Die 60er-Jahre: Fury, Lassie und die Reise auf andere Planeten

von stresemanns ganz normal

In den 1960er Jahren wurde das Programmangebot sowohl im Osten als auch im Westen erweitert und variiert. Regional- und Werbeprogramme wurden ausgebaut, später dann Fernsehserien aus amerikanischen Archiven eingekauft. Die Dritten Programme setzten mit Kultur-, Bildungs- und Regionalsendungen neue Akzente.


Hast du gestern .... gesehen? Dies war häufig die erste Frage,
die vor Schulbeginn auf dem Schulhof gestellt wurde und häufig wurde
diese Frage mit "ja" beantwortet, denn gesehen bezog sich
auf ferngesehen und wenn jemand am Vortag ferngesehen hatte, hatte er
auch zwangsläufig .... gesehen. Es gab nämlich nur ein einziges
Programm. Weil es das Einzige war, hatte es für uns auch keinen
Namen. Fernsehen und Fernsehprogramm waren eins. Offiziell hieß es
"ARD" (Arbeitsgemeinschaft der öffentlich- rechtlichen
Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland) und dann gab es
noch die einzelnen Regionalprogramme, wie BR, HR, WDR, NDR, SWR usw.
Aber auch da gab es keine Auswahl, man empfing immer nur das für
sein Bundesland vorgesehene Regionalprogramm. Erst als auch das ZDF
von immer mehr Fernsehgeräten empfangen wurde, bekamen die Sender
für uns einen Namen: Das 1. Programm (ARD und die Regionalprogramme)
und das 2. Programm (ZDF). Später bekamen die Regionalsender den
Namen 3. Programm und als die Privat-Sender hinzukamen haben wir mit
der Nummerierung aufgehört. Da waren die 60er aber auch schon lange
vorbei.


Gestaten, mein Name ist CoxHafenpolizeiJedermannstrasse 11
Was uns vor den Fernseher zog

Zu dieser Zeit liefen im Fernsehen Filme wie "Sprung aus den
Wolken", eine amerikanische Serie über die Abenteuer von zwei
Fallschirmspringern oder die "Hafenpolizei", Episoden aus
dem Hamburger Hafen, "Jedermannstraße 11", eine deutsche
Familienserie oder "Gestatten, mein Name ist Cox", eine
Detektivserie mit Günther Pfitzmann. Zwischen diesen Serienfilmen
gab es Werbung. Die einzelnen Werbesendungen liefen aber nicht
einfach hintereinander ab, sondern wurden von kurzen, lustigen
Zeichentrickfilmchen unterbrochen. Am bekanntesten sind da wohl die
Mainzelmännchen aus dem ZDF.


Percy StuartDie DrehscheibeTime Tunnel

Die unterbrachen das Programm zwischen 18:00 Uhr und 20:00 Uhr, in dem es das Magazin "Die Drehscheibe" und ca. 25-minütige Serien wie "Dezernat M", "Lassie", "Tammy", "Bezaubernde Jeannie" oder "Percy Stuart" gab. An den Wochenendnachmittagen, liefen Serien wie "Fury", "Flipper", "Die Kinder von Bullerbü", "Die kleinen Strolche" oder die "Augsburger Puppenkiste". Typische Samstag-Nachmittagsserien waren "Daktari", "Tarzan" oder "Time-Tunnel" während Sonntags am späten Nachmittag Western-Time mit "Bonanza", "Rauchende Colts" oder "Big Valley" war.



Um 20:00 Uhr lief die Tagesschau. Spätestens dann war für mich unter der Woche Schluss, weil ich ins Bett musste. "Hier ist das deutsche Fernsehen mit der Tagesschau" war häufig der letzte Satz, den ich am Abend aus dem Fernseher hörte. Nur die Tiersendung "Ein Platz für Tiere" mit Professor Grzimek, die nach den Abendnachrichten um 20:15 Uhr begann, durfte ich hin und wieder sehen. Viele TV-Serien, besonders Krimi- und Agentenserien, liefen im Abendprogramm nach 20:15 Uhr, z.B. "Mit Schirm, Charme und Melone", "Auf der Flucht", "Kobra, übernehmen sie!" oder "Solo für O.N.C.E.L". Einige Serien liefen noch im Spätprogramm wie die 1969 gestartet Serie "Nummer 6", die samstagnachts nach 23:00 Uhr ausgestrahlt wurde.


https://videopress.com/v/dyZeEJZI
Fernsehserien der 60er Jahre
Die Zeit der großen Krimis begann

Wenn die Familie Hesselbach kam, kam die Familie Hesselbach. Und sonst nichts. So war das in einem anständigen Frankfurter Fernseh-Haushalt der 60er Jahre. Bis dahin hatten bereits die 77 Radio-Episoden des genialen Schöpfers Wolf Schmidt jahrelang die Leute an die Empfänger gelockt. Vier Hesselbach-Kinofilme zeigten die ulkigen Zeitgenossen beim Familienleben, im Urlaub und in ihrer Firma. Aber erst die Fernsehserie, von 1960 bis 1967 in 51 Folgen ausgestrahlt, machte die Hesselbachs in der Bundesrepublik unsterblich.


Das HalstuchSoweit die Füße tragen

Vor allem das Genre Krimi erfreute sich großer Beliebtheit in der
Bevölkerung. "Mordfall Oberhausen": Unter diesem Titel
lief am 14. März 1958 die erste Folge der Fernsehserie Stahlnetz. Es
war ein Freitag - und die Geburtsstunde eines Fernsehgenres: der
deutschen Krimiserie. Bis 1968 lockten die zunächst 22 Folgen
Millionen Zuschauer vor die Bildschirme. Stahlnetz war ein
Straßenfeger - und der erste große Erfolg des jungen deutschen
Fernsehens. "Das Halstuch" von Francis
Durbridge legte 1962 das komplette öffentliche Leben in
Deutschland lahm und erreichte eine Einschaltquote von 90 Prozent.


Aber auch Filme, die sich mit der Vergangenheitsbewältigung
auseinander setzten ("So weit die Füße tragen") oder
sozialkritische Literaturthemen aufgriffen ("Wer einmal aus dem
Blechnapf frisst..."), waren regelrechte "Straßenfeger".


https://www.youtube.com/watch?v=39InO49BerY

Was heute wie ein Märchen klingt, war vor 50 Jahren Wirklichkeit.
Damals gab es Programmgestalter, die den deutschen Fernsehzuschauern
mehr gönnten als Quizshow-Geplapper und Krimi-Dauerfeuer. Sie
besaßen tatsächlich die Kühnheit einer hausgemachten
Science-Fiction-Serie die Starterlaubnis zu erteilen – und das zur
besten Sendezeit. Der 17. September 1966 veränderte das Gesicht der
TV-Landschaft. Der Samstagabend nahm extraterrestrische Züge an. Der
wackere Weltraumheld hieß Cliff Allister McLane, eine Art
„Schimanski“ der Sterne, der fluchte, trank, Kadettinnen aufriss
und sich nie wie ein braver Befehlsempfänger benahm. Unter seinem
nachtschwarzen Uniformhemd brodelte bereits der rebellische Geist der
68er. Passenderweise wurde er mit Dietmar Schönherr besetzt, der
auch privat als unangepasster Typ galt. „Ich bin überzeugt, dass
die Serie alle Krimis schlagen wird“, meinte Dietmar Schönherr –
und sollte recht behalten. „Raumpatrouille Orion“ war ein
Straßenfeger mit Einschaltquoten auf WM-Endspielniveau.



Zwei britische Agenten, Diana Rigg und Patrick MacNee waren in den 60er-Jahren das, was man heute Kult nennt. MacNee löste seine TV-Fälle im Stil eines britischen Gentleman mit Grips und Bowler-Hut. Diana Rigg wurde als die Agentin an seiner Seite weltberühmt.


Salto mortaleForellenhofAlle meine Tiere
Was tat sich sonst noch im Fernsehen in den 60ern?
https://videopress.com/v/ONRcUgKp
Die Unverbesserlichen

Der Autor Heinz Oskar Wuttig schrieb die Serien "Alle meine Tiere", "Der Forellenhof" und natürlich "Salto Mortale". Robert Stromberger dagegen schrieb "Die Unverbesserlichen" - die deutsche Familienserie überhaupt, wenn man mich fragt... Als erster Fernseharzt überzeugte uns Landarzt Dr. Brock, der in der Lüneburger Heide praktizierte - und im Vorabendprogramm der ARD. Krimi-Spannung gab es mit "Auf der Flucht" - die ganze Fernsehnation litt mit Richard Kimble.


In der nächsten Folge:

Anfang der 60er-Jahre war Deutschland schon sehr gut mit Anzeigenblättern versorgt. Für die Verbraucher waren sie eine wichtige Informationsquelle, denn andere Medien als Werbeträger waren längst nicht so verbreitet – mit Ausnahme der Litfaßsäule vielleicht.





Das Jahr 1968


Bürgerrechts- und Studentenbewegungen machten das Jahr nicht nur in Deutschland aus. Sie gipfelten in diesem Jahr in massiven Protesten und gingen als die „68er Bewegung“ in die Geschichte ein.


Das Jahr 1968 in der BRD
https://www.youtube.com/watch?v=Dq4fCFlr-a0

Und was gab es sonst noch im Jahr 1968?


In den USA war es das Aufbegehren gegen den Vietnamkrieg und die Bürgerrechtsbewegung der schwarzen Bevölkerung, die von dem Baptistenprediger Martin Luther King angeführt wurde, der am 4. April in Memphis Opfer eines Attentats wurde und starb. In der BRD protestierten Studenten gegen die Notstandsgesetze und in der ČSSR bemühte sich die Kommunistische Partei unter Alexander Dubček um eine Liberalisierung und Demokratisierung im Lande. Diese Bemühungen manifestierten sich im „Prager Frühling“, der den Einmarsch des Ostblock-Militärs, des Warschauer Paktes, nach sich zog. Eine halbe Million Soldaten waren an dieser größten Operation seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges beteiligt. Die DDR-Truppen hielten sich an der Grenze zurück, ihre Regierung hatte aber politisch Position gegen den „Prager Frühling“ bezogen. Am 23. August hatten die einmarschierten Verbände den Aufruhr niedergeschlagen. Er hatte zwei Tage gedauert.
In Deutschland hatte als Protest gegen die ältere, konservative Generation, zudem die Hippie-Welle große Ausmaße angenommen. Drogen und bunte Mode waren deren Begleiterscheinungen, ein friedlicher Protest mit teilweise verheerenden Folgen.




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