Live: Rock meets Classic 2014

von Katharina Wasmeier

Gemeinsam über 130 Millionen verkaufte Alben, hatte Antenne Bayern-Kathie Kleff in ihrer Anmoderation verkündet, könnten die Stars der diesjährigen „Rock meets Classic“-Show aufweisen. Eine große Zahl, der „364“ in nichts nachsteht. 364 Jahre, so viel bringen die sechs sehr bis mittel-wichtigen Vertreter und Pioniere ihrer Zunft gemeinsam auf die Bühne. Im Durchschnitt also 61 Jahre, und das ist ein schönes Alter, in dem sich zeigt, wer sich, Rocker-Allüren zum Trotz, fit gehalten hat. So viel vorab: Kim Wilde gehört eher nicht dazu.


„Weltstars präsentieren Rock-Hymnen im symphonischen Gewand“ – so der Untertitel der Veranstaltung, die zum bereits fünften Mal auf Tour ist. Man nehme: Galionsfiguren des Genres, die sich mehr oder minder (alkoholisch) konserviert haben, suche denen drei, vier exemplarische Hits heraus, die den Musikern zu ewigem Ruhm und Unsterblichkeit (in Karaoke-Bars und Mainstream-Radios) verholfen haben und lasse diese nochmal aufglimmen – im wahrsten Sinne des Wortes mit viel Feuer und Funkenschlag, weil wenn schon auf dem Show-Logo die Geige brennt, dann sollen’s die in den vorderen Reihen ruhig auch tun. Flankiert von einem blutjungen Orchester, namentlich dem Bohemian Symphony Orchester Prag, angeführt von einem sich selbst, das Leben und die Show feiernden Dirigenten, sowie Teilen der 1980er Heavy-Metal-Formation Sinner und einem Haufen Backgroundsänger. Die sind wichtig, wenn einem der Weltstars mal die Luft ausgeht (Kim Wilde). 

Das Publikum, im Altersmittel durchaus angemessen, verfällt mit Betreten der ausverkauften Arena in ehrfürchtiges Schweigen. Da stehen sie, die Helden meiner Jugend, und ich darf live dabei sein, denkt man sich, oder: Zum Glück ist der Saal komplett bestuhlt! Es gibt aber auch nicht so viel zum aufspringen beim unauffällig-professionellen Midge Ure, der singt „Dancing with tears in my eyes“ und „Breathe“ (als Hommage an Kim Wilde?), während Mat Sinner und Konsorten artig Rockerposen einnehmen und der Dirigent headbangt. Ein klitzekleiner Joe Lynn Turner – der hat schon bei Deep Purple mitgemischt – hopst in lustiger Rocker-Verkleidung und schwer generalsaniert herum, schafft es aber, mit dem geheimen Zeichen „Since you been gone“ den halben Saal von den Sitzgelegenheiten zu reißen. Und da ist er dann auf einmal, der Odor der Jugenderinnerung, glückliche Gesichter, und das Hüftgelenk wiegt sich im Takt. Zwischen jedem Superstar darf das Superorchester zeigen, was es drauf hat. Mit dem „Fluch der Karibik“-Thema zum Beispiel, und da wird dann nochmal deutlich, welch fantastisches Setting man da vor sich hat. 

Stolze 30 Minuten Pause werden dem Publikum (und Kim Wilde) zum Luftholen gegönnt, und dann wird das lange Warten belohnt: Uriah Heep-Bernie Shaw ist nicht nur der einzige, der standesgemäß mit Bier die Bühne betritt, sondern so grundsympathisch und dabei stimmgewaltig ist, dass man der „Everybody now sing with me!“-Aufforderung gerne nachkommt. Und weil „Free me“ und „Lady in Black“, das kennt man, da kommt man ja gar nicht drum rum. Mick Box grinst cannabis-selig, mit ihm der ganze Saal. Dann kommt Beetlejuice, Verzeihung, Alice Cooper, der sich große Mühe gibt, mit Zombie-Tanz, Kunstblut und Reitgerte „No more Mr Nice Guy“ zu sein und „Poison“ zu versprühen, aber auch den muss man einfach mögen, und der hat halt einen langen Show-Atem, der gute Mann. Nicht so wie Kim Wilde, die aber zum Ende frischaufgepumpt und ihrer Korsage entledigt immerhin nochmal sehr hübsch aussieht inmitten ihrer Kollegen. Chapeau, Herrschaften, habt ihr gut gemacht. Trotz 364 Jahren. Oder grade wegen.

 

Quelle: Nürnberger Zeitung
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