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Neuer Asiamarkt mitten auf der Zeil

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Wer sich mit Wengui Ye unterhält merkt schnell: Dieser Mann weiß was er tut - und er hat Freude daran. Ye ist Mitarbeiter der Orient Master GmbH, der Muttergesellschaft von „go asia". Auf seiner Visitenkarte steht „Vertreter der Gesellschafterin". Als solcher hat er an der Planung der Filiale in Frankfurt mitgearbeitet und führt jetzt durch die Regalreihen.

„Wir sind immer auf der Suche nach Neuem. Wenn in China etwas auf den Markt kommt, bringen wir es hierher." - Wengui Ye, Verantwortlicher von Orient Master

Die Produkte stammen aus China, Japan, Thailand, Indien, Malaysia, Korea. Von gelben Auberginen über Woks, Reiskocher und japanisches Essgeschirr bis zum Mondkuchen, bleibt kein Wunsch unerfüllt. „Menschen sind Gewohnheitstiere", erklärt Ye. Gewohnheitstiere? „Wer aus Asien kommt und in Frankfurt lebt, will dieselben Dinge kaufen wie zu Hause. Aber wir sind auch immer auf der Suche nach Neuem. Wenn zum Beispiel in China etwas auf den Markt kommt, bringen wir es hierher."

Rund 6000 asiatische Produkte

Das ist etwas, das „go asia" von anderen Märkten abhebt: Das Angebot wird zeitnah vor Ort eingekauft, im Kühlregal liegen Kräuter, die vor nicht einem ganzen Tag noch in Malaysia in der Erde steckten. Da ist der Frankfurter Flughafen natürlich sehr hilfreich. Die meiste Ware kommt aber per Schiff über Rotterdam.

Ye arbeitet mit wenigen Zwischenhändlern und kauft große Teile der Ware selbst ein. So kann er kurzfristiger planen, öfter Neues ausprobieren. Diese Möglichkeit wird in Frankfurt genutzt. „Wir haben rund 6000 Produkte, das sind nochmal zwei- oder dreihundert mehr als in Berlin!" Also ist die zweite Filiale noch größer als die erste. „Frankfurt ist sehr international, da lohnt es sich zu investieren. Und wir wurden sehr gut aufgenommen."

„So etwas hat in Frankfurt gefehlt. Das kenne ich sonst nur aus London und Paris." - eine Kundin von „go asia"

Das Angebot beeindruckt. Eine Kundin stimmt zu: „So etwas hat in Frankfurt gefehlt. Das kenne ich sonst nur aus London und Paris." Gelbe Zucchini, ausgefallene Chilisorten und diverse Arten von Nudeln sind ebenso im Angebot wie alkoholische Getränke, vor allem Bier und Sake. Den größten Teil des Sortiments machen aber Lebensmittel aus. Rund sechzig Prozent des Angebots sind für Mikrowelle, Backofen und Kochtopf bestimmt. Der Rest teilt sich zur Hälfte auf Getränke und Non-Food auf.

Zwischen Matcha-Schokoriegeln und Sake

Auffallend sind die vielen jungen Kunden. Eine Gruppe Teenager streift zwischen den Regalen entlang und hat sich bereits mit Matcha-Schokoriegeln eingedeckt. Ye erwartet, dass 60 bis 70 Prozent der Kundschaft unter 40 Jahren alt sein wird. Darauf hat er sich auch mit einem großen vegetarisch-veganen Angebot eingestellt. Aber natürlich sind alle Altersgruppen willkommen. Eine ältere Dame lässt sich gerade zum Gebrauch von Garkörben aus Bambus beraten. Ihr Mann nippt am gratis ausgeschenkten Sekt.

Zwischen achtzig Sorten Reis und Sake aus allen Regionen Japans hört man Sprachfetzen auf Deutsch, Hindi, Chinesisch und mindestens drei weiteren Sprachen. Das Interesse an Neuem und die Suche nach Vertrautem in der Fremde bringen Menschen zusammen. Dazu trägt auch die zentrale Lage des Marktes im Untergeschoß der Filiale der Kaufhauskette „Karstadt" mitten auf der Zeil bei.

Alteingesessene müssen sich auf Konkurrenz einstellen

Weniger erfreut dürften andere Märkte im Bahnhofsviertel und im Bereich der Töngesgasse sein. Die Neuen aus Berlin haben mit ihrem umfangreichen Angebot - laut Ye das größte in Deutschland - womöglich einen Trumpf in der Hand. Unweigerlich kommt einem die Kundin in den Sinn, die Asiamärkte wie diesen bisher nur aus Großstädten im Ausland kannte. Ob das Angebot in Frankfurt wirklich gefehlt hat oder ob einige Frankfurter es bisher nur noch nicht entdeckt hatten? Mit Sicherheit lässt sich das nicht sagen.

Dass die neue Filiale von „go asia" in Frankfurt Erfolg hat, erscheint dafür umso wahrscheinlicher. Ye hat derweil schon weitere Pläne. Er will expandieren. Hamburg, Düsseldorf, vielleicht München. Es scheint, als müssten sich auch dort die alteingesessenen Läden auf Konkurrenz einstellen.

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