DLF/EUROPA HEUTE 15.3.2017 Futter für Satiriker

von Kerstin Schweighöfer

DLF/EUROPA HEUTE 15.3.2017 
Futter für Satiriker

Niederländischer Wahlkampf: 


Futter für Satiriker

 

Das Satire-Video "Netherlands Second" war die Antwort des niederländischen Kabarettisten Arjen Lubach auf das Motto "America First" von US-Präsident Donald Trump. Doch auch der niederländische Populist Geert Wilders liefert ausreichend Stoff für Satiriker.


Von Kerstin Schweighöfer


"Wir brauchen keine Mauer, wir haben den Abschlussdeich – der hält uns eine Menge Wasser vom Leib – auch aus Mexiko. Wir sind auch das beste Steuerparadies auf Erden. Und wir haben die schönste rassistische Tradition der Welt - unseren Nikolausbegleiter: den zwarte Piet!”

Klarer Fall, befand Kabarettist Arjen Lubach in seinem inzwischen weltberühmten Video: "Amerika darf ruhig an erster Stelle bleiben, aber die Niederlande verdienen einen zweiten Platz!”

 

Bisher wisse die Nation nur, was Wilders ablehne

 

Natürlich gehört auch Geert Wilders zum festen Repertoire des 37-jährigen Kabarettisten – und Geert Wilders Wahlprogramm, das auf eine A4-Seite passt.

Ob dieser Mann endlich mal konkret werden könne? Bisher wisse die Nation ja nur, was er ganz konkret ablehne und dumm findet. Und das ist eine Menge:

"Alles, was mit dem Islam zu tun hat. Oder dem Establishment, zu dem auch Angela Merkel gehört”

"Gibt’s eigentlich was, was Wilders mag?” Lubach brauchte eine Zeitlang, um fündig zu werden. ”Oh ja, den beliebtesten Freizeit- und Familienpark des Landes, den Märchenpark Efteling.”

 

"Minder, minder”-Rufe von Wilders

 

Vor allem die inzwischen berühmt-berüchtigten "Minder, minder”-Rufe von Wilders sind Futter für Satiriker: Nach den Kommunalwahlen 2014 hatte Wilders seine Anhänger in einem vollbesetzten Saal gefragt, ob sie sich mehr oder weniger Marokkaner im Land wünschten. "Minder,minder!” hatte der Saal gebrüllt. "Weniger, weniger!” Worauf Wilders versprach, das zu regeln.

Auch der beliebte niederländische Rapper marokkanischer Abstammung Ali B. ging darauf ein: "Oh, wie schön - nur weiße Niederländer im Saal!”, freute er sich bei einem seiner Auftritte. "Kein einziger Marokkaner!”

Um sein Publikum dann zu fragen, ob sie sich mehr oder weniger Wilders im Land wünschten. Und versprach, dafür zu sorgen.

 

 

Parteiname PVV erinnere an PSV Eindhoven

 

Aber ist das noch zu regeln? Monatelang lag Wilders in den Umfragen ganz vorne und lieferte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem amtierenden Ministerpräsidenten Mark Rutte. Der dürfte zahlreiche Wähler an Wilders’ Freiheitspartei PVV verlieren.

Und von denen macht kaum einer noch einen Hehl daraus, dem Rechts-Außen der niederländischen Politik heute seine Stimme zu geben.

Auch Schauspieler und Kabarettist Theo van Maassen hat sich als Wilders-Wähler geoutet. Weil ihn der Parteiname PVV an seinen Lieblingsfußballclub erinnere, den PSV Eindhoven.

 

Wilders-Imitator "hat einfach alles satt"

 

Auch Imitatoren von Wilders kommen zum Zuge. Als Studiogäste. Zum Beispiel bei Kabarettist Dolf Jansen.

Auch Jansen versuchte, seinen unechten Wilders dazu zu bringen, endlich konkret zu werden. Doch der spielte sich nur als Schützer des einfachen, hart schuftenden Mannes auf. Und der habe es einfach satt.

"Was denn?” fragte Janssen.

"Alles!”

http://www.ardmediathek.de/radio/Europa-heute-Deutschlandfunk/Wahlkampf-in-den-Niederlanden-Futter-f/Deutschlandfunk/Audio-Podcast?bcastId=21601134&documentId=41480074
Porträt von Kerstin Schweighöfer

Kerstin Schweighöfer

Den Haag

Zur Person

Kerstin Schweighöfer

  • architektur
  • gesellschaft
  • kultur
  • politik
  • sterbehilfe
  • auslandsberichterstattung niederlande
  • amsterdam
  • den haag
  • antwerpen
  • gent
  • hörfunk
  • print
  • analysen
  • reportagen
  • features
  • hintergrundberichte
  • drogenpolitik
  • rembrandt
  • rubens
  • luc tuymans
  • jugoslawientribunal
  • internationale gerichtshöfe den haag
  • hochwasserschutz
  • gewässerpolitik
  • pim fortuyn
  • theo van gogh
  • design
  • dutch design
  • kulturunterschiede
  • deiche
  • rotterdam
  • kiffen
  • rotlichtbezirk
  • maxima
  • willem alexander
  • europäische königshäuser
  • icty
  • icc
  • berlinde de bruyckere
  • aalsmeer
  • tulpen
  • blumenzwiebeln
  • radfahren
  • goldenes jahrhundert
  • toleranz
  • integrationspolitik
  • einbürgerung
  • kriegsverbrecher

Kerstin Schweighöfer ist Absolventin der Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg und studierte in München und Lyon Romanistik, Politologie und Kunstgeschichte. Seit 1990 lebt sie als freie Buchautorin und Auslandskorrespondentin in den Niederlanden und arbeitet vorwiegend für die ARD-Hörfunkanstalten, Deutschlandfunk und DeutschlandradioKultur, das Nachrichtenmagazin Focus und das Kunstmagazin Art.

Neben Tulpen, Fußball, Königshaus und Oranjefieber gehören Rembrandt und progressive junge Architekten zu ihrem täglichen Brot; ausserdem gesellschaftliche Dauerbrenner wie Sterbehilfe und Drogen, Einwanderungspolitik und Rechtspopulismus, aber auch Kriegsverbrecherprozesse: Denn seit den 1990er Jahren haben sich immer mehr internationale Institutionen und Tribunale in Den Haag niedergelassen: Angefangen bei Eurojust und Europol über das UN-Büro zum Verbot chemischer Waffen und den Internationalen Gerichtshof bis hin zum Jugoslawientribunal und dem Internationalen Strafgerichtshof ICC - jenem Weltgericht, das Kriegsverbrechen in aller Welt ahnden soll und als Meilenstein in der Entwicklung des internationalen Rechts gilt.

Auftraggeber

art - das Kunstmagazin; ard-Radio; Focus; Deutschlandradio

Weitere Profile

LinkedIn