Instrumenta 2017 - die Musikmesse für Nordbayern
Ein Blitzen und Blinken, so weit das Auge reicht. Doch damit lang nicht genug in den ehrenwerten Hallen des Heilig-Geist-Spitals am vergangenen Wochenende: Schon wer nur außen vorbeilief, konnte es weithin trompeten hören. Und flöten und klarinetten und oboen und saxophonen und fagotten. Zugegebenermaßen nicht ganz harmonisch. Aber klar: Wer auf der „3. Instrumenta Nürnberg“, der Musikmesse für Nordbayern vorbeischaute, der wollte in erster Linie seinen eigenen perfekten Klang finden – um den später vielleicht einem Orchester beizusteuern.
Die Möglichkeit, alle Instrumente auf einer Spezialfachmesse, die prinzipiell jedermann offen steht, ausprobieren zu können, stelle eine große Ausnahme dar, meint Stefan Schalanda. Der ist vom Fach, selbst Dozent für Didaktik und Methodik an der Hauptschule für Musik in Nürnberg und Mitglied der neovolksmusikalischen Formation „Kellerkommando“ – und einer von drei Organisatoren der Instrumenta, die 2015 zum ersten Mal stattfand. Weil es „in der Region so viele Meisterbetriebe für Instrumente von Weltrang, die in großen Orchestern gespielt werden“, gebe, nicht aber die passende Messe, habe man seinerzeit befunden, man müsse die ganze Bandbreite zeigen können, von maßgeschneidert über Stangenware, von Profi- bis Laieninstrument, von großer Marke bis kleinem Handwerksbetrieb. Mit der Instrumenta scheint das gelungen: Unter der Schirmherrschaft von Wirtschaftsreferent Dr. Michael Fraas jetzt also zum dritten Mal, zuletzt für „Zupf- und Streichinstrumente“, dieses Jahr wieder für „Blasinstrumente“, künftig immer im Wechsel. Circa 50 Marken haben 32 Aussteller im Gepäck, ein sehr kompaktes, aber freundschaftliches Ambiente, in dem neben Workshops und Konzerten vor allem kompetente Beratung und virtuose Proben stattfinden – im wahrsten Sinne des Wortes. Auf den Fluren und Gängen des Hauses, aber vor allem im Ausstellungssaal wird fleißig getestet. Zuweilen muss man gar nicht so genau hinhören, um herauszufinden, wer da grade sein neues Amateur-Instrument sucht und wer längst etabliert ist. Genug Auswahl gibt es für alle. Rund 80 Instrumente hat Benjamin Klingenhöfer von „Musik Meier“ aus Marburg mitgebracht, darunter eine Tuba, deren aufwendige Verarbeitung den Preis von knapp 9000 Euro erklärt. „Nach oben hin ist fast keine Grenze gesetzt“, weiß Klingenhöfer, und hat aber auch für den ganz kleinen Geldbeutel Spannendes im Angebot: Flöten oder Klarinetten aus Kunststoff beispielsweise. Die sind superleicht, superunempfindlich, wie er locker demonstriert, können „in der Spülmaschine sauber gemacht“ und u.a. einfach „verlängert“ werden. „Das geht zulasten des Klangs, ist aber für Anfänger super“, liegt doch eine Kunststofflöte bei 180, eine blecherne gleich bei 600 Euro. Als ebenfalls für Anfänger perfekt preist der Happurger Alphornbauer Robert Vogel seine Innovation an, die auf den ersten Blick so gar nicht bekannt wirkt: Wie eine überdimensionale Pfeife sieht sein „Cornu Ligneum“ aus, das längst unter dem Namen „Vogelhorn“ firmiert. Fünf Jahre Entwicklung hat es den Schreiner und studierten Musiker gekostet, herauszufinden, dass „der Schall das Eckige akzeptiert und beschleunigt“. Dabei herausgekommen ist ein Alphorn, das aussieht wie gefaltet, einen eckigen Querschnitt hat und ein viel besseres Handling, ist es doch mit hölzernen drei Kilo ein echtes Leichtgewicht und braucht so viel weniger Platz als die üblichen drei Meter Länge. Man könne sich beim Alphorn gänzlich ohne Griff- oder Notenkenntnis „einfach dem Klang hingeben“ und habe somit „das beste Instrument zur Entschleunigung.“ So wie es auf der Instrumenta viel um „spannende Innovationen“ geht, wie Stefan Schalanda die überraschende Fülle an Instrumenten mit dem Versuch erklärt, „den individuellen Bedürfnissen der Spieler gerecht zu werden“ – allein der holländische Vertreter der US-amerikanischen Marke „Cannonball“, Frank van Swaay, hat 14 unterschiedliche Saxophone dabei, eins davon ein besonders ansprechendes Vintage-Exemplar für 10 000 Euro – so finden sich hier, erklärt Schalanda, auch Nachbauten beispielsweise historischer Posaunen, deren Herstellungshochburg einst in Nürnberg gelegen habe. Und das ist jetzt innovativ? „Betriebe versuchen momentan, Instrumente wieder in dieser alten Form nachzubauen, ganz einfach weil immer mehr Profi-Orchester versuchen, alte Stücke wieder so wie zu ihrer Entstehungszeit aufzuführen“. Es sei also sehr modern, ein altes Klangbild wieder aufleben zu lassen.
Katharina Wasmeier
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