Die Kaderschmiede der royalen Supernannys

von Kerstin Schweighöfer

Die Kaderschmiede der royalen Supernannys

Der Standard 21.08.2014  

Die Kaderschmiede der royalen Supernannys

KERSTIN SCHWEIGHÖFER 21. August 2014, 10:16

In den Niederlanden erhalten potenzielle Kindermädchen für Europas Adel und reiche Familien einen vierstündigen Crashkurs


Leiden - Soll man Kinder belohnen oder bestrafen? Was macht man, wenn die Kinder nicht ins Bett wollen? Wenn sie sich weigern, Gemüse zu essen? Aufmerksam hört sich Laura van Straaten die Ratschläge der Kinderpsychologin an. Zusammen mit 15 anderen jungen Frauen nimmt sie an einem speziellen Nanny-Erziehungstraining teil. Vier Stunden wird es dauern. Eigentlich wollte die 27-jährige Niederländerin Volksschullehrerin werden: "Aber ich glaube, der Nanny-Beruf ist viel intensiver und abwechslungsreicher."

Vor allem, wenn man wie Laura ein Kindermädchen für die gehobenen Kreise werden will. "Wir bilden ausschließlich Nannys für den europäischen Adel und erfolgreiche Unternehmer aus", erzählt Ingrid Kolk, eine der beiden Leiterinnen von Görtz & Crown, einer Schule und Vermittlungsagentur für Kindermädchen im niederländischen Leiden. "Nannys gab es bis vor kurzem hauptsächlich in Großbritannien - inzwischen sind sie auch im Rest Europas immer gefragter", sagt Kolk.


Die Absolventinnen werden bei Familien von St. Moritz bis Paris eingesetzt. Oder, wie im Fall von Manon Waenink, bei einer reichen Unternehmerfamilie in Antwerpen. Die 26-Jährige kümmert sich um die beiden kleinen Söhne: "Die Familie wohnt auf einem prächtigen Landgut, ich konnte mein eigenes kleines Haus beziehen." 40 Stunden pro Woche arbeitet Manon, manchmal auch an den Wochenenden. Das macht sie gerne: "Ich wusste, dass ich flexibel sein muss. Und es sind sehr nette Leute, es hat sofort Klick gemacht." Ohne diesen Klick geht es nicht, betont die Gründerin der Schule, Hansje Görtz: "Man wird schließlich Teil einer Familie."


Der krönende Abschluss

Görtz war selbst jahrelang eine Supernanny und durfte als buchstäblich krönender Abschluss ihrer Karriere drei Jahre lang auf die Töchter von Willem Alexander und Máxima aufpassen, inzwischen König und Königin der Niederlande. Mehr will Görtz nicht preisgeben. Zu den Tugenden einer Supernanny gehören Diskretion und gute Manieren.

Das wird den künftigen Nannys in einem Etikette-Crashkurs eingebläut: "Gute Umgangsformen fallen nicht auf, schlechte schon", betont der niederländische Etikette-Experte Jan Jaap van Weering. Hals und Kinn sollten einen Winkel von 90 Grad bilden, das sorge für eine aufrechte Haltung. Hohe Absätze seien ebenso ungeeignet wie ein zu tiefes Dekolleté. Eine gute Nanny mache ihrer Chefin keine Konkurrenz - weder als potenzielle Mätresse noch als Mutter. Deshalb sollte der Rock mindestens bis zum Knie reichen.

Bisher kommen die Teilnehmerinnen aus den Niederlanden und Belgien, aber die Schulleitung würde gerne auch deutsch- oder französischsprachige Nannys ausbilden. Das Gehalt einer Nanny liegt bei 2100 Euro brutto und kann auf bis zu 4000 Euro steigen. Grundvoraussetzungen: sehr gute Englischkenntnisse und Berufserfahrung mit Kindern.


 (Kerstin Schweighöfer, DER STANDARD, 21.8.2014)


Quelle: der Standard Wien
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Kerstin Schweighöfer ist Absolventin der Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg und studierte in München und Lyon Romanistik, Politologie und Kunstgeschichte. Seit 1990 lebt sie als freie Buchautorin und Auslandskorrespondentin in den Niederlanden und arbeitet vorwiegend für die ARD-Hörfunkanstalten, Deutschlandfunk und DeutschlandradioKultur, das Nachrichtenmagazin Focus und das Kunstmagazin Art.

Neben Tulpen, Fußball, Königshaus und Oranjefieber gehören Rembrandt und progressive junge Architekten zu ihrem täglichen Brot; ausserdem gesellschaftliche Dauerbrenner wie Sterbehilfe und Drogen, Einwanderungspolitik und Rechtspopulismus, aber auch Kriegsverbrecherprozesse: Denn seit den 1990er Jahren haben sich immer mehr internationale Institutionen und Tribunale in Den Haag niedergelassen: Angefangen bei Eurojust und Europol über das UN-Büro zum Verbot chemischer Waffen und den Internationalen Gerichtshof bis hin zum Jugoslawientribunal und dem Internationalen Strafgerichtshof ICC - jenem Weltgericht, das Kriegsverbrechen in aller Welt ahnden soll und als Meilenstein in der Entwicklung des internationalen Rechts gilt.

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