Three Cool Cats Festival

von Katharina Wasmeier

Three Cool Cats Festival

Ein Festival für Menschen, die an mehr interessiert sind als an reinem Mainstream – in den Genuss hätte ein kleiner Flecken Erde bei Thalmässing im letzten Jahr schon kommen können. Darüber, dass das nicht geklappt hat, kann sich dafür jetzt Nürnberg freuen. Und beim „Three Cool Cats Festival“ über Tellerränder blicken.

Es hätte wahrscheinlich ziemlich schön werden können: Ein großes Gartengelände südlich von Hilpoltstein für einen Tag in ein Kunst- und Musikfestival zu verwandeln und sich einen Tag lang im sehr Grünen verlustieren. Doch derweil Matthias Lindner, Nürnberger Webdesigner und DJ-Urgestein unbestimmten Alters, eifrig in die Planung ging, machte ihm die zuständige Behörde einen Strich durch die Rechnung. Doch wie wir wissen, öffnet sich für jede geschlossene Tür sprichwörtlich eine neue, und so tat’s kurzerhand die Desi. Denn für Matthias Lindner war klar: Ein Festival, das nicht wie sonst üblich bestimmte musikalische Sparten bedient, sondern unterschiedlichste Stile, Geschmäcker und Menschen zusammenbringt, „das geht auch anderswo.“ Das Konzept war längst gesetzt: So experimentell, verschieden und überraschend wie die geladenen Musiker sollten auch die Künstler sein, die Lindnern gern dabei hätte. „Nicht der übliche Live-Zeichner, sondern echte Kunst“, so der Festival-Debütant. „Ich finde, der Kunstbegriff wird auf Festivals oft missbraucht.“ In Soziologiestudentin Kristin-Madeléne Soglondey (23) war nicht nur eine patente Mitstreiterin, sondern mit der Desi auch eine ebensolche Location gefunden – und wider Erwarten ein Termin im bekanntlich übervollen Sommerkalender. Der jedoch dem „Three Cool Cats“, dessen Name eine Hommage sowohl an verstorbene Haustiere wie auch einen Song der Beatles, eigentlich aber der weit weniger bekannten Coasters ist gewissermaßen gleich das Kunst-Paket beschert hat. Beim Sommerfest der Akademie der Bildenden Künste nämlich entdeckt Matthias Lindner die Werke der Klasse Kühn, ist begeistert vom „Institut für Klangforschung“ und den naturnachempfundenen Wald-Räumen und kann nicht nur Eva Nüsslein und Jonas Rausch, sondern rund ein Dutzend weitere Eleven und Absolventen aus der Schmiede von Prof. Susanne Kühn für sein Projekt gewinnen. Gemeinsam wird die Desi in ein großes Kunstprojekt verwandelt. „Video, Installation, Konzeptkunst – eigentlich alles bis aufs traditionell Bild“, verrät Matthias Lindner schmunzelnd, ist doch die Klasse Kühn die für Freie Malerei. „Längst ist fällig, dass die bildende Kunst aufhört, sich einen Elfenbeinturm einzubilden, und deswegen sind wir Feuer und Flamme für alles“, so Eva Nüßlein und weiß freilich um die Schwierigkeiten der ungewöhnlichen Umgebung „in der Desi, wo es dunkel ist und alles nicht entflammbar sein darf.“ Arbeiten mit dem Raum, Kunst als Deko, Deko als Kunst, was ist in was ist out, „drinnen ist draußen oder umgekehrt oder umgekehrt umgekehrt.“  Nicht weniger experimentell als die „unvorhersehbaren Pop-Up-Installationen“ darf der musikalische Aspekt erwartet werden – sechs Konzerte, die die Kunst flankiert und umgekehrt. Ab 17 Uhr erst im Biergarten, später dann im zum Kunstraum umfunktionierten Konzertsaal, geht’s in die musikalische Ambivalenz. „Gift Musarurwa“ beginnt als „einzig traditioneller“ Musikant bluesig, bevor der Berliner „Schwund“ sogleich als „Ein-Mann-Show-Synthpunk chaotischen Wave mit deutschen Texten“ liefert. Die Bayreuther „Rolling Chocolate Band“ bringt 60s Garage mit nach Süden, „Cameron Lines“ aus Dresden macht eigentlich Bluesrock, ist aber uneigentlich „eine schräge Partyband“. Lindners Highlight: „T/O“ aus Straßburg, der mit Lo-Fi und Minimal Wave „ein echter Glücksgriff“ ist. Eine wilde Mischung? Absolut – und absolut genau so gedacht. „Das wird eine absolute Nischenveranstaltung“, weiß Matthias Lindner, der nach den Konzerten als DJ Matth Fame ausgewähltes Vinyl zum Klingen bringt, freilich. Und: „Es gibt wahrscheinlich leider in Nürnberg nicht genug Menschen, die das goutieren.“ Um so hehrer der Wunsch: „Am meisten würde ich mich über einen Einlassstop freuen“, sagt er, und meint in Wahrheit, dass er sich wünscht, dass Menschen sich wohlfühlen auf „mal einer ganz anderen Art von Festival.“ Dann gibt’s das Motto „This is not a love song. This is not pop art. This is sub-culture“ 2019 auch gleich nochmal.

„Three Cool Cats Festival 2018“, 1. September, 17-4 Uhr in der Desi Stadtteilzentrum e. V., Brückenstraße 23, Tickets 15 Euro VVK, 18 Euro AK, threecoolcats-festival.de

Porträt von Katharina Wasmeier

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