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Wahlkämpfer der Demokraten

Wahlkämpfer der Demokraten

VON EVA WERNER aus Washington

Möglichst simpel: Ein Wahlkämpfer der Demokraten

Parag Metha (27) sitzt seit langem mal wie- der in seinem Büro der Partei- zentrale der Demokraten in der South Capitol Street in Washington. Doch viel Zeit zum Ausruhen hat er nicht. Als „National Trainer“ der Demokraten ist er Monate lang kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten gereist, um den Kandidaten der De- mokraten für Repräsentan- tenhaus und Senat rechtzeitig einzuimpfen, was im Wahl- kampf zählt – ein simples, ef- fektives Konzept. Und es gibt noch viel zu tun in den letzten Tagen vor der Wahl.

Mitreißend erzählt der junge, lässig gekleidete Mann in- discher Abstammung von sei-ner Aufgabe: „In der Vergan- genheit waren uns die Repu- blikaner im Wahlkampf überlegen. Unsere Kandida- ten haben versucht, ihre Poli- tik genau zu erläutern, sich in umständliche Formulierun- gen verstrickt. Die Republi-kaner haben auf eingängige Slogans gesetzt. Wir haben dazugelernt.“

Der Durchschnittsamerikaner widmet der Politik nicht viel Aufmerksamkeit, sagt Metha. „Wichtig ist des- halb, zu vermitteln, warum er wählen und für die Demokra- ten stimmen soll.“ Eine Top- Agentur in New York habe drei Slogans für die Demo- kraten entwickelt. Diese lau- ten: „Together, Americans can do better“ (Gemeinsam können Amerikaner es besser machen), um Zusammenge- hörigkeitsgefühl zu vermit- teln; „Republican culture of corruption“ (Republikani- sche Kultur der Korruption), um die gegnerische Partei als durchtrieben und unglaubwürdig zu charakterisieren; und „A new direction“ (Eine neue Richtung), um zu vermitteln, dass mit den Demokraten alles besser werde, vor allem in Sachen Irak-Krieg.

Die Skandale nutzen den Demokraten

Auch die Inhalte des demo- kratischen Programms müss- ten die Kandidaten in 30 Se- kunden den Wählern nahe- bringen können. „Wählt die Demokraten, damit die Aus- bildung an Unis wieder er- schwinglich wird“, oder „Wählt die Demokraten, da- mit Stammzellenforschung möglich wird“.
Die Skandale bei den Republikanern wie der um den Lobbyisten Jack Abramoff, der Indianerstämme betrogen hatte, und um Mark Foley, der minderjährigen Parlaments- pagen E-Mails mit anzügli- chem Text geschickt hatte, hätten den Demokraten in die Hände gespielt, freut sich Metha. Der lange vorher ent- wickelte und in den Köpfen der Menschen verankerte „Corruption“-Slogan füllte sich mit Inhalt. „Seither ist der Enthusiasmus auf repu- blikanischer Seite geschwun- den. Und die Repubikaner brauchen Enthusiasmus, um wählen zu gehen. Nun werden wohl viele am Wahltag zu Hause bleiben“, sagt Meta.

Eines gehört nicht zu Methas Aufgaben: Politik ma- chen. Auf die Frage, was ge- nau die Demokraten nach de- ren möglichem Sieg zu tun ge- denken und wie sie im Irak vorgehen wollen, zuckt er mit den Achseln: „Das ist die Aufgabe der Politiker – und nicht meine.“