"Derzeit gibt es kein Bestreben"
Platz fürein "TinyHouse"
"Wohin mit dem Ding?"
Mit dem Jahreswechsel beschäftigen sich so manche Zeitgenossen mit dem vor ihnen liegenden Berg an Entscheidungen, die getroffen werden müssen. So manche Dinge liegen schon seit Monaten, wenn nicht sogar Jahren auf dem Tisch. Andere benötigen einen Anstoss, der letztendlich aber Prozesse in Bewegung setzt, die nicht unbedingt jeder auslösen möchte. Eines spielt sich gerade bei alternativen Wohnkonzepten ab.
Bei denen verfahren Städte und Gemeinden nach dem ‚St. Florians Prinzip‘: „Heiliger St. Florian, verschon uns, lass die anderen ran!“. So jedenfalls erging es mir in diesem Jahr bei meinem Versuch einen Platz für mein „Tiny House“ zu finden.
Warum ein „Tiny-House“?
Die Mieten-, Immobilien- und Bodenpreisexplosion in den letzten Jahren ist eine dramatische Zäsur in der Stadt- und Regionalentwicklung. Eigentum zu erwerben ist für immer weniger Menschen möglich. „Tiny Houses“ sind hier eine Alternative und werden in Zukunft Länder, Kommunen und Gemeinden immer mehr beschäftigen. Mit der Landesbauordnung, die 2016 vom Landtag NRW beschlossen wurde, ist die Grundlage für innovatives und nachhaltiges Bauen geschaffen worden. Ein „Tiny House“ zeigt diese gewünschte Kreativität in der Entwicklung neuer Lösungen.
Derzeit gibt es im deutschen Baurecht aber keine Unterscheidung zwischen mobilen und immobilen Wohnformen. Heißt: Wer in einem „Tiny House“ wohnen will, selbst wenn es auf Rädern steht, der kann es nicht einfach auf einer Wiese abstellen. Der braucht Baugrund und Infrastruktur - einen Anschluss an das Straßennetz, an die Kanalisation sowie das Wasser- und Stromnetz. Deutsche Bebauungspläne legen akribisch fest, wie Häuser in einem Wohngebiet auszusehen haben: Wie hoch dürfen sie sein? Wie sieht das Dach aus? Alternative Wohnformen kommen in Bebauungsplänen nicht vor. Somit wissen die Ämter mit den neuen Wohnformen nichts anzufangen. Sie können sie nicht kategorisieren. Sie wissen nicht, wie sie es benennen sollen, einerseits hat es Räder, andererseits steht es fest. Wäre es da nicht angebracht, jetzt grundsätzliche und nachhaltige Lösungen zu finden?
Tiny Houses
Ein wenig History
Tiny Houses auf Rädern sind keine neue Erfindung: Bereits in den 1920er Jahren gab es Tüftler, die die Mobilität des Autos mit der Behaglichkeit des eigenen Zuhauses verbinden wollten. So entstanden die ersten “Motorhomes” – mit zunehmendem “Tuning” war jedoch bald der ursprüngliche, an ein Haus erinnernde Aufbau einer kompakteren Form gewichen.
Die Sehnsucht nach kleinen Zufluchtsorten, sei es zur inneren Einkehr oder zur Erholung, ist noch wesentlich älter: Man denke nur an Eremitagen oder auch an Henry Thoreaus “Walden”… Verschiedene Architekten veröffentlichten in den vergangenen hundert Jahren Entwürfe für auf das Wesentlichste reduzierte Behausungen. Lloyd Kahn und Bob Easton brachten 1973 “Shelter” heraus, eine Dokumentation bodenständiger Bauweisen und Minihäuser in aller Herren Länder.
1987 erschien das Buch des US-amerikanischen Architekten Lester Walker “Tiny Tiny Houses: or How to Get Away From It All”. Einen regelrechten Hype löste Architektin Sarah Susanka dann mit ihrem 1998 erschienen Buch “The Not So Big House” und den folgenden “Not So Big …”-Veröffentlichungen aus. Sie bereitete damit auch den Boden für das von Jay Shafer angeschobene “Tiny House Movement” in den USA.
Wie Städte und Gemeinden reagieren?
Nur die wenigsten wissen mit der Anfrage zur Aufstellung eines „Tiny Houses“ etwas anzufangen. Viele der Ansprechpartner wissen zu wenig über diese neue Wohnform und denken zunächst an Zirkuswagen und Wandervolk. Um solche Anfragen schnell vom Tisch zu kriegen, wird an das geltende Baurecht erinnert. Die Stadt Münster ist da schon weiter „Man beobachte das. Aber derzeit gebe es kein Bestreben, bestehende Regelungen umzuschreiben“, kam die Antwort aus dem Rathaus. Stolz verweisen Städte wie Coesfeld und Warendorf darauf, dass die „üblichen“ Bestands-Bebauungspläne keine gute und stimmige planungsrechtliche Grundlage für „Tiny Houses“ böten und man erwäge entsprechende Änderungen in Bebauungsplänen, was aber noch ein bis zwei Jahre dauern könne“.
Ich bin davon überzeugt, dass ein „Tiny House“ für die Zukunft eine immer wichtiger werdende Lebensform darstellt, die aktiv der Wohnraumspekulation und der Altersarmut entgegenwirkt und nicht zuletzt der Schritt zurück in eine Realform der Solidargemeinschaft ist, in der Menschen miteinander sowie füreinander da sind. Ein Grund: „Tiny House“-Bewohner leben freiwillig in ihrem klitzekleinen Wohnraum. Je kleiner das Haus, desto geringer der Energieverbrauch beim Bauen und beim Wohnen. Kaum jemand tut es, weil er sich nichts Anderes leisten kann! Nein, es ist eher ein Puzzleteil zur Bekämpfung der Wohnungsnot und der Zersiedelung.
Ist die Politik allein verantwortlich, die Lösungen für diese Probleme bereitzustellen?
Ich denke nein. Wir als mündige Bürger tragen durchaus einen Teil der Verantwortung, uns diesem Thema zu stellen und aufzuzeigen, dass es Lösungen gibt. Für die Städte und Gemeinden bedeutet dies, sich aktiv mit den derzeitigen und zukünftigen Wohnproblemen zu beschäftigen und die Bürger dafür zu sensibilisieren. Die Idee dahinter: Das Bewusstsein für kleineres Wohnen schaffen und dieses in der Folge auch leichter möglich machen. Eine Win/Win-Situation also! Umgekehrt brauchen wir aber die Politik, um Wege wie diesen legal zu ermöglichen. Wir brauchen Politiker, die sich trauen, etwas Neues auszuprobieren. Wir brauchen Politiker mit dem Mut, endlich etwas verändern zu wollen.
Frankreich ist beim Thema „Tiny House“ schon wesentlich weiter. Dort macht es ein neues Gesetz mittlerweile einfacher, dauerhaft legal in „Tiny Houses“ zu wohnen. Ich kann nur hoffen, dass Deutschland nicht nur die Kreisverkehre von Frankreich übernimmt, sondern auch noch die Haltung gegenüber „Tiny Houses“.“ Dann werden „Tiny Houses“ bald auch in Deutschland keine Besonderheiten mehr sein.
Was sind „Tiny Houses“?
Auch wenn es hierzulande keine offizielle Definition davon gibt, was “Tiny Houses” sind, so lässt sich aus der wörtlichen Übersetzung des englischen Begriffs (“winzige Häuser”) leicht ableiten, dass es sich um die kleinste Form von Wohngebäuden – in der Tat könnte man sie “Kleinsthäuser” nennen – handelt. In diesem Kontext hört und liest man auch die Bezeichnungen “Mikro-, Mini- und Kleinhaus”, wobei die Grenzen fließend sind. Immerhin liegt es in gewisser Weise auch im Auge des Betrachters, was klein oder winzig ist.
„Tiny Houses“ werden auch hierzulande nicht als Alternative zu Wohnwagen verstanden, mit denen man auf Tour geht, sondern viel eher als die ideale Lösung, um das Bedürfnis des “eigenen Daches über dem Kopf” und ein knappes Budget (sowie nicht auszuschließende Wohnortswechsel) ohne nenneswerte Verschuldung unter einen Hut zu bringen. “Tinyhousern” geht es in der Regel um die Reduzierung auf das Wesentliche zugunsten finanzieller Freiheit und persönlicher Unabhängigkeit sowie um einen Beitrag zu Ökologie und Nachhaltigkeit.
In Europa befindet sich das Tiny-House-Movement noch in den Anfängen, aber immer mehr Menschen werden vom “Tiny-House-Fieber” gepackt.
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"Wohin mit dem Ding?"
Mit dem Jahreswechsel beschäftigen sich so manche Zeitgenossen mit dem vor ihnen liegenden Berg an Entscheidungen, die getroffen werden müssen. So manche Dinge liegen schon seit Monaten, wenn nicht sogar Jahren auf dem Tisch. Andere benötigen einen Anstoss, der letztendlich aber Prozesse in Bewegung setzt, die nicht unbedingt jeder auslösen möchte. Eines spielt sich gerade bei alternativen Wohnkonzepten ab.
Bei denen verfahren Städte und Gemeinden nach dem ‚St. Florians Prinzip‘: „Heiliger St. Florian, verschon uns, lass die anderen ran!“. So jedenfalls erging es mir in diesem Jahr bei meinem Versuch einen Platz für mein „Tiny House“ zu finden.
Warum ein „Tiny-House“?
Die Mieten-, Immobilien- und Bodenpreisexplosion in den letzten Jahren ist eine dramatische Zäsur in der Stadt- und Regionalentwicklung. Eigentum zu erwerben ist für immer weniger Menschen möglich. „Tiny Houses“ sind hier eine Alternative und werden in Zukunft Länder, Kommunen und Gemeinden immer mehr beschäftigen. Mit der Landesbauordnung, die 2016 vom Landtag NRW beschlossen wurde, ist die Grundlage für innovatives und nachhaltiges Bauen geschaffen worden. Ein „Tiny House“ zeigt diese gewünschte Kreativität in der Entwicklung neuer Lösungen.
Derzeit gibt es im deutschen Baurecht aber keine Unterscheidung zwischen mobilen und immobilen Wohnformen. Heißt: Wer in einem „Tiny House“ wohnen will, selbst wenn es auf Rädern steht, der kann es nicht einfach auf einer Wiese abstellen. Der braucht Baugrund und Infrastruktur - einen Anschluss an das Straßennetz, an die Kanalisation sowie das Wasser- und Stromnetz. Deutsche Bebauungspläne legen akribisch fest, wie Häuser in einem Wohngebiet auszusehen haben: Wie hoch dürfen sie sein? Wie sieht das Dach aus? Alternative Wohnformen kommen in Bebauungsplänen nicht vor. Somit wissen die Ämter mit den neuen Wohnformen nichts anzufangen. Sie können sie nicht kategorisieren. Sie wissen nicht, wie sie es benennen sollen, einerseits hat es Räder, andererseits steht es fest. Wäre es da nicht angebracht, jetzt grundsätzliche und nachhaltige Lösungen zu finden?
Tiny Houses
Ein wenig History
Tiny Houses auf Rädern sind keine neue Erfindung: Bereits in den 1920er Jahren gab es Tüftler, die die Mobilität des Autos mit der Behaglichkeit des eigenen Zuhauses verbinden wollten. So entstanden die ersten “Motorhomes” – mit zunehmendem “Tuning” war jedoch bald der ursprüngliche, an ein Haus erinnernde Aufbau einer kompakteren Form gewichen.
Die Sehnsucht nach kleinen Zufluchtsorten, sei es zur inneren Einkehr oder zur Erholung, ist noch wesentlich älter: Man denke nur an Eremitagen oder auch an Henry Thoreaus “Walden”… Verschiedene Architekten veröffentlichten in den vergangenen hundert Jahren Entwürfe für auf das Wesentlichste reduzierte Behausungen. Lloyd Kahn und Bob Easton brachten 1973 “Shelter” heraus, eine Dokumentation bodenständiger Bauweisen und Minihäuser in aller Herren Länder.
1987 erschien das Buch des US-amerikanischen Architekten Lester Walker “Tiny Tiny Houses: or How to Get Away From It All”. Einen regelrechten Hype löste Architektin Sarah Susanka dann mit ihrem 1998 erschienen Buch “The Not So Big House” und den folgenden “Not So Big …”-Veröffentlichungen aus. Sie bereitete damit auch den Boden für das von Jay Shafer angeschobene “Tiny House Movement” in den USA.
Wie Städte und Gemeinden reagieren?
Nur die wenigsten wissen mit der Anfrage zur Aufstellung eines „Tiny Houses“ etwas anzufangen. Viele der Ansprechpartner wissen zu wenig über diese neue Wohnform und denken zunächst an Zirkuswagen und Wandervolk. Um solche Anfragen schnell vom Tisch zu kriegen, wird an das geltende Baurecht erinnert. Die Stadt Münster ist da schon weiter „Man beobachte das. Aber derzeit gebe es kein Bestreben, bestehende Regelungen umzuschreiben“, kam die Antwort aus dem Rathaus. Stolz verweisen Städte wie Coesfeld und Warendorf darauf, dass die „üblichen“ Bestands-Bebauungspläne keine gute und stimmige planungsrechtliche Grundlage für „Tiny Houses“ böten und man erwäge entsprechende Änderungen in Bebauungsplänen, was aber noch ein bis zwei Jahre dauern könne“.
Ich bin davon überzeugt, dass ein „Tiny House“ für die Zukunft eine immer wichtiger werdende Lebensform darstellt, die aktiv der Wohnraumspekulation und der Altersarmut entgegenwirkt und nicht zuletzt der Schritt zurück in eine Realform der Solidargemeinschaft ist, in der Menschen miteinander sowie füreinander da sind. Ein Grund: „Tiny House“-Bewohner leben freiwillig in ihrem klitzekleinen Wohnraum. Je kleiner das Haus, desto geringer der Energieverbrauch beim Bauen und beim Wohnen. Kaum jemand tut es, weil er sich nichts Anderes leisten kann! Nein, es ist eher ein Puzzleteil zur Bekämpfung der Wohnungsnot und der Zersiedelung.
Ist die Politik allein verantwortlich, die Lösungen für diese Probleme bereitzustellen?
Ich denke nein. Wir als mündige Bürger tragen durchaus einen Teil der Verantwortung, uns diesem Thema zu stellen und aufzuzeigen, dass es Lösungen gibt. Für die Städte und Gemeinden bedeutet dies, sich aktiv mit den derzeitigen und zukünftigen Wohnproblemen zu beschäftigen und die Bürger dafür zu sensibilisieren. Die Idee dahinter: Das Bewusstsein für kleineres Wohnen schaffen und dieses in der Folge auch leichter möglich machen. Eine Win/Win-Situation also! Umgekehrt brauchen wir aber die Politik, um Wege wie diesen legal zu ermöglichen. Wir brauchen Politiker, die sich trauen, etwas Neues auszuprobieren. Wir brauchen Politiker mit dem Mut, endlich etwas verändern zu wollen.
Frankreich ist beim Thema „Tiny House“ schon wesentlich weiter. Dort macht es ein neues Gesetz mittlerweile einfacher, dauerhaft legal in „Tiny Houses“ zu wohnen. Ich kann nur hoffen, dass Deutschland nicht nur die Kreisverkehre von Frankreich übernimmt, sondern auch noch die Haltung gegenüber „Tiny Houses“.“ Dann werden „Tiny Houses“ bald auch in Deutschland keine Besonderheiten mehr sein.
Was sind „Tiny Houses“?
Auch wenn es hierzulande keine offizielle Definition davon gibt, was “Tiny Houses” sind, so lässt sich aus der wörtlichen Übersetzung des englischen Begriffs (“winzige Häuser”) leicht ableiten, dass es sich um die kleinste Form von Wohngebäuden – in der Tat könnte man sie “Kleinsthäuser” nennen – handelt. In diesem Kontext hört und liest man auch die Bezeichnungen “Mikro-, Mini- und Kleinhaus”, wobei die Grenzen fließend sind. Immerhin liegt es in gewisser Weise auch im Auge des Betrachters, was klein oder winzig ist.
„Tiny Houses“ werden auch hierzulande nicht als Alternative zu Wohnwagen verstanden, mit denen man auf Tour geht, sondern viel eher als die ideale Lösung, um das Bedürfnis des “eigenen Daches über dem Kopf” und ein knappes Budget (sowie nicht auszuschließende Wohnortswechsel) ohne nenneswerte Verschuldung unter einen Hut zu bringen. “Tinyhousern” geht es in der Regel um die Reduzierung auf das Wesentliche zugunsten finanzieller Freiheit und persönlicher Unabhängigkeit sowie um einen Beitrag zu Ökologie und Nachhaltigkeit.
In Europa befindet sich das Tiny-House-Movement noch in den Anfängen, aber immer mehr Menschen werden vom “Tiny-House-Fieber” gepackt.
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