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Kirchenmalerin - Ein Beitrag für handfest

KirchenmalerinSteffi Bruha (28) hat ihren Traumberuf gefunden


    Von Eva Werner

   (Im Magazin auf S. 8/9 - dazu das PDF oben anklicken)



Es hat gedauert, bis sie wusste, was ihr lag. „Nach dem Realschulabschluss habe ich eine Ausbildung als Rechtsanwaltsgehilfin begonnen“, erzählt die Münchnerin. „Das hat mir aber gar nicht gefallen.“ Sie brach ab und suchte sich eine Lehrstelle als Schauwerbegestalterin. „Das war schon mehr meine Welt“, entdeckte sie. Endlich konnte sie kreativ sein.


Aber nach Ende der zweijährigen Ausbildung an der Berufsschule für Farbe und Gestaltung wurde sie nicht von ihrem Betrieb übernommen. Sie merkte, „wie schwierig es in dieser Branche ist, einen Job zu bekommen“ und auch, „dass der Verdienst nicht so toll ist“. 


Deshalb beschloss sie, noch einmal in die Lehre zu gehen. Lange brauchte sie da aber nicht mehr zu überlegen, was sie sonst interessierte. In ihrer alten Berufsschule war auch Kirchenmalerei angeboten worden und sie hatte dort immer fasziniert verfolgt, was die Aufgaben der Kirchenmaler waren. „Ich habe mich also in München als Kirchenmalerin beworben“, erzählt sie, „und es hat geklappt“. Nach ihrer dreijährigen Ausbildung wurde sie übernommen. Sie arbeitet noch immer in der gleichen Firma und schwärmt nach wie vor von ihrer Arbeit. Ihr gefällt, dass sie sich stets mit neuen Aufgaben auseinander setzen und sich immer wieder neu auf die Arbeit einstel- len muss, aber auch, „dass ich selbstständig arbeiten kann und das Ergebnis meiner Arbeit direkt vor Augen habe“. Sie genießt es darüber hinaus, „mit so vielen schönen Dingen in Berührung zu kommen, hin- ter die Kulissen vieler historischer Gebäude schauen zu können und über die Geschichte der Gemäuer viel zu erfahren“.


„Mit einem Kollegen bin ich gerade dabei, die Gitter des Eingangsbereichs von Schloss Linderhof zu vergolden“, berichtet Steffi. „Die werden erst beim Schmied auseinander genommen, sandgestrahlt, wieder grundiert und zusammengesetzt. In der Werkstatt müssen wir noch mal grundieren, dann den Unterlegton für das Gold bestimmen und dieses auftragen.“ In Linderhof hat sie schon die Fassade erneuert. Ein Kollege hat die Stuckvergoldung innen restauriert.


Letztes Jahr hat sie außerdem im Münchner Maximilianeum unter den Arkaden gearbeitet, dort Malerei rekonstruiert, „Man muss sich bei dieser Arbeit darauf besinnen, wie das einmal gemacht wurde, wie die den Pinsel geführt haben, wie man Licht und Schatten setzt und Ähnliches.“ Im vergangenen Winter hat sie in Burg Schwaneck Quader-malerei und Blattfries rekonstruiert. „Momentan bin ich jedoch vor allem mit Vergolden beschäftigt, aber das ändert sich immer mal wieder“, ergänzt sie. Wichtig ist ihr: „Man braucht uns. Alte Gebäude müssen immer wieder hergerichtet werden und dafür sind Fachleute nötig.“


„Man braucht uns. Alte Gebäude müssen immer wieder hergerichtet werden und dafür sind Fachleute nötig.“



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Maler/in und Lackierer/in – Fachrichtung Kirchenmalerei und Denkmalpflege | Vergolder/in



Voraussetzungen: Sinn für Farbe und Form | handwerkliches Geschick und Kreativität | gute Kenntnisse in Mathematik | zeichnerisches Darstellungsvermögen | Fertigkeiten im Technischen Zeichnen | für Kirchenmalerei auch Liebe für historische Gebäude



Aufgaben und Tätigkeiten: Die Arbeit von Vergoldern und Kirchenmalern ist ähnlich. Kirchenmaler lernen viel von dem, was Vergolder lernen und umgekehrt. Eine strikte Aufgabentrennung gibt es eigentlich nicht. Vergolder halten sich vielleicht mehr im Betrieb auf und beschäftigen sich mehr mit Vergoldung, Versilberung, Farb- und Weißfassung von Figuren, Altären, Rahmen und dem Gravieren. Kirchenmaler dagegen sind mehr in historischen Gebäuden tätig. Die meisten der 120 Kirchenmaler-Betriebe sind in Bayern. Kirchenmaler haben im Gegensatz zu den Vergoldern keine eigene Innung, sondern sind bei der Maler- und Lackiererinnung.



Weitere Informationen zu beiden Berufen gibt es unter www.bundesverband-kunsthandwerk.de, unter www.farbe.de sowie bei der Landesinnung des Vergolder- (und Einrahmer-) Handwerks NRW, Telefon: 0211 / 36 70 721, E-Mail: info@vergolder.de oder bei der Landesinnung des Bayerischen Vergolder- und Fassmalerhandwerks, Tel.: 089 310 10 9info@vergolderinnung.de

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