Farmblogging und Nachbarschaft 2.0 – Trends moderner Techniknutzung in Stadt und Land
Das Internet ist für Viele aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken, die Nutzerzahlen steigen jährlich. Die Unterschiede zwischen Stadt und Land verwischen dabei immer mehr. Der (N)Onliner Atlas 2011 verzeichnet, dass das Stadt-Land Gefälle an Nutzerzahlen immer mehr abnimmt.
In deutschen Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern sind heute 77,5 Prozent der Menschen Online. Auf dem Land, in Orten mit weniger als 5000 Einwohnern, liegt diese Quote immerhin auch schon bei 70,3 Prozent, fast 5 Prozent mehr als noch 2010.
Abgesehen von den gängigen Angeboten wie Email, Nachrichten und Social Media, die beinahe jeder nutzt, lassen sich jedoch für Stadt und Land unterschiedliche aktuelle Trends feststellen. Diese Trends - meist Gegentrends zur Globalisierung - die sehr auf Nachhaltigkeit, Regionalität und traditionelle Werte bauen, können je nach Wohnort sehr verschieden ausfallen.
Aus den USA erreicht gerade eine Welle an Farmbloggern unsere Gefilde. Die neue Landlust will auch im Internet ausgelebt werden, und so berichtet eine neue Generation von Bloggern über Gemüseanbau und Tierhaltung auf dem eigenen Bauernhof.
Hühner, Schafmilchseife und nachhaltige Landwirtschaft
Den meisten Farmbloggern ist eines gemeinsam: Sie haben ein sehr traditionelles Bild von Landwirtschaft, das auf Nachhaltigkeit fußt und hauptsächlich der Selbstversorgung dient, weit entfernt von extensiver Landwirtschaft konventioneller Agrarbetriebe. Ihnen geht es nicht um maximalen Ertrag und Massentierhaltung, sondern um einen ökologischen Umgang mit der Natur und ihren Tieren.
Die schmerzlich vermisste Beschaulichkeit ländlichen Lebens wird hier recht romantisiert wiederbelebt. Den romantisierten Farmern geht es mehr um Entsagung als um Konsum und darum, ein politisches Statement zu setzen.
Georgiafarmwoman beispielsweise erfreut sich an gutem Wetter beim Heu einfahren, am Blick ihrer Hühner, wenn sie Eier legen und an selbst entworfenen Etiketten für die selbst gemachte Schafmilchseife. All dies teilen sie und ihr Ehemann öffentlich und weltweit auf ihrem Blog. Ihre Farm ist mit knapp über 40 Hektar etwa so groß wie die Insel Mainau im Bodensee. Doch statt Blumen und seltenen Pflanzen gibt es bei ihnen Kühe, Ziegen, Hunde, Katzen, Hühner und einen Esel namens Jack.
FarmWoman und FarmMan, wie sich das Ehepaar auf seinem Blog nennt, finanzieren ihr 'back to the basics' Leben durch Viehzucht und den Verkauf von Produkten ihrer Farm, allen voran Schafmilchseife und selbst gebauten Hühnerställe.
Ihre Seite kommt gut an. Durchschnittlich 200 Blog-Besucher täglich sind eine beachtenswerte Zahl. Dazu kommen mehr als 300 Follower bei Twitter, die stets über alle aktuellen News von der Farm informiert sein wollen.
Von Social Media zu Local Media
Während FarmWoman und FarmMan nach großer Reichweite im Internet streben, bleiben moderne Location Based Services für Smartphones lieber in der eigenen Nachbarschaft. Facebook Places und Foursquare bieten schon seit einiger Zeit ortsbasierte Dienste über mobile Geräte an, die vor allem für Städter hochinteressant sind und die reale mit der virtuellen Welt verbinden.
Sogenannte 'Check-Ins' bei Places und Foursquare sind unter anderem für Geschäftsinhaber lohnend, weil sie so nachverfolgen können, wer sich wann bei ihnen aufgehalten hat. Das ermöglicht ihnen z. B. gezielt Werbung zu schalten oder Stammgästen besondere Angebote und Rabatte unterbreiten zu können.
Weg von der Business Idee eines Check In, und vielmehr hin zu einer Wiederbelebung der guten alten Nachbarschaft bewegt sich die Plattform Spreet. Viele sind über Facebook & Co. mit Freunden aus der ganzen Welt in Kontakt, wissen aber oft nicht mit wem sie in einem Haus wohnen. Genau dort setzt Spreet an.
Social Media wird zu Local Media, da auf Spreet Menschen aus der unmittelbaren Umgebung in Kontakt treten, und sich zum Laufen verabreden, mit Mehl, Eiern oder einer Bohrmaschine aushelfen, Ratschläge geben oder Dienste wie eine kleine Fahrradreparatur oder Gassi gehen mit dem Hund erfragen.
Über sogenannte Shouts erreicht man alle Nutzer der Plattform in einer beschränkten Reichweite bis 1000 Meter, und bleibt somit in seiner unmittelbaren Umgebung. Ziel der Spreet Gründer ist es, durch den kostenlosen Onlinedienst einen Offline-Mehrwert zu schaffen, indem die Nutzer Kontakte im realen Leben knüpfen, die ohne Social-Web-Services nie zustande gekommen wären.
Nachbarschaft 2.0
In Hamburg wird die Website schon fleissig genutzt, und so findet man dort Einladungen zum Kicker spielen, Angebote für Mitfahrgelegenheiten und Einträge wie „wer repariert mein Fahrrad für ein Stückchen selbstgebackenen Kuchen?“ Obwohl sich die Plattform noch in der Betaphase befindet, wird sie schon fleissig genutzt, und hat durchaus für Aufsehen in der Internetszene gesorgt. Und Spreet ist nur ein Angebot der Location Based Services Welle; viele andere Start-Ups sind schon auf den selben Zug aufgesprungen.
Insgesamt ist jedoch vor allem in den Städten der Trend hin zu ortsbasierten Angeboten in Echtzeit zu verfolgen. Für Landbewohner sind sie aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte weniger interessant. Modernes Car-Sharing, Jobangebote, Essensgutscheine, alles auf dem mobilen Endgerät.
Über QR-Codes – von Smartphones erkennbare Barcodes - kann man in manchen Ländern sogar schon Lebensmittel einkaufen, ohne in den Supermarkt gehen zu müssen. Die Produkte werden mittels weniger Clicks bequem nach Hause geliefert.
Das Potential all dieser Innovationen ist enorm, und entspricht voll und ganz dem beschleunigten Leben eines Großstädters. Farmblogger wie FarmWoman und FarmMan werden diese technischen Neuerungen zwar vielleicht zur Kenntnis nehmen, sich dem Trubel aller Voraussicht nach jedoch nicht anschließen. Schließlich gibt es Wichtigeres zu tun: Eier abnehmen, die Schafe versorgen und Diesel für den Traktor holen.
(Dossier 'Urbanität' für Allianz-Versicherungen)
Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
-
nachhaltigkeit
-
mobilität
-
elektromobilität
-
elektroauto
-
alternative mobilität
-
automobiles
Auftraggeber
Ecomento.tv , ElektroAutoMobil , Süddeutsche.de
Weitere Profile
Twitter , freischreiber.de , mingerer.com
Keine Verbindung
Verbindung wird wiederhergestellt
Etwas ist schiefgelaufen
Wir sind gleich wieder da