Hirschglück - Wo das Glitzern wohnt

von Katharina Wasmeier

Hirschglück - Wo das Glitzern wohnt

Glitzernde Wackeldackel, pinke Bambis, leuchtendbunte Gartenzwerge – kennt man, hat man oder auch nicht, mag man leiden oder auch nicht. Drum herum kommt mittlerweile kaum mehr jemand um diese womöglich etwas speziellen Dekoartikel. Dass es aber so scheint, als habe der beflockte Glitzerregen seinen Zug über die Welt in Nürnberg begonnen, nun, das dürften wohl die wenigsten wissen. Ist aber so. Schuld daran: Thomas Eckert. Wieso? Naja. Der saß 2007 zusammen in einer Runde mit der Gattin und Geweihmöbelhändler Jürgen Krader. Die Gattin sprach von Madonnen, die sie beflocken, also mit einer speziellen dekorativen Schicht überziehen lassen wollte. Für ihr Schmuck- und Designunternehmen „Escapulario“ nämlich. Da fanden die Herren, das sei doch vielleicht eine Spitzenmöglichkeit, nicht nur Madonnen, sondern des Möbelmanns Geweihe auch einer solchen Behandlung zu unterziehen und zu sehen, was dabei wohl herauskäme. Dass dabei herauskommen würde, was es heute ist, nämlich eine florierende 1-Mann-Firma namens „Hirschglück – made in Germany“, die Messen, Händler, Menschen auf der ganzen Welt mit ihren Erzeugnissen beglitzerglückt, wohl eher nicht. „Unsere ersten Teile waren beflockte und beglitzerte Geweihe“, erzählt Thomas Eckert, der zwar auch heute noch, damals aber wesentlich weil weltweit aktiver als DJ arbeitet. „Damit sind wir dann auf eine Design-Messe in München gefahren und waren selbst erstaunt, wie wahnsinnig gut das ankam.“ Weil: sowas gab’s zu der Zeit halt einfach noch nicht. Auf der Messe bestellten Berliner Läden, das Wiener Museumsquartier, verschiedentlich namhafte Einrichtungen, die „damals schon den Fokus auf Modernes gerichtet hatten.“ Und das gefiel. Von kleinen Rehbock-Schädeln bis zum großen Damm- und Rothirsch wurde also immer mehr beflockt und beglitzert – und „das alles made in Germany“, betont Thomas Eckert, auch heute noch. Die anderen Sachen, die dann folgten auf dem Markt, die sind Massenware, billig hergestellt, billig unters Volk geworfen, da bröselt der Glitzerstaub ab und die Bambis haben Augen auf den Backen. „Unsere Figuren sind zum einen komplett in Deutschland produziert, zum anderen teils noch händisch veredelt und außerdem außergewöhnlich und nichts von der Stange“, erklärt der 47-Jährige den Preisunterschied. Dafür könne man so einen Glitzergartenzwerg aber auch mal ein Jahr im Garten stehen lassen, ohne dass er sich zersetzt. Die gibt’s nämlich auch, die Zwerge. Und Frösche und Wackeldackel und Elefanten und … „Ich gucke einfach immer, was mich anspricht, und was sich dann entsprechend in meinem Sinn umsetzen lässt“, sagt der Rehbeflocker, und dass die Palette derzeit circa 300 Modelle umfasse. Ungezählt: die jeweiligen Ausführungen, Farben, Kombinationen. Ungezählt auch: die Kilometer, die der Familienvater pro Jahr zurücklegt, um europaweit Messen wie die „Maison et objet“ in Paris zu bespielen. Ungezählt auch die Kunden in New York, Tokyo, Las Vegas, „das ist schon verrückt“, sagt Eckert, „wo das Zeug überall hingeht.“ Hingehen kann man in Nürnberg vereinzelt auch in Geschäfte, um sich ein Stück vom „Hirschglück“ abzuschneiden. Besser aber: ins Internet, da gibt’s die volle Bandbreite. Und wer dort nicht fündig wird, weil beispielsweise für die perfekte Hochzeit noch zwölf glitzerweiße Gartenzwerge mit grüner Fliege fehlen, der darf gerne sonderbestellen und „klassisch Traditionelles auf neuem Wege interpretieren“ lassen. So nämlich das Credo der „kleinen Butze Hirschglück, die sich plötzlich in die Welt entwickelt hat“.

http://hirschglueck.de/

Quelle: Nürnberger Nachrichten
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