Matt Guthmiller: Jüngster Erdumflieger will zu den Sternen
46.000 Kilometer legte der Maschinenbau- und Informatikstudent in mehr als 500 Flugstunden zurück. Ende Mai war er in seiner Heimatstadt Aberdeen im US-Bundesstaat South Dakota gestartet, 44 Tage später landete er im kalifornischen San Diego.
SPIEGEL ONLINE sagte Guthmiller, schon als Kind habe er in Flughafencafés stundenlang die startenden und landenden Maschinen beobachtet. Mit 16 nahm er dann das erste Mal Flugstunden und überflog seine Heimatstadt. Ein Jahr später machte er einen Flugschein. "Es war das Fliegen, das ich schon immer lernen wollte", sagt Guthmiller.
16 Stunden am Stück in der Luft
Lust auf den Rekord bekam er, als er im Juni 2013 vom 21-jährigen Jack Wiegand aus Kalifornien las, der als bis dahin jüngster Mensch die Erde im Alleingang mit dem Flugzeug umkreist hatte. "Ich mailte diesen Artikel an Freunde und Familie und schrieb: 'Das werde ich nächstes Jahr auch machen!'", erzählte Matt. Während er sich vorbereitete, wuchs der Zeitdruck: Im September 2013 gelang dem Australier Ryan Campbell die Weltumrundung. Bei seiner Landung war er nur wenige Monate älter als Guthmiller.
Matt Guthmillers Rekordflug-Route
Anfangs habe niemand seine Ambitionen ernst genommen: "Klar. Viel Glück bei diesem Versuch!" sei die sarkastische Antwort seiner Freunde gewesen. Als er mit den Vorbereitungen begann, hätten ihn aber alle unterstützt. "Ohne sie wäre das gar nicht möglich gewesen!" Beim Abflug fragten ihn seine Eltern zum Spaß, wann er abends wieder zu Hause sei.
Aus dem Beechcraft-Kleinflugzeug baute Guthmiller vier Sitze aus, damit er mit einer Tankfüllung fast 5200 Kilometer weit fliegen konnte - einmal 16 Stunden am Stück. Mit Familien und Freunden kommunizierte er die meiste Zeit über das Handy.
Wenn es ihm irgendwo gefiel, blieb er ein paar Tage und schlief während dieser Zeit in Hostels. Einmal gelandet war Matt selten einsam: Von Freunden und Bekannten hatte er viele Kontakte zu Leuten, die ihn in ihrem Land begrüßten und zum Essen mitnahmen. Gerne wäre er mancherorts noch länger geblieben, aber die Zeit drängte: Als Guthmiller in San Diego aufsetzte, unterbot er den bisherigen Rekord Campbells nur um zehn Tage.
Einmal falsch tanken kann tödlich sein
Guthmillers Reisen klingen ein wenig nach Aussteigertraum, in Wahrheit bedeuteten sie aber oft Lebensgefahr für den jungen Mann: Während seiner letzten Etappe über dem offenen Pazifik war das Routenkontrollgerät, das seine Koordinaten an einen Satelliten weitergab, sein einziger Kontakt zur Außenwelt.
Noch riskanter wurde es in Abu-Dhabi: Dort kaufte er drei Kanister Flugbenzin und bemerkte glücklicherweise vor dem Start, dass im dritten Kanister statt Benzin Motoröl gewesen war. "Das Motoröl musste ich erst einmal wieder aus dem Tank pumpen lassen, bevor ich weiterfliegen konnte", sagt Matt.
Ein Konkurrent hatte solches Glück nicht: Mitte Juli verunglückte sein 17 Jahre junger Kontrahent Haris Suleman in Amerikanisch-Samoa tödlich. So tragisch es klingt: Seinen Rekord verdankt Guthmiller auch dem Tod des noch jüngeren Konkurrenten.
Mit solchen Gedanken hält sich der Student aber nicht auf, er denkt bereits weiter: "Ich suche immer nach neuen Herausforderungen und einmaligen Erfahrungen", schreibt er auf seiner Internetseite "Limitless Horizons"
. "Vor einiger Zeit ist mir aufgefallen, dass ich noch sechseinhalb Jahre Zeit habe, um der jüngste Mensch im Weltall zu werden", sagt er. "Vielleicht probiere ich das aus."