Die Partykolumne - Muttertag
In der Praxis sah das vermutlich anders aus – ich sage bewusst „vermutlich“, weil selbstredend ich der Erzeugerin stets solcherart ergeben und bei den häuslichen Pflichten zur Hand war, dass oben genannter Gutschein gar nicht nötig sondern rein symbolisch zu verstehen blieb. Anders kann ich mir auch gar nicht erklären, dass hier und da immer noch eine solche Blume aus den Untiefen des elterlichen Haushalts aufploppt, die über beinah alle Blütenblätter verfügt; so hier und da mal eines fehlt, dann nur aufgrund des Prittstift’schen Unvermögens, eine Klebedauer von mehr als drei Stunden zu bewerkstelligen. In allen anderen Haushalten des östlichen Speckgürtels sah das vermutlich so aus, dass Mütter nach mehrmaliger höflicher an den Nachwuchs gerichteter Aufforderung, man könne doch vielleicht, möglicherweise, wenn es nicht allzu viele Umstände machen würden täte, kurz das Bettzeug aufschütteln oder gar die Spülmaschine ausräumen, wenn die zweifelsohne sehr wichtige weil wegweisende Lektüre der Bravo beendet sei, sich mit einem präpubertären Zornesanfall konfrontiert sahen.
Im Zuge dessen hat der Frischling vermutlich referiert über die völlig inakzeptable Impertinenz dieser Aufforderung, der er allein deswegen keinesfalls nachzukommen gedenke, und die Mutter möge sich doch bitteschön beeilen, die kindlichen Räumlichkeiten stante pede wieder zu verlassen, so sie denn den Weg hinaus durch den zu Lüftungszwecken säuberlich auf dem Zimmerboden ausgebreiteten Inhalt des Kleiderschrankes fände. Um dem Referat den gebührenden Nachdruck zu verleihen, hat der kindliche Rumpelstilz vermutlich nicht sich selbst, dafür aber die Blume zerrissen, um sie sich in den Mund zu stecken und mit Todesverachtung zu verzehren. Der wohlmeinende Hinweis also an alle Erziehungsberechtigten: … öhm … also … eigentlich hab ich keine Ahnung. Geht einfach aus und lasst euch statt Papierblumen lieber Gutscheine für den Schnapsmarkt (Handwerkerhof) schenken.
Danach gibt’s „Pon di attack“ (Nano, Königstraße), „Querbeat“ (KKK, ebd.), „Soulflight“ (Terminal, Flughafenstraße), „Plattenparty“ (Parks, Stadtpark), „Take Over & Rigorös Festival“ (Hirsch & Rakete, Vogelweiherstraße), „Lost in Paradise“ (Stereo, Klaragasse) und „Die zweitbeste Party“ (Bar77, Luitpoldstaße). Am Samstag „Rage against Abschiebung“ (Künstlerhaus, Königstraße), „27 Jahre Mach“ (Kaiserstraße), „Schallfarben“ (Desi, Brückenstraße), „Eine Nacht“ (Mitte, Hallplatz), „St. Pauli Nacht“ (Resi’s, Klingenhofstraße), „Ü30“ (Löwensaal, Schmausenbuckstraße), „Kings Clubbing“ (King Lui_tpoldstraße) und „Buckshot“ (Stereo). Das wohlerzogene Kind reicht am Sonntag stillschweigend Alka Seltzer, presst Orangensaft und liest Bücher, so schaut’s nämlich aus.
Katharina Wasmeier
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