Meine "12 von 12" im Juli 2019

von stresemanns ganz normal

Heute ist wieder der Tag, an dem Caro in ihrem Blog „Draußen nur Kännchen“ dazu aufruft, den Ablauf des Tages in 12 Bildern vorzustellen. In diesem Monat möchte ich euch meinen Tagesablauf „12 von 12“ nicht vorenthalten. Also das dachte ich schon die ganzen letzten Tage, bis mir heute morgen bewusst wurde, dass ich mich an einem Ort ohne Internet befinde. Die freundlichen Österreicher im Tourismusbüro haben mir aber Zugang zum hauseigenen WLAN verschafft und so kann ich meine „Reiseeindrücke“ von heute über Caros Blog „Draußen nur Kännchen“ verlinken. Hier also in 12 Bildern mein Tagesablauf.


Ganz Normal Österreich

01. Ein „Grüß Gott“ aus dem Voralberg. Das ist ein
gebirgiges Bundesland im Westen Österreichs, das an Deutschland,
Liechtenstein und die Schweiz angrenzt und für seine Skiresorts und
seine Alpenlandschaft bekannt ist. Die Hauptstadt Bregenz liegt am
Bodensee. Die Landschaft drumherum nennt der Österreicher
„Bregrenzer Wald“. Hie leben 32.000 etwas eigenwillige, höchst
gastfreundliche Menschen. In 23 ursprünglichen Dörfern mit
bäuerlicher Tradition und einer interessanten Mischung aus alter und
neuer Architektur.


Ganz Normal Österreich

02. Hier zwischen den Ortschaften Egg, Mellau und Bezau liegt
unsere Hütte, die bis zu 20 Mitgliedern der Familie gleichzeitig ein
Bett bietet. Jetzt, im Hochsommer, ist hier weniger los, als im
Winter, wenn die Ski-Saison auf vollen Touren läuft. Die vollen
Touren brauche ich nicht, ich will abschalten, ausruhen, wandern und
geniessen. Schon die Fahrt durch den Vorderwald ist ein Schwelgen
zwischen grünen Hügeln, bunten Blumen, braunen Kühen und
schneebedeckten Bergspitzen.


Ganz Normal Österreich

03. Unser Morgenspaziergang führt uns über die Bochere, einen
bewaldeten Hügel, hinunter zum Dörnlesee, einem idyllischen Weiher.
Das Gras ist noch feucht. Wiesenschaumkraut, Löwenzahn und
Spitzwegerich strecken ihre Köpfe in die Höhe. Die Vögel singen,
die Luft ist klar. Am Bochernweg kommen wir zu einer Bank – einer
dieser Sitzgelegenheiten, die Platz zum Rasten mit Ausblick in die
Landschaft bieten. Ein guter Ort, um sich zu unterhalten, zu schauen
oder sich zu stärken. Überall finden sich interessante Gebäude,
die beweisen, dass es im Bregenzerwald Neubauten mit Qualität
zwischen alten, traditionellen Häusern verträgt. Gutes tut sich
nicht weh. Schade ist nur, dass das unsere deutschen Baubehörden
noch nicht verstanden haben,


Ganz Normal Österreich

04. In Lingenau gibt es seit zwei Jahren Bänkle, die noch mehr
können: In ihnen stecken Geschichten. 28 Erzählbänkle sind im
ganzen Dorf entlang von vier Erzählrouten aufgestellt, erkennbar an
grünen Tafeln. Man kann sich von ihnen über Land und Leute erzählen
lassen: Scannt man mit dem Mobiltelefon den angebrachten Code, gibt
es eine Geschichte geschenkt. Erzählt von einer Person aus Lingenau
im Alter zwischen sieben und neunzig Jahren. Das Besondere dabei: Bei
jedem Bänkle ist eine wahre Geschichte zu hören, die genau zu jenem
Ort passt, an dem man gerade Platz genommen hat. Es sind
Geschichten über das Züchten von Bienen, über Heimweh und Feste.
Geschichten von Expeditionen, vom Überleben und Verlieben. Von
Alltagssorgen und Lebensfreuden.


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05. Landschaften prägen die Menschen, und wo könnte das Wandern
schöner sein als in einem so geheimnisvollen, mythologischen und
heilsamen Gebirge? Wandern hat einen enormen gesundheitlichen Effekt
– und Bergwandern erst recht. Die positiven körperlichen
Auswirkungen, von Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems über
Regulierungen des Fett- und Zuckerstoffwechsels bis zur Verbesserung
der Immunabwehr reichend, sind ja bestens erforscht. Erst in
jüngerer Zeit beschäftigt sich die Wissenschaft mit den Wirkungen
des Wanderns auf die Psyche und bringt noch erstaunlichere Resultate:
Wer wandert, kann Altersdemenz im besten Fall um Jahre verzögern.
Wandern ist ein Antidepressivum ersten Ranges und eines der besten
Mittel zur Verhinderung des Burnout, der Krankheit unserer Zeit.


https://videopress.com/v/hTBGvFdx

06. Den ersten steilen Anstieg ersparen wir uns und schweben mit der Bergbahn über den Waldgürtel auf die Roßstelle. Dort, im märchenhaften Bergwald, waren in meiner Kindheit noch Rübezahl und nach erster winterlicher Verzuckerung das Christkind zu Hause. Nirgendwo klingen die Kuhglocken übrigens so sommerlich wie hier, da ist das Klischee von saftigen Alpwiesen und glücklichen Kühen erfüllt.


Ganz Normal Österreich Ganz Normal Österreich Ganz Normal Österreich Ganz Normal Österreich

Wer am Strick hängt, entwickelt Gleichmut, wer über den Strick gebietet, spielerisches Feuer. Dazu läuten die Schellen der Geißen, wie man sie hier nennt. Die braunschwarz-gemsfarbenen, das sind die unsereinen normal anmutenden Ziegen, das Alpenvolk. Plüschbehaart die grauen, spektakulären Blobeziegen, von denen es, der größten Zeitung des Landes zufolge, weltweit nur mehr 160 Stück gibt. Sollte das zutreffen, lässt sich in Andelsbuch ein Zehntel der Blobeziegenwelt bestaunen.


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08. Was ist die Spezialität im Voralberg? Na klar, der Käse natürlich, der hier in unzähligen Sorten und Variationen zu finden ist. Wenn dann der Weg zur Gastwirtschaft im einsamen Teil auch noch 2 Stunden entfernt ist, schmeckt es um so besser.


https://videopress.com/v/hmwfbuXN

09. Streckenweise lässt der Wald neben dem Bachbett ausreichend Platz für meine Tritte. Dann machen riesige Steine den Fluss uferlos. An manchen Stellen führt der Weg durch das Wasser selbst. Rechts der oft steil aufsteigende wilde Wald, links das bisweilen laut rauschende und gurgelnde Wasser. Dann wieder tut sich der Wald auf wie zu einer unwirklichen Lichtung. Äste, Steine, Waldboden – alles an diesem Ort ist dicht mit Moos bewachsen. Moos in hellem, jungem Grün, man denkt dennoch an uralte Landschaften. An Märchen.


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10. Das „Wälderbähnle“ ist ein Wahrzeichen des
Bregenzerwaldes und daher aus dem Landschaftsbild gar nicht
wegzudenken. Dass es bis heute auf der Strecke Bezau - Schwarzenberg
unterwegs ist, ist dem Verein der Museumsbahn zu verdanken. Viele
ehrenamtliche Eisenbahnfans sind als Dampf- und Diesellokführer,
Heizer, Fahrdienstleiter, Zugführer, Schaffner und am
Fahrkartenschalter im Einsatz. Immer wieder werden historische Loks
und Waggons ausfindig gemacht und liebevoll restauriert.


https://videopress.com/v/Xp5agiP7

11. Unwillkürlich spürt man angesichts des glasklaren,
sprudelnden Wassers und der sich im Sommerwind wiegenden Gräser und
Bäume ein wenig Mitleid mit denen, die sich am heißen, ausgedörrten
Mittelmeerstrand langweilen müssen. In der Abendsonne im Tal
angekommen, wird es noch einmal philosophisch, mit einem Gedanken
Kierkegaards: „Ich habe mir meine besten Gedanken ergangen und
kenne keinen Kummer, den man nicht weggehen kann.“


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12. Einen „Almauftireb“ gibt es kaum noch im Voralberg. Die
Kühe werden meist mit dem Trecker im Anhänger nach oben gefahren.
Verbleiben in Zwischenstationen bis sie schließlich in der Hütte am
Berg angekommen sind. Morgen will ich die Kühe auf die erste Weide
begleiten. Wohlgemerkt: „Ich will!“. Denn Der Bauer erklärt mir
den Ablauf: „Bei Tagesanbruch, morgens um halb vier, bringen wir
die Kühe auf die erste Weide. Um sieben Uhr holen wir sie wieder in
den Stall, wo sie bis nach Mittag bleiben. Für die Tiere ist es viel
angenehmer, im kühlen Stall wiederzukäuen und zu verdauen als in
der prallen Sonne. Auch landen die Exkremente so nicht in der Wiese,
sondern auf dem Misthaufen. Das schont das Gras und die Weiden sind
länger benutzbar.“ Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das
Vorhaben umsetze, denn eigentlich bin ich von Natur kein so früher
Aufsteher.


Nun wünsche ich euch noch einen warmen und schönen Sommer, wo immer ihr auch seid. Ich werde noch einige Berge erwandern, verlinke diesen Beitrag noch zu Caro und begebe mich dann wieder in die Voralpen-Welt ganz ohne Internet.


Wer sich auch einmal in anderen #12von12 Tagesabläufen umgucken möchte…  die gemeldeten Blogeinträge des 12.Juli 2019 werden hier gesammelt. Abermals Danke Caro für Deine große Mühe.



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