Neuer Bond-Film kommt in die Kinos
von Lucia Weiß
Es ist der wohl letzte Auftritt für Daniel Craig als James Bond: "Keine Zeit zu sterben" kommt in die Kinos. Ein Anruf bei Dietmar Wunder, der deutschen Stimme von James Bond. "Einen wunderschönen guten Morgen!", sagt eine tiefe, sonore Stimme am Ende der Leitung.
Es ist der wohl letzte Auftritt für Daniel Craig als James Bond: "Keine Zeit zu sterben" kommt in die Kinos. Ein Anruf bei Dietmar Wunder, der deutschen Stimme von James Bond.
Dietmar Wunder: Er war 15 Jahre lang die deutsche Stimme von James Bond alias Daniel Craig. Quelle: imagoVon Lucia Weiß
"Einen wunderschönen guten Morgen!", sagt eine tiefe, sonore Stimme am Ende der Leitung. Das ist er doch tatsächlich, das ist James Bond, der da mit mir spricht! Aber der Anruf geht nicht irgendwo ins Vereinigte Königreich oder in ein Bond'sches Geheimquartier, sondern nach Berlin-Steglitz. Nach einem kurzen Lachen verwandelt sich Bond am Telefon zurück, und die freundliche Stimme von Dietmar Wunder kommt hervor.
Der Schauspieler und Synchronsprecher Dietmar Wunder ist seit nunmehr 15 Jahren die deutsche Stimme hinter dem britischen Geheimagenten, sozusagen die deutsche Persönlichkeit von 007 alias Daniel Craig. Der inzwischen 53 Jahre alte Craig übernahm die Rolle 2006 von Pierce Brosnan und hat jetzt seinen letzten Auftritt als Bond in "Keine Zeit zu sterben" ("No time to die"). An diesem Dienstag feiert der Film Weltpremiere in London, ab Donnerstag ist er in den deutschen Kinos zu sehen.
Wunder: Mehr als ein Traum ging in Erfüllung
Für Wunder sind James Bond und seine Abenteuer auch so etwas wie ein roter Faden in der Biographie. Schon als Junge war der heute 55-Jährige begeistert von den Filmen, Sean Connery sein großer Held, der ihn auch inspirierte, statt Optiker doch lieber Schauspieler zu werden. Bond zu synchronisieren, ist für Wunder nicht nur ein Meilenstein in der Karriere.
Der gebürtige Berliner erinnert sich noch genau, wie es war, als er nach langem Auswahlprozess den Anruf mit der Zusage für die Sprechrolle bekam. "Da stand ich auf der Straße und dann gab's den Anruf und der Produktionsleiter sagte: Dietmar, Du arbeitest jetzt für den Geheimdienst Ihrer Majestät. Und das hat mich so gefreut, da ging wirklich mehr als ein Traum in Erfüllung."
"Ein Vodka Martini!", "Geschüttelt oder gerührt?", "Seh ich so aus, als ob mich das interessiert?" - Da ist er wieder, ganz plötzlich im Gespräch, James Bond. Vor dem inneren Auge taucht sofort Daniel Craig auf, wie er in "Casino Royale" (2006) den Barkeeper abbügelt, mit einer unnahbaren Coolness, ihm kaum Aufmerksamkeit schenkt, den schwarzen Smoking mit Fliege perfekt sitzend.
Extra Sporteinheiten und Bond-Musik
Dietmar Wunder improvisiert den Mini-Dialog spontan im Gespräch. Übergangslos kann er sich in Bond verwandeln, und wer je einen der Bond-Filme mit Craig auf Deutsch geguckt hat, horcht sofort auf. An der Figur Bond schätzt Wunder nicht nur dessen stetes Bemühen, die Welt zu retten, sondern vor allem seinen trockenen Humor, die wohldosierte Süffisanz, die vor allem Daniel Craig zum Vorschein gebracht und damit Bond eine neue Dimension verliehen hat.
Übrigens war es auch genau jener kurze Schlagabtausch zu Bonds Lieblingsgetränk, der Daniel Craig einst überzeugt hat, der neue Bond zu werden.
Daniel Craig als James Bond im neuen Bond-Film 'No Time To Die' Quelle: dpaWunders Stimme transportiert die britische Distanziertheit, den Ernst und die Schlagfertigkeit, aber immer auch die eigentümliche hellwache Präsenz, die Craigs Darstellung von James Bond so prägt. Craig habe stets eine hohe Körperspannung, wenn er den Bond spiele, sagt Wunder.
Auf die Synchronisations-Arbeit bereite er sich deshalb auch immer mit extra Sporteinheiten vor. Die Bond-Filmmusik bringe ihn dann zusätzlich in die passende Stimmung.
Kein Martini mit Daniel Craig
Beim deutschen Bond-Publikum hat Wunder viele Fans und wird auch häufig erkannt, wie er erzählt. Sei es beim Kleiderkauf, beim Tanken - die Menschen hören Bond heraus, selbst wenn Wunder in seiner normalen Tonlage spricht. Ein großes Lob für den Synchronsprecher, der sich noch gut erinnert, dass es bis vor einigen Jahren in Deutschland noch nicht so viel Bewusstsein und Anerkennung für seine Branche gab.
Jetzt ist es also erstmal vorbei mit der Bond-Zeit, aber traurig sei er deswegen nicht, sagt Wunder. Schließlich wird Daniel Craig, als dessen deutsche Stimme sich Wunder beim Publikum im Ohr etabliert hat, auch weitere andere Rollen haben.
Einen persönlichen Austausch mit Daniel Craig hat es bisher übrigens noch nicht gegeben. "Einmal standen wir nebeneinander auf dem Roten Teppich und haben separat Interviews gegeben. Aber für einen Martini hat es bisher nicht gereicht", witzelt Wunder. Vielleicht hat Craig ja künftig mal ein bisschen Luft dafür, nach dem Ende der Ära Bond.
Lucia Weiß
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Lucia Weiß
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