Johanna Pauls

Freie Journalistin, Nicosia

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Artikel

Reinigung der Seine: Bald kann mitten in Paris geschwommen werden

Jahrzehntelang war die Seine zu verschmutzt, um darin zu schwimmen. Pünktlich zu den Olympischen Sommerspielen 2024 wird der Fluss nun gereinigt.

Entspringend im Osten Frankreichs, in der Nähe von Dijon, fließt die Seine auf einer Länge von fast 200 Kilometern durch Paris und Rouen, bevor sie im Westen bei Le Havre in den Ärmelkanal mündet. Doch anders als in Wien, können die Franzosen bisher nicht in dem Fluss schwimmen, der mitten durch ihre Hauptstadt fließt.

Bis zu den Olympischen Spielen 2024 soll der Fluss nun so weit gereinigt werden, dass dort unter anderem die Eröffnungszeremonie stattfinden kann. Zudem sollen im Zuge des Wettbewerbs Events rund ums Schwimmen auf dem offenen Wasser abgehalten werden. Ab 2025 sollen die Bademöglichkeiten schließlich auch der Öffentlichkeit offenstehen.

Schwimmen seit hundert Jahren verboten

Seit 1923 ist das Schwimmen in der Seine wegen der hohen Anzahl an Bakterien und diverser anderer Verschmutzung verboten. Grund dafür sind die umliegende Industrie und die weitere Ausdehnung der Metropole, die sich deutlich auf die Wasserqualität des Flusses auswirkten. Das Wasser war kontaminiert mit verschiedenen gesundheitsgefährdenden Bakterien, Viren und Parasiten, die bei Menschen unterschiedliche Formen von Infektionen hervorrufen konnten. Daher muss seit mittlerweile 100 Jahren auf jeglichen Badespaß verzichtet werden.

Die Stadt Paris ist entlang der Flusskurve zwischen Marne und den Oise-Flüssen erbaut worden. Mit den knapp 13 Kilometern, auf denen die Seine die französische Hauptstadt durchquert, bildet sie einen wichtigen Bestandteil des Pariser Stadtbildes. Der enormen Bedeutung für die Hauptstadt entsprechend, zählen die beiden Ufer des Flusses heute als UNESCO Weltkulturerbe.

Somit überrascht es nicht, dass die Idee, den für Paris so bedeutenden Fluss zu reinigen, keine neue ist: Bereits in den 1990er Jahren erklärte der damalige Bürgermeister Jacques Chirac, die Seine so weit säubern zu wollen, dass die Bevölkerung bald darin schwimmen könne. Umgesetzt wurde der Plan nie. Die bevorstehenden Olympischen Sommerspiele 2024 haben der Idee nun neuen Aufschwung gegeben.

1,5 Milliarden für die Reinigung der Seine

Laut einem Bericht des Time-Magazins, welches im Februar diesen Jahres zur Besichtigung des Projekts eingeladen wurde, sollen sich die Gesamtkosten für das Projekt auf rund 1,5 Milliarden Euro belaufen. Die Fertigstellung ist für Februar 2024 angedacht, nur knapp fünf Monate vor Beginn der Olympischen Sommerspiele, die von 26. Juli bis 11. August 2024 stattfinden.

Zwar hat sich die Wasserqualität im Laufe der letzten drei Jahrzehnte verbessert. Doch sind im selben Zeitraum, unter anderem durch die weitere Ausweitung der Großstadt, weitere Probleme wie Mikroplastik hinzugekommen. Und das wirkt sich auch auf den Fischbestand aus: Eine Vielzahl der damals heimischen Fische finden sich heute nicht mehr oder nur noch in geringer Anzahl im Fluss. Gleichzeitig ist die Anzahl nicht-heimischer Spezies angestiegen. Zum Verzehr waren diese wegen der weiter hohen Verschmutzung im Fluss allerdings nicht geeignet gewesen. Mit der laufenden Reinigung könnten die Pariser sich jedoch vielleicht in ein paar Jahren an Fisch aus den eigenen Gewässern erfreuen dürfen.

Und während sich der Fluss also langsam erholt, dürfte sich das aufwändige Projekt neben den Fischen und Olympia auch positiv auf die Pariser Trinkwasserqualität auswirken. Zusammen mit dem Fluss Marne sorgt die Seine für die Hälfte der Trinkwasserversorgung der französischen Hauptstadt.

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