Großeltern stiften Zukunft
Die Beziehung zwischen Großeltern und Enkelkindern kann so vielschichtig wie erfüllend sein: Miteinander Zeit verbringen, Vertrauensperson und Verbündeter zu sein, toben, Erfahrungen weitergeben, gemeinsam neue machen – alles Dinge, die zahlreichen Kindern und älteren Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen verwehrt sein können. Um das zu ändern, hat der Verein „Großeltern stiften Zukunft e.V.“ vor einigen Jahren ein besonderes Projekt ins Leben gerufen: die „Wunschgroßeltern“.
„Ich bin in den Raum reingekommen und habe gleich gewusst: das da sind mein Opa und meine Oma“, erzählt Antonia freudestrahlend. Vor vier Jahren hat sie bei einem Kontakttreffen des Vereins „Großeltern stiften Zukunft“ unter vielen Anwesenden zielsicher ihr Herz an neue Großeltern verschenkt – und das, obwohl das eigentlich Fremde sind und die heute Zwölfjährige eigentlich eigene Großeltern hat. Die einen aber, erzählt Mutter Melanie Techritz, wohnen weit weg in Dresden. Die anderen haben aus privaten Gründen wenig Zeit, sind berufstätig und mit der Pflege des behinderten Sohnes befasst. „Ich habe immer gehört, wie die Freundinnen meiner Tochter von ihren Großeltern erzählen, dass Ausflüge unternehmen, miteinander Zeit verbringen – ich hatte mir immer gewünscht, dass meine Kinder auch mit Großeltern aufwachsen können.“ Über den Verein und ein sogenanntes Kontakttreffen haben die Familien zueinandergefunden – und sind im Laufe der Zeit zu einer verschmolzen. Opa Eberhard (69) und Oma Gertrud Stich (67) sind immer die Antonia und den kleinen Bruder Amadeus (4) da, unternehmen gemeinsam „alles, was möglich ist“: backen, Spiele spielen, Ausflüge machen oder, oho, auch mal kämpfen, begeistert sich Antonia und kuschelt sich an ihren Wunschopa. Und erzählt, dass sie bei Streit mit den Eltern erstmal den Opa anruft und wenn eine Ex schlecht gelaufen ist, erstmal die Oma. So, wie man das eben kennt. Eine Verbindung, die ganz natürlich daherkommt, und niemand, verrät Mama Melanie, weiß, dass sie’s eigentlich nicht ist. Es war das plötzliche Loch nach Antreten des Ruhestandes, das Eberhard und Gertrud Stich umgetrieben hat, nach einer Aufgabe hat Ausschau halten lassen. „Und der Wunsch, etwas mit Kindern zu tun zu haben“, erzählt Gertrud Stich, die zwar einen Sohn, zum damaligen Zeitpunkt aber noch keine Enkel hatte. „Und Erfahrungen weiterzugeben“, ergänzt ihr Mann – „und nicht zu erziehen, sondern zu verziehen“, lacht Mama Melanie. Und alle sind zufrieden. So, wie es sich Dr. Karl Foitzik wohl vorgestellt haben muss, als er die „Wunschgroßeltern“ ins Leben rief. Der 79-Jährige, der selbst sieben Enkelkinder hat, war oft drauf angesprochen worden, hatte oft gehört, dass ältere Menschen „leider keine Enkelkinder“ haben, und umgekehrt Kinder, die keine Großeltern haben – sei’s, weil die weit weg sind, sei’s, weil schon verstorben. Dabei sei diese Beziehung nicht zuletzt soziologisch wichtig: „Die Großelterngeneration hat einfach einen anderen Welterfahrungshintergrund“, der weitergegeben werden könne. Das Projekt habe „bombig eingeschlagen, aber mehr bei den jungen Familien als bei potentiellen Wunschgroßeltern“, berichtet Dr. Karl Foitzik. Dabei sei wichtig, zu beachten, dass es hierbei mitnichten um die Vermittlung billiger Babysitter ginge, sondern die „die Rolle eingenommen wird, die sonst biologische Großeltern innehätten“. Auf der anderen Seite bräuchten die Opas und Omas neben der Freude an Kindern und einer gewissen Offenheit und Zeit auch das Bewusstsein darüber, eine mittel- bis langfristige Bindung einzugehen. „Es muss aber niemand Angst haben, seine Zeit zu verkaufen“, sagt Dr. Karl Foitzik, der nicht vermitteln, sondern nur eine Plattform für Interessierte beider Seiten bieten möchte. Für interessierte potentielle Wunschgroßeltern gibt es am 12. Oktober im Haus Eckstein eine eigene Informationsveranstaltung: Simple Fragen zum Ablauf wie vielleicht diffizile Ängste über Haftung oder Verantwortung können hierbei beantwortet werden – um dann vielleicht beim nächsten oder übernächsten Kontakttreffen schon auf die richtigen, tollen neuen Enkelkinder zu stoßen. „Es ist eine Aufgabe, vor allem aber eine Bereicherung für beide Seiten“, schwärmt Eberhard Stich. Bald wird mit der ganzen Großfamilie gekocht. Und an den See gefahren. Aber jetzt erstmal: „ Kämpfen!“ ruft der kleine Amadeus aus dem Wohnzimmer. Da folgt der Opa freilich nur zu gern.
http://www.grosseltern-stiften-zukunft.de/
Für alle, die Interesse an dem Projekt haben und mehr darüber wissen möchten, findet am Mittwoch, 12. Oktober 2016 im „eckstein“ (Burgstraße 1-3) von 17.00 – 18.30 Uhr eine Informationsveranstaltung statt. Anmeldung bis 11.10.16 per Telefon (0911- 2142133) oder Email ( [email protected]).
Katharina Wasmeier
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