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Reportage

Die kinderleichte Beute

Die Jungs waren sechs, neun, zehn und zwölf Jahre alt, als es das erste Mal passierte. Sex mit Jens. Obwohl man das, was da geschah, nicht Sex nennen sollte. Ansonsten war Jens eigentlich ganz okay. Für einen Erwachsenen. Für einen über 40. Zumindest kümmerte er sich. War da. Man konnte ihn anrufen. Bei ihm abhängen. Er kaufte Essen für die Familien der Jungs ein. Er fuhr sie mit seinem grünen VW-Bus herum, mal ging es auch ins Schwimmbad, mal ins Kino.

Doch das war Teil seines Plans, seiner Strategie. Jens war kein brutaler Vergewaltiger. Keiner, der an Spielplätzen lauerte, um ein Kind in einem unbeobachteten Moment mitzuzerren. Jens hatte es geschafft, dass die Kinder freiwillig zu ihm gingen. Mitmachten. Ja, manche brachten sogar noch jüngere Brüder und noch jüngere Freunde für Jens mit.

Jens konnte jahrelang agieren, ein Junge nach dem nächsten, von 2002 bis 2009. Bis die Polizei kam. Insgesamt geht es um 379 einzelne Taten, die die Staatsanwaltschaft Jens de la B. vorwirft. Sein Fall offenbart viele Strukturen, die solche Verbrechen überhaupt erst möglich machen.
Unterschiedliche Welten, das war schon immer so

Jens und die Jungs sehen sich im Frühjahr 2017 dann wieder. Vor dem Berliner Kriminalgericht. Jens, geboren 1965, aufgewachsen in Glienicke/Nordbahn, selbstständiger Maurermeister, bei seiner Mutter lebend, auf der Anklagebank. Die Jungs, es sind elf Opfer, die ermittelt werden konnten, als Zeugen. Wieso sind sie zu Jens gegangen, haben sich dieser Tortur ausgesetzt? Und welche Folgen hat das? Und welche Folgen hat das?

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