die Zeit, brand eins, Geo Special, Die Welt, Welt am Sonntag, Berliner Zeitung, taz, Audio Verlag und ARD Digital.
Redakteur beim Stadtmagazin tip Berlin (2004–2013).
Chefredakteur von Der Fritz – das Magazin für Kultur und Lebensart in Brandenburg (2013–2015).
Lieblingsthemen: Wissenschaft (Tiergeschichten), Ausland, Gesellschaft.

Auftraggeber

ard-digital.de , berliner-zeitung.de , brandeins.de , der-fritz.com , geo.de , tip-berlin.de , welt.de , zeit.de

Weitere Profile

LinkedIn Twitter Xing